Habermas und Holocaust

„Man könnte so weit gehen und sagen, daß der ganze linksliberale Block aus undeutlichen Habermasianern besteht. Für diese große Mehrheit ist typisch, daß sie sich für eine verfolgte Minderheit hält und daß sie ihre fast nirgends angefochtene kulturelle Hegemonie im Stil von Notwehr gegen einen übermächtigen Gegner ausübt.“ Peter Sloterdijk

Fünf Wochen nach Björn Höckes Dresdner Rede, in der bekanntlich das Wort vom „Mahnmal der Schande“ fiel, haben sich die Wogen wieder geglättet. Das ist der Moment der Reflexion, der Einkehr und der Erinnerung. Denn Höckes Rede hat eine lange und vertrackte Geschichte, die Geschichte des „Holocaust-Denkmals“ oder, wie es offiziell heißt, des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“.

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Das neue Frauenbild

Was in Ungarn sofort auffällt: es gibt keine ningelnden, nörgelnden, nervenden Kinder. Zumindest habe ich noch keines gesehen. In Deutschland jedoch genügen in der Regel fünf Minuten im Stadtzentrum oder einem Einkaufspalast, um gestressten Müttern, die ihre Kleinen anblaffen, und weinenden, schreienden, zappelnden Kindern zu begegnen.

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Trump als Inkarnation

„Unglücklicherweise ist ‚postmodern‘ heute ein Passepartoutbegriff, mit dem man fast alles machen kann. Ich habe den Eindruck, daß ihn inzwischen jeder auf das anwendet, was ihm gerade gefällt.“ (Umberto Eco)

Die sogenannte philosophische Postmoderne investierte einen großen Teil ihrer Denkenergie darein, zu erklären, was sie selbst ist, was das Wort „postmodern“ eigentlich bedeuten soll. Ein kurzes Brainstorming, ein bißchen blättern in den alten Texten und ein erst flüchtiger Verdacht erhärtet sich. Sie ist nicht tot, die Postmoderne, sie ist gerade erst wieder auferstanden und hat sich reinkarniert.

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Parteientektonik

Der irrationale Aufschwung einer im Grunde schon am Boden liegenden SPD durch das Postengeschacher Sigmar Gabriels zeigt, wie beweglich das Parteiengefüge geworden ist. Man sitzt auf einem Vulkan, unter uns das bewegliche Magma und keiner weiß, ob und welche neuen Krusten sich bilden werden. Daß man einen in „Europa“ verfilzten Schulz als „neuen“, unverbrauchten Mann darstellen kann, verrät uns einiges über die Psyche der erlösungshungrigen Deutschen. Jetzt bedürfte es einer großangelegten Studie der Frankfurter Schule, wie sie einst Erich Fromm und Adorno oder Wilhelm Reich lieferten, um die eigentümlichen Charaktertypen herauszuarbeiten …

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Aule Schwede Dans

Es vergeht kein Tag – daher ist die leidige Wiederholung kaum vermeidbar, sorry! –, es vergeht kein Tag, an dem sich die Pressehorde nicht an irgendeiner Aussage oder Geste Trumps oder deren Absenz abarbeitet. Das Wort „Horde“ wird hier ganz bewußt genutzt, denn die Synchronizität, das Schwarmverhalten, aber auch der aggressive Drive sind unübersehbar.

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Der Rhizom-Terror!

Der Philosoph Gilles Deleuze hat schon in den siebziger Jahren das Bild des Rhizoms entwickelt, in dem er ausdrücken wollte, wie postmoderne Organisationen verfaßt sind: Sie gleichen dem Wurzelwerk von Bäumen, weithin verästelt, und sie lösen damit die straffen Hierarchien herkömmlicher Institutionen ab. Solchen wuchernden Rhizomen gleichen nun die dschihadistischen Netzwerke (Gilles Kepel)

Gilles Kepel, den man auch in Deutschland gerne als Terrorexperten zitiert, hatte bereits in seinem umfänglicheren Werk von 2009 – „Die Spirale des Terrors. Der Weg des Islamismus vom 11. September bis in unsere Vorstädte“ – seine Vorliebe für den Poststrukturalismus bewiesen, denn dort wollte er den Terror im Paradigmenwechsel von historischer Faktizität (das reale Ereignis) zur historischen Fiktionalität (das mediale Ereignis) beschreiben. Unter Poststrukturalismus verstehen wir eine Vielzahl von philosophischen Ansätzen, die sich alle auf eine Zeichentheorie (affirmativ oder negativ) beziehen und die psychoanalytische, marxistische Begrifflichkeiten überwindend nutzen. Das einigende Band ist die „Dekonstruktion“ – also die Destruktion und insgeheime Neukonstruktion – einer Objektivität.

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