Die Münchhausen-Presse

Wer es noch immer nicht glaubt, der traue zumindest seinen Augen.

Seit Tagen wird um die Zuschauerzahl bei Trumps Vereidigung gerungen. Stolz präsentierte die gesamte (!) deutsche Leitpresse eine Vergleichsphotographie, die beweisen sollte, daß Trumps Inauguration „a total disaster“ war. Kein Schwein wollte das sehen, er sprach praktisch vor leeren Reihen.

Das fiel umso drastischer ins Auge, als im Jahre 2009, bei Obamas erster Vergatterung die Massen in Massen zum Messias strömten.

trump-obamaDas Bild – hier aus „Die Welt“, wo ich es zuerst gesehen hatte – spricht Bände.

Sogleich gab es eine wüste Kommentiererei mit dem Grundtenor: das ist Fake, das ist zumindest nicht seriös, denn kein Mensch kann nachprüfen, daß die Mengen zu vergleichbaren Zeiten gefilmt wurden.

Trumps Team dementierte auch umgehend und sprach von „alternativen Fakten“, worauf sich die Pressemeute erneut stürzte, um ein höhnisches quod erat demonstrantum reinzudrücken, denn über wirkliche Fakten verfüge ja wohl nur sie, die Presse, selbst.

Nun hat CNN ein sogenanntes Gigapixel-Bild veröffentlicht, Rundumblick und hochauflösend – hier einzusehen (lohnt sich)!

cnnDas Bild, sofern es nicht Fake ist, beweist: Die Stellflächen sind bis an den Rand proppevoll. Zoomt man das Ende heran – man kann noch immer Individuen erkennen –, dann sieht man, daß die Fläche bis zu den Eingangsbauten gefüllt ist. linker Hand das rote Kirchengebäude versichert uns der Perspektive …

… und verschafft uns eine neue, die ein Leser treffend auf den Punkt bringt: „Ich weiß schon, warum ich die „Welt“ gekündigt habe.“

Tatsächlich eliminiert sich die Presse rasant selbst und begreift den Zusammenhang der beiden Ereignisse nicht.

© JF

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2 Gedanken zu “Die Münchhausen-Presse

  1. Kurt Droffe schreibt:

    Ja, es schaudert einen, wenn man die Berichterstattung zu Trump beobachtet, grundsätzlich. Tagelang Kommentare über das Kleid seiner Frau, die Zahl der Zuschauer, die Einrichtung seines Büros etc. – da könnte ich auch die Bunte lesen, ist unterhaltsamer. Und dann die schrillen Reaktionen auf der Linken! Ich denke, man darf skeptisch sein, was Trump angeht; vieles (nicht alles) auf seiner Agenda ist äußerst problematisch. Aber wenn ich mir dann dieses alberne Verhalten anschaue! Unter normalen Menschen würde man sich ärgern, einmal tief Durchatmen, die eigenen Interessen und Positionen bestimmen und dafür werben und arbeiten. Stattdessen setzt man sich lächerliche Mützen auf und nennt jeden, der anderer Meinung ist, einen Nazi, Frauenfeind u.a.m. Die Gefahr dabei ist, daß bei solchen hysterischen Stunts tatsächlich berechtigte Kritik, wie sie notwendig sein wird, komplett untergeht (Ich erlaube mir einen Verweis auf einen von mir geschätzen Blogger, der das gut ausführt, auch sonst einige lesenswerte Beiträge zu Trump geschrieben hat: http://www.coyoteblog.com/coyote_blog/2017/01/the-lefts-nutty-irrational-disruptive-opposition-tactics-almost-make-me-want-to-switch-sides.html).
    Und wäre ein Trump nur zu einem gut, dann dazu, aufzuzeigen, wie wenig von diesem Menschenschlag zu halten und zu erwarten ist.
    .

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Mich erinnert dieses beständige besserwisserische Nachkarten der Journalisten an ein Erlebnis aus meiner Kindheit. Mein Lebtag nie an Sport interessiert, wurde ich nach irgendeinem Fußball-Länderspiel von Deutschland gegen England, das die deutsche Mannschaft verloren hatte, von einem furiösen Nachbarsjungen „aufgeklärt“: Das eine Tor sei keines gewesen, das andere sei nur zustande gekommen, weil falsch gepfiffen worden sei, überhaupt sei einer der Schiedsrichter Russe gewesen, und die Russen und die Engländer hielten natürlich immer gegen die Deutschen zusammen, zudem hätte dieser dieser oder jener deutsche Spieler bestimmt noch ein oder zwei Tore geschossen, wenn es nicht so unfair zugegangen wäre. Usw., usf. Am Ende die Conclusio: „Und also haben eigentlich wir Deutsche gewonnen!“ Er war’s dann zufrieden und ich auch; ich hatte nämlich etwas Wertvolles gelernt: Leidenschaft weiß alles hinzubiegen.

    Man würde annehmen, nach vollendeter Wahl sollte man besser schauen, wie der Kandidat sich nun konkret macht im Amt. Ist nicht, wie auch immer sich nun die Besucherzahl seiner Vereidigung sich zu der seines Vorgängers verhalten mag, die Bewertung des Neuen oder Alten nach National Mall attendance – ein böses journalistisches Setzen auf den bekanntlich so verderblichen Populismus?

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