Blick senken!

Die erste Bedingung für eine glückliche Gesellschaft ist die sexuelle Befreiung, die jedem gestattet, nach seiner Natur zu leben. (Hans Kirk)

Khola Maryam Hübsch – übrigens auch eine Ahmadiyya – erntete Spott und Häme aus dem Publikum, als sie im Brustton der Überzeugung sagte, auch Muslime haben Werte und der Koran gebiete es sogar, daß Männer vor Frauen den Blick zu senken haben. Protest und Gejohle beim RTL-Publikum – kurz vor der nächsten Silversternacht. Die Sendung „Der Heiße Stuhl – über die Gewaltbereitschaft muslimischer Männer“, diesmal mit Thilo Sarrazin gegen fünf Verteidiger des Morgenlandes, war von Anfang an auf Krawall gebürstet, das Publikum entsprechend heiß.

Die Presse – gänzlich ausrechenbar – nimmt die Gelegenheit zum Anlaß (statt zuzuhören), über ihren Lieblingsgegner herzufallen.

Sarrazin – etwas vereinfacht – versuchte den Zusammenhang zwischen Islam bzw. Araber- und Türken-Sein und sexueller Kriminalität herzustellen und alle anderen wiederholten das Mantra, nicht alle Muslime seien Vergewaltiger – was meines Wissens noch kein Mensch ernsthaft je behauptet hatte. …

Aber dann brachte die bis über die Kinnlade verhüllte Muslimin den Koran in Anschlag. Und sie hat recht! Der Koran kennt vollkommen eineindeutige Verse wie diesen:

Sure 24, Vers 30f. im Kontext: „Sag zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten. Das ist lauterer für sie. Gewiß, Allah ist kundig dessen, was sie machen.Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer dem, was (sonst) sichtbar ist. Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen (Geschlechts)trieb (mehr) haben, den Kindern, die auf die Blöße der Frauen (noch) nicht aufmerksam geworden sind.“

In der Ahmadiyya-Übersetzung: „Sprich zu den gläubigen Männern, daß sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner für sie. Wahrlich, Allah ist recht wohl kundig dessen, was sie tun.“

In diesen Zeilen steckt das ganze Dilemma!

Es ist unislamisch: sexuelle Gewalt. Punkt! Wer eine Frau anmacht, antatscht, antanzt verhält sich nicht, wie ein Muslim sich verhalten sollte – er sündigt, er sündigt schwer! „Und diejenigen, die gläubige Männer und gläubige Frauen belästigen (wollen) unverdienterweise, laden gewißlich (die Schuld) der Verleumdung und offenkundige Sünde auf sich.“ (33.59)

Unmittelbar hat die sexuelle Gewalt also nichts mit dem Islam/Koran zu tun.

Mittelbar aber sehr wohl. Es ist eben kein Zufall, daß 99,3% aller ägyptischen Frauen sexuelle Gewalt erfahren, daß die Vergewaltigungsraten in den arabischen – wie in den meisten streng patriarchalen Ländern – ausgesprochen hoch sind … Der Islam verbietet das, ist aber zugleich eine wesentliche Ursache.

Er gestattet die freie und natürliche Ausübung der Sexualität nicht. Er kämpft gegen die Natur.

Solange Frauen in religiös fundierten streng patriarchalen Ordnungen einerseits als Gefahr gesehen werden und andererseits als reine Objekte (der Koran spricht nur zu Männern und nur über Frauen), und so lange sie demzufolge herumlaufen (müssen und wollen müssen) wie Khola Maryam Hübsch, bis unters Kinn zugedeckt, so lange die Geschlechter im Alltäglichen getrennt werden, so lange Jungen und junge Männer nie eine nackte oder auch nur leicht bekleidete Frau zu Gesicht bekommen, so lange ihnen eingeredet wird, alles andere sei Hurerei, so lange Mann und Frau sich nicht auf Augenhöhe begegnen dürfen … solange wird es im Reich des Islam, auch auf europäischem Boden, ein massives Sexualitätsproblem geben, das sich – statistisch gesehen – auch in sexueller Gewalt ausdrücken muß!

Das Gebot, den Blick zu senken, ist also nicht die Lösung, sondern die Ursache des Problems.

An dieser Stelle ist der Ruf nach Aufklärung (in beiderlei Gestalt) berechtigt. Sowohl die Psychoanalyse als auch der Marxismus haben hier Wesentliches geleistet. Man lese – um nur ein einziges prominentes Beispiel zu nennen – Wilhelm Reichs frühe Schriften: „Der sexuelle Kampf der Jugend“, „Die sexuelle Revolution“, „Die Funktion des Orgasmus“ u.a. Dort beschreibt er ähnliche Sexualnöte in der deutschen Arbeiterjugend der 20er und 30er Jahre. Sie treten überall dort auf, wo Sexualität gesellschaftlich unterdrückt wird und wo demographische Ungleichgewichte bestehen. Sie nicht zu lösen, verhindert jeglichen gesellschaftlichen Fortschritt.

Ja, Frau Hübsch, das massenhafte Antanzen und Schänden geschieht auch in Indien oder in (voraufklärerischen) katholischen Ländern … aber vor allem und besonders in vielen islamischen Gegenden. Und wenn derart sozialisierte junge Männer massenweise auf eine freie Körperkultur treffen, dann ist – statistisch gesehen – der Clash vorprogrammiert.

Insofern ist dieser Glaube und sein Heiliges Buch in die Verantwortung zu nehmen.

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4 Gedanken zu “Blick senken!

  1. ws schreibt:

    Eigentlich eine Binse, aber man muss es immer wieder sagen: Ein neurotisches Regelwerk gebiert neurotisches Verhalten.

    @ Seidwalk: Im Grund genommen besteht dieser Blog fast nur aus „Binsen“. Lebten wir in einer Welt, in der oben oben und unten unten ist, müßte ich mich für nahezu alle Beiträge aufgrund von Bedeutungslosigkeit und Banalität, für das wiederholte Aussprechen von Selbstverständlichkeiten schämen. So schäme ich mich nur für das Unterbieten des eigenen Anspruchs.

    @ ws: Zumindest ist der unterbotene eigene Anspruch immer gut formuliert…

    @ Pérégrinateur: Umso schlimmer, denn die Wahrheit einer Aussage beglaubigt sich doch allein durch die innere Betroffenheit des Äußernden, und die drückt sich durch Sprachlosigkeit aus. Wenigen gelingt es gleichwohl, mit solcher Sprachlosigkeit eine Viertelstunde zu füllen; dazu braucht es das sogenannte Roth-Züngle, das leider nur rezessiv vererbt wird, und im Falle eines frühen Verlustes oft gar nicht.

    Siehe http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/claudia-roth-einsamkeit-ist-schon-ein-thema-11956022.html

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Und wenn das neurotische Verhalten einen dann indirekt noch tiefer in die Observanz treibt, ist der Kreis vollendet. Solche Religionen und auch säkulare Weltanschauungen breiten sich gerade dadurch aus, dass sie sich ihre Umwelt günstig machen für die eigene Ausbreitung, ganz wie in der biologischen Evolution etwa der Biber sein Milieu über den Staudammbau erweitert. (Vgl. Richard Dawkins, The Extended Phenotype) Das klappt sogar ohne jede böse Intention der Stiftern bzw. es haben eben die Stifter von so gearteten religiösen Viren der Menschheit größeren Erfolg: Missionsgebot, Kindstaufe, Förderung des blinden Glaubens, Entmündigung, Exogamiebehinderung, Speisegebote, Wunderglaube, Bildungsbehinderung, vertikale Organisation mit dann möglicher wechselseitiger Einflussnahme von Staat und Religion usw. usf.

      Ein vorzüglicher Resonanzverstärker ist bei solchen Weltanschauungssystemen das Schuldgefühl. Auch unsere menschheitsreligiösen Immigrationsenthusiasten werden, wenn das Scheitern der Integration nicht mehr zu leugnen ist, die Schuld dafür ganz selbstverständlich exklusiv auf die Schultern der Deutschen legen. Denn wenn alle Deutschen ausreichend mitgezogen hätten, dann wäre ganz bestimmt alles gut ausgegangen usw. usf. Die Ausrede aller Fanatiker: Man war nicht radikal genug, nur deshalb hat es nicht geklappt. Das legitimiert dann auch noch, Oberschuldige unter den Skeptikern auszuweisen und den Zorn des Gerechten auf sie zu empfinden. Zerknirschung, die zum predigenden Pfaffen treibt, und Hass auf die außerhalb der Konfession – was will man mehr?

      Es ist, auch wenn man von der verlockenden „Betreuungsrente“ für Caritas und Diakonie einmal ganz absieht, kein Wunder, dass sich etwa Frau Göring-Eckardt und viele in der Regel wohl etwas helleren Bischöfe so begeistert von der Flut religiöser Menschen zeigen. Sie hoffen, dass indem die Tide des Irrationalismus steigt, auch ihr eigenes, auf den Klippen hängende Narrenschiff wieder flott wird. Sie vergessen aber, dass dessen Schiffshaut leckgeschlagen ist.

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      • Kurt Droffe schreibt:

        @Pérégrinateur: Sie sprechen da etwas Richtiges an – die Ähnlichkeit des linksdeutschen „progressiven“ Gutmenschen mit seinem nazistischen Pendant ist wie in vieler Hinsicht, so auch auch im Punkt der Schuldzuweisung unverkennbar. Natürlich haben wir uns auf die progressive Version der Dolchstoßlegende vorzubereiten: Die Miesmacher und Streikenden im Innern, die der Truppe an der Willkommensfront in den Rücken gefallen ist. Als light-Version bereits im Umlauf, da ja die deutsche Mehrheitsgesellschaft die bisherigen Immigranten schon früher so schlecht behandelt hat: mit kostenfreiem Erste-Welt-Schulangebot, Büchereien, Schwimmbädern, Musikschulen, äußerer Sicherheit etc.
        Wie überhaupt, ich habe das schon einmal gesagt, der blanke Voluntarismus bei der Spezies homo progressivus immer wieder verblüffend ist. So fiel in einer Bezirkselternversammlung – meine Frau hat`s erlebt – neulich der Satz eines Vaters: „Inklusion ist nur eine Frage des Wollens“. Und wo bloßes Wollen reicht, ist Unwille Verrat.

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        • Pérégrinateur schreibt:

          Auffällig ist diese entschlossene Realitätsverkennung gerade bei Pädagogen. Jahrzehntelange tägliche Anschauung lehrt sie, welche großen Schwierigkeiten manche Schüler beim Wissenerwerb haben, weil es an intellektuellen Gaben oder an der nötigen Willigkeit fehlt. Gehen sie dann in die Politik, sind sie meist der Ansicht, man müsse nur die Schulorganisation auf diese oder jene natürlich geniale Weise ändern, und das alles wäre überwunden. Oder man müsse die Benotung oder die Hausaufgaben abschaffen, jeden Schüler vor einen Computer setzen usw. Offenbar nehmen da manche ein Recht auf den Paradiesesrausch in Anspruch.

          Ich geriet neulich in eine Runde solcher wohlmeinender Lehrer. Sie waren begeistert davon, dass in der Region seit Neuestem eine „Freie Schule“ betrieben wird. Frei heißt da anscheinend, dass die Kinder in keiner Weise dazu angehalten werden, irgend etwas zu lernen. Man war der Ansicht, Kinder hätten das auch gar nicht nötig, weil alle so viel Entdeckerfreude am Wissen hätten, dass sie sich das Nötige aus eigenem Willen aneignen würden, früher oder später. Und wozu es ihnen dann aufzwingen? Eine Waldorf-Lehrerin klagte, auch in den Schulen dieses Typs habe es früher mehr von eben dieser Freiheit gegeben, inzwischen hätte das leider sehr gelitten.

          Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und fragte, ob sie schon mal etwas von der menschlichen Charakteruniversalie Faulheit gehört hätten. Daraufhin schmollten die Münder.

          Durch Jahrzehnte vergleichsweise hohen Wohlstandes verwöhnt, mögen viele offenbar heute Härten gar nichts mehr ins Auge fassen, selbst wo diese nötig sind. Der Glaube, man müsse die Dinge nur unbehindert laufen lassen, dann würden sie sich am Ende von alleine gut fügen, ist dabei eigentlich gar keine linker Topos. Auf der Seite des Spektrums setzt man ja eher darauf, alles zu politisieren, alles zu diskutieren und dann die Welt in einem kollektiven Willensakt zu bessern. Insofern glaube ich gar nicht, dass die klassisch verstandene Links-rechts-Achse heute die wichtigste politische Koordinate ist. Es geht vielmehr um Wirklichkeitssinn gegenüber idealistischem Möglichkeitssinn.

          Die Integrations-Voluntaristen, die sie beschreiben, beschränken sich größtenteils auch auf die bloße Bekundung der richtigen Gesinnung plus etwas dilettantische Flüchtlingsbetreuung durch Großmütter ohne Hund. Unlängst habe ich von einem Fall gelesen, wo ein Willkommensbefürworter doch tatsächlich einmal als finanzieller Bürge für einen Immigranten gegenüber der Kommune aufgetreten ist. Es handelte sich um einen limitierten, recht bescheidenen Betrag von ein- oder zweitausend Euro. Nun erweist sich, dass die Bürgschaft wohl verfallen wird. Woraufhin es einen Antrag im Gemeinderat gab, den Bürgen doch bitte schadlos zu stellen. Irgend jemand muss die Last am Ende tragen, aber doch bitte nicht der Schausteller des Edelmutes.

          Die Träumereien gehen weiter, solange die Bezahlung der Zeche aufgeschoben oder anderen auferlegt werden kann. Fürs Lernen kommen die bitteren Rückmeldungen noch zu spät oder gar nicht.

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