Der letzte Republikaner

Vielleicht gibt es doch einen positiven Grund, für Donald Trump zu sein: Aus Artenschutzgründen.

Selbst eifrige Anhänger Trumps argumentieren reihenweise in die Kamera: er sei zwar ein Schwein, moralisch disgusting, aber immer noch besser als Hillary. Aber nicht als Rüpel ist der Scheinrepublikaner gefährdet, sondern als Spezies. Sollte die „Demokratin“ gewinnen, dann könnte das der Beginn einer neuen unabsehbar langen „demokratischen“ Ära werden.

Nicht politische Inhalte bestimmen darüber, sondern – eine gute Lehre auch für Europa – die Demographie und die Globalisierung. Der demographische Wandel wird die parteipolitische Tektonik der Vereinigten Staaten unwiederbringlich verändern. Migranten, Atheisten, Gebildete und Singles werden künftige Wahlen entscheiden.

Republikanische Wählerschaft ist mehrheitlich weiß. Der Anteil der weißen Bevölkerung nimmt rapide ab. Besonders der „Hispanics“-Anteil steigt aufgrund der Migration und der hohen Geburtenrate stark und hat den afroamerikanischen bereits überholt. Das republikanische Powerhouse Texas etwa hat schon jetzt weniger weiße Amerikaner als Latinos und Schwarze – in zwei Jahren wird es auch weniger weiße Wähler haben – und könnte bald ein „demokratischer“ Staat werden, wenn das ethnotypische Wahlverhalten sich nicht ändert und wenn es gelingt die hispanische Bevölkerung – traditionell mit geringer Wahlbeteiligung – an die Wahlurne zu bekommen. Laut „America’s Electoral Future“ und „Politiken werden die Demokraten von 2012 bis 2032 circa 8,6% Zuwachs allein durch ethnische Verschiebungen erlangen.

Gleichzeitig werden die Staaten im Zuge der westlichen und christlichen Säkularisierung immer weiter verweltlicht. Laut dem „Public Religion Research Institute“ wählen 66% (von 100 Wahlberechtigten) der weißen Evangelikalen, 49% der weißen Protestanten und 48% der weißen Katholiken potentiell Trump, wohingegen Clinton mit respektive mageren 17%, 39% und 41% aufwarten kann. Verglichen mit Romney 2012 hat Trump bei diesen Gruppen einerseits bereits Einbußen erlitten, vor allem aber schmelzen diese Gruppen insgesamt zusammen. 1990 sagten weniger als 10% der Amerikaner, daß sie religiös ungebunden seien, heute sind es bereits 24% und unter den 18 bis 29-jährigen sogar 34%.

Ein weiteres Problem für die Republikaner dürfte das steigende Bildungsniveau sein. Studierte Menschen haben einen langjährigen Indoktrinationskurs hinter sich, der, wie die Medienwelt beeindruckend zeigt, stark linksdrallig ist. Seit dem Ende des Weltkrieges stieg der Anteil der High-School-Abschlüsse von 5% auf 33%. Tendenziell gehören diese Schichten der Mittelklasse an, leiden seltener unter ökonomischen Sorgen, haben weniger Kontakt mit der Migrations- und sozialen Problemwelt und leisten sich den Luxus der Moral, wählen also statistisch gesehen zunehmend links.

Die Ursachen für den Verfall der klassischen Familie sind mannigfaltig, hängen indes alle mit der Moderne, der Globalisierung zusammen. Frauen wählen ohnehin vornehmlich Clinton, unter den alleinstehenden, unverheirateten Frauen ist der Anteil aber besonders hoch. 2012 machte diese Gruppe laut Rebecca Traister, Autorin von „All the Single Ladies – Unmarried Women and the Rise of an Independent Nation“, unglaubliche 22% der gesamten Wählerschaft aus, Tendenz steigend. Sie schreibt auf ihrer Webseite: „Perhaps more dramatically than any other voting block, un­married women — comprising as they do other liberal-voting groups including young women and women of color — lean left. Way left. Single women voted for Barack Obama by a wide margin in 2012 — 67 to 31 percent — while married women (who tend to be older and whiter) voted for Romney.“

2016 könnten – so schreibt „Politiken“ zum ersten Mal in der Geschichte mehr unverheiratete als verheiratete Frauen wählen. Ihnen dürfte die konservative Sicht der Existenzsicherung im Eheverbund fremd sein.

Die Wahl 2016 ist aufgrund ihres spektakulären Charakters und des allgemeinen Bewußtseins, daß es sich um eine wahre Schicksalswahl handelt – die möglicherweise über Krieg und Frieden entscheidet –, die vielleicht letzte Chance der Republikaner für lange Jahre an die Macht zu kommen. Sollte Trump gewinnen, dann steht er nicht nur vor der unlösbaren Aufgabe, seine Versprechen wahr zu machen, seine vier Regierungsjahre werden auch darüber entscheiden, wie Amerika sich prinzipiell weiterentwickelt. Er muß in dieser kurzen Zeit die Gesellschaft so weit umbauen, um besagte Prozesse zu stoppen. Oder die Republikaner werden gezwungen sein, sich dramatisch zu verändern, um sich den demographischen Wandlungen anzupassen – sie werden mithin aufhören republikanisch zu sein. Oder, die dritte Möglichkeit, die Welt und das Land wird in gravierend schwere Krisen gestürzt, die das politische Gefüge noch einmal revolutionieren, die dann vielleicht den republikanischen, autoritäreren Weg sinnvoller erscheinen lassen als das linke laissez fair.

Ansonsten spricht die Zeit ihr Machtwort.

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