Amphitheatrum meets/incontra الله

Nichts für Ästheten, diese Überschrift, die gleich drei „Kulturen“ und vier Sprachen vermengt. Aber sie trifft ziemlich genau das, was Ende Oktober in Rom zu sehen war:

Mehrere tausend Muslime beteten in Rom, einer Hauptstadt der westlichen und der italienischen Dekadenz, vor dem Römischen Kolosseum.

Aufgerufen hatte „Dhuumcatu“, eine islamische Vereinigung, die Muslime aus Bangladesh vertritt. Man protestierte gegen die Schließung dreier (an anderer Stelle fünf) Gebetsräume. Innenminister Angelino Alfano hatte angekündigt, gegen die „Gebetsräume in Hinterhofgaragen“ vorzugehen, da sie uneinsichtig seien, man nicht wisse, was sich dort abspiele. Nun hatte ein Distrikts-Rathaus im 5. Bezirk ernst gemacht: Polizisten betraten in Stiefeln die heiligen Räume, um sie zu schließen.

Schon im September gab es mehrere Demonstrationen gegen diese Entscheidungen, aber erst mit der konzertierten Aktion vor großer Kulisse wurde die nationale und internationale Öffentlichkeit erreicht.

Der Ort hätte nicht symbolträchtiger sein können. Er ist die Wurzel Roms, des römischen Reiches und der westlichen Zivilisation. Vor dem Kolosseum und neben dem Konstantinsbogen, mitten im Herzen der Stadt, ertönt das vielstimmige „Allahu Akbar“. Der Bogen wurde vor 1700 Jahren zu Ehren jenes römischen Kaisers erbaut, der das Christentum salonfähig machte und in dessen Nachfolge es zur Staatsreligion erhoben wurde. Sich dort zum massenhaften Gebet zu versammeln ist eine klare hegemoniale Botschaft: Vergangenheit trifft Zukunft.

Die italienischen Medien berichten überwiegend verständnisvoll oder neutral. Alle zitieren den gleichen Satz des Sprechers des Vereins Sikdir Bulbul: Er fordert dort Freiheit der Religionsausübung, ist es satt, kriminalisiert zu werden, und betont, daß „Allahu Akbar“ nicht Terrorismus bedeute. „Wir sind zwei Millionen“ – heißt: Zähle bis 30 und einer von uns ist dabei. In jeder Schulklasse, in jeder Straßenbahn, in jedem Café …

Was Bukbul nicht öffentlich sagt, findet man auf der Webseite des Vereins:

„Wir fordern außerdem:

  1. Die Anerkennung aller Gebetssäle als Religionsstätte
  2. Daß die sofortige Freigabe der in Frage kommenden Räume erteilt wird
  3. Die Anerkennung des Endes des Fastenmonats Ramadan und des Opferfestes als Feiertage für alle Werktätigen
  4. Die Bewilligung islamischer Grabflächen auf den Friedhöfen
  5. Die Anerkennung der islamischen Ehe (die in den Gebetsräumen vollzogen wird)
  6. Die Erstattung von mindestens 50% der Saalmieten, des Lichtes und des Wassers durch die Verwaltung
  7. Die Erlaubnis, die männlichen Minderjährigen in den örtlichen Krankenhäusern zu beschneiden.“

Wie schrieb doch gleich der Islamkritiker Peter Hammond?

wir-fordern

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