Lob der Monarchie

Noch ist das Buch gar nicht erschienen, da schlägt es schon hohe Wellen.

Man liebt in Dänemark seine Königin. Sie ist anders, raucht mit Leidenschaft, bleicht ihre Zähne nicht, entwirft, stickt und webt – verehrt Wittenberg sogar einen selbstbestickten Altarbehang mit Lutherrose –, hat einen Franzosen geheiratet, illustriert Tolkien, Blixen oder die Bibel, übersetzt, schreibt, ist offen und zurückhaltend gleichermaßen, hoch intelligent, hat einen trockenen Humor … in Kürze: ein Charakter! Es gibt Unmengen an Büchern über sie.

Jetzt aber, mit dem neuen Buch, verunsichert sie den guten und hellen Teil des Landes. Schon der Titel! De dybeste rødder“ – „Die tiefsten Wurzeln“ – was soll man denn damit anfangen?

@ Gyldendal

@ Gyldendal

Gerade jetzt, wo sich die neue bunte Gesellschaft formt, kommt sie an und erzählt – wie die Verlagswerbung ankündigt – von „Dänemark und den Dänen“, von der Geschichte des Landes, beginnend beim Urschleim: Jägervolk, Wikinger, Großmacht. „Sie berichtet von den Niederlagen, die uns fast ausradierten und vom Willen, das Land wieder aufzubauen … wie Dänemark sich von der Knappheit zum Überfluß entwickelt hat, vom Land zur Stadt, von den traditionellen Geschlechterrollen hin zur Frauenbefreiung und von freundlicher Neugierde hin zur Skepsis gegenüber der Einwanderung.“

Das grenzt ja fast schon an – Nationalismus!

”Vor allem aber handelt das Buch darum, was wir aus der Geschichte lernen können und wie man die Geschichte als Anker in einer Zeit großer Veränderungen nutzen kann.“

Und dann wird Königin Margrethe II. konkret und verschreckt die linke Presse, die sie, die Sartre schätzte und Simone de Beauvoir übersetzte, sonst gerne hofiert. Sie sagt Sätze wie:

– „Es ist kein Naturgesetz, daß man automatisch Däne wird, nur weil man hier lebt.“ Ungewollt greift sie damit in eine hitzige Debatte der letzten Wochen ein, ausgelöst durch die Bemerkung eines Politikers der Dansk Folkeparti, der in einer Debattenshow einem jungen Mann mit persischen Wurzeln, Schulsprecher, die Dänisch-Urkunde nicht blind und ungeprüft überreichen wollte.

„Man muß die Erde im Blumentopf ein bißchen wechseln, glaube ich. Man kann gerne seine Wurzeln behalten, aber muß auch für frische Erde sorgen.“

„Wir glaubten wohl, daß diese Dinge ganz von alleine laufen. Wenn man durch Kopenhagens Straßen geht und das kommunale Wasser trinkt und den kommunalen Bus nimmt, würde man in kurzer Zeit schon Däne werden. Das war alles so offensichtlich für uns und deswegen glaubten wir, daß es für die, die hierher kamen und sich niederließen, auch so gehen würde. Aber so war es nicht, das haben wir gelernt.“

”Ich glaubte, daß sie mehr oder weniger zu uns kommen, um wie wir zu werden. So wurde es aber nicht. Es ist richtig schwer gewesen, richtig schwer und das ist für alle Seiten schade.“

„Diejenigen, die aus Südostasien kamen, haben sich durchgehend großartig eingefügt. Anderen fällt es schwerer, sich anzupassen. Sie finden nicht so leicht den Rhythmus in Dänemark.“

– ”Vielleicht liegt es auch daran, daß es schwerer wird, wenn gleich so viele auf einmal kommen, aus ganz anderen Verhältnissen und mit einer bestimmten Religion. Dann beginnen sie, sich zu isolieren und isoliert zu leben, ob nun willentlich oder nicht.“

Und dann spricht sie auch die Dänen an, die ihre Werte selbstbewußter verteidigen sollen, und „hin und wieder auch mal den Stuhl vor die Tür stellen und sagen: Hoppla! Das hier, das geht aber gar nicht!“

Königin Margrethe hat einen langen Weg zurückgelegt – hier dokumentiert. Das bestätigt auch Thomas Larsen, der die Regentin interviewte: „Viele Jahre war sie überzeugt davon, daß alle das Bestmögliche leisten sollten, die neu angekommenen Bürger zu unterstützen. Aber nach und nach legte sie mehr Betonung auf die eigene und selbständige Verantwortung der Zuzügler, sich nach den Werten und Spielregeln einzurichten, die hier gelten.“

Legendär die Neujahrsansprache von 1984, die seither immer wieder gern zitiert wurde, als die Monarchin sagte: ”Wenn wir sie im Angesicht unserer Lebensmodelle und unserer Sprache herumtappen sehen, dann kneift es allzu schnell mit der Gastfreundschaft und die Enttäuschungen sind auf beiden Seiten zu spüren … Dann kommen wir mit unserem dänischen Humor und kleinen dummdreisten Spitzen (små, dumsmarte bemærkninger). Dann begegnen wir ihnen mit Kühle und so ist es nicht mehr weit bis zur Schikane und rauheren Methoden. Das darf nicht sein. Wenn wir wollen, daß die Neuen besser als das Alte werden soll (sic!), so haben wir hier eine gute Stelle, um anzufangen.“

Die linke gesinnungsethische Presse, „Politiken“ allen voran, feierte sie damals für diese Worte und wurde nicht müde, sie zu strapazieren. Nun ist man verschnupft, dreht und wendet sich und weiß nicht recht, wie man reagieren soll.

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Lob der Monarchie

  1. Ach schade, daß wir keine Königin haben, die ist so schön distinguiert, so schön nicht ganz von dieser Welt, das verrät schon ihr Sprachduktus … Dafür kann der Bundespräsident auch ein klein bissi was: ad Friedenspreisverleihung an die gute Frau Emcke.
    „Bei seiner Tischrede zur Eröffnung des Festessens nach der Preisverleihung fragte der Bundespräsident höflich bei Emcke nach, ob sie ihm, aus ihrer Warte, denn eine Definition der Nation liefern könne. Denn, wenn man, wie Emckes ehemaliger Mentor Jürgen Habermas, nur von Verfassungspatriotismus spreche, was bleibt dann noch an positiven Bestimmungen des deutschen Staatsvolks? Wenn sich Kollektivbegriffe per se ins völlig Heterogene und Individuelle auflösen, welches Recht gibt es dann, in Nationalstaaten, ja sogar in Staatenbünden zu hausen? Kann unsere Gesellschaft wirklich allein von dem Gedanken leben, „Vielfalt nicht nur zu tolerieren, sondern zu feiern“? Was bleibt jenseits von Diversity und Grundrechten? Denkt man die Ausfüh-rungen Emckes zu Ende, gibt es schlussendlich keine „Deutschen“ mehr, die sich von anderen liberalen Demokratien unterscheiden könnten. Jede über-individuelle Übereinkunft unterhalb des Weltstaates wäre im Prinzip illegitim. Das mag ja keine unbeliebte Forderung sein, nur realistisch ist sie wenig. Gerade Joachim Gauck, als Präsident eines solchen Kollektivs – den Deutschen –, müsste dann um sein Amt bangen – oder sich bei der UNO bewerben.“
    (aus: Oliver Weber: Carolin Emcke und die Schwäche der Liberalkonservativen).

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s