Allüberall

Eine Freundin aus Dänemark sagt, sie müsse demnächst nach Kopenhagen fahren. Ihre Eltern, beide über 80 Jahre alt, wollten umziehen. Dabei macht sie ein besorgtes Gesicht. Also frage ich nach.

Mit 80 umziehen? Das macht man nicht gern. Nein, das hätten sich die alten Herrschaften auch ganz anders gedacht. Seit mehr als 50 Jahren leben sie in ihrer Wohnung in Nørrebro. Ein historisch gewachsener Stadtteil, nie ganz unproblematisch, proletarisches Milieu, ein Teil der Kopenhagener und dänischen Identität, verewigt in vielen literarischen Werken, Filmen, Kunstwerken.

Mitten in Nørrebro liegt Dänemarks bekanntester Friedhof. Auf ihm ruhen fast alle dänischen „Nationalheiligen“ aus verschiedensten Epochen: Søren Kierkegaard, Hans Christian Andersen, Hans Christian Ørsted, Niels Bohr, Martin Andersen Nexø, Hans Scherfig, Dan Turéll, um nur die bekanntesten Namen zu nennen.

Aber Nørrebro hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten radikal geändert. Migranten, meist Muslime, aus der ganzen Welt verdrängten die einheimische Bevölkerung. Gewalt und Kriminalität hielten Einzug, Schießereien auf den Straßen sind Alltag geworden, der Stadtteil ist zu einem einzigen Problemviertel verkommen.

Als die alten Herrschaften in ihr Haus einzogen, waren sie unter Dänen. Heute, so beschrieben sie es, sind sie einsam unter Fremden. Sie können nicht mehr. Sie wollen dort, wo sie ein Leben lang gelebt haben, nicht mehr sterben.

 A visit to Nørrebro


Am Mittwoch, dem 12.10.2016, zur Mittags- und besten Arbeitszeit, hätten beide auf der Nørrebrogade, der Hauptstraße des Viertels, Zeuge einer minutenlangen Demonstration tausender in schwarz gekleideter Muslime werden können – zuerst die Männer, dann in gehörigem Abstand die Frauen. Die Kopenhagener Schiiten feierten den Märtyrertod Hussains, deutlich hört man den Schlachtruf „Ya Hussain“. Eine linke Aktivisten, die den Aufzug filmte, schwärmt: „Das ist mit Sicherheit ein Freudentag“. Zu sehen auf ihrem Facebook oder bei Uriasposten. Eingeschüchtert fährt die arbeitstätige und studierende dänische Bevölkerung still und kommentarlos an der Menschenschlange vorbei.

noerrebro

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