Der Flüchtling als Held

Eine der vielfältigen Strategien, uns die Migrationswelle schmackhaft zu machen, ist die Vorstellung des „Flüchtlings“ als guter Mensch oder in extremis als Held.

Nun hatte ich im letzten Jahr dankbarerweise die Gelegenheit, viele nette Menschen aus aller Herrgottsländer kennenzulernen. Wer sie tatsächlich sind, läßt sich daraus nicht schließen, vielleicht ein bißchen erahnen. Es sind Menschen wie du und ich, nette und garstige, kluge und dumme, ehrliche und unehrliche, angenehme und unangenehme – aus einem anderen Kulturkreis. Daß es trotzdem, nach allem, was wir wissen können, statistisch gesehen zu höheren Konfliktquoten mit dem Alltag kommen muß, wurde auf dieser Seite verschiedentlich begründet.

Um diese rationalen Einsichten zu unterminieren, wird uns der Flüchtling regelmäßig als Held und Heros präsentiert. Zu erwarten ist freilich, daß es unter ihnen nicht mehr oder weniger Helden gibt als unter der durchschnittlichen Bevölkerung. Daher muß der Begriff des „Helden“ in ihrem Falle in den Medien neu definiert werden.

Bisheriger Höhepunkt der Kampagne sind jene zwei oder drei Syrer, smarter als die Polizei (erlaubt), die Jaber Al-Bakr, den mutmaßlichen IS-Terroristen am Wochenende gefesselt der Polizei übergeben hatten. Sie wurden, wie wir nun erfahren, über „soziale Netzwerke“ auf ihn aufmerksam. Dort suchte er eine Schlafmöglichkeit in Leipzig, man erklärte sich bereit, den vollkommen unbekannten Mann aufzunehmen, entdeckte dann seine kriminelle Geschichte und fesselte ihn. Hmmm!

In der Tat gibt es diese „Parallelgesellschaft“ der syrischen „sozialen Netzwerke“ seit Beginn der „Asylkrise“. Syrer zu sein öffnet unter Syrern ganz andere Kanäle, jenseits der landesüblichen Sozialstrukturen. Es gibt scheinbar ein naives Grundvertrauen – oder ein mir noch nicht ersichtliches Regularium –, das Menschen gleichen Herkommens dazu verpflichtet, sich gegenseitig zu helfen: Man leiht sich Geld, übergibt höhere Barbeträge Unbekannten, offeriert Schlaf- oder Wohnplätze, nutzt Informationskanäle, Bekanntschaften, inoffizielle Netzwerke usw. Das ist umso erstaunlicher, als Syrien ein sowohl ethnisch, religiös, kulturell als auch politisch ausgesprochen diverses und vielfach zerstrittenes Land ist. Man kann das nun als primäre Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe feiern, man kann darin aber auch eine gewisse Gefahr der Exklusion und des Zusammenhalts sehen, die leicht mißbraucht werden kann. Al-Bakr jedenfalls war es ein Leichtes, Unterschlupf zu finden.

Zurück zu den Helden: Die Leipziger werden zu Recht gefeiert. Im Heute-Journal (3.15min.-3.25 min.) – ganz in der Tradition der Aktuellen Kamera – kam dann auch gleich ein sächsischer Brigadierstyp zu Wort – gewöhnlich wird dieser Typus als stotternder, geifernder und sächselnder Pegidist vorgeführt –, der parteilinienkonform in die Kamera sprach, daß man davon, also von den guten Flüchtlingen, die uns vor den bösen schützen, noch jede Menge „reinlassen solle“.

Ihre „Heldentat“ besteht im Fesseln. Daß sie damit den Strafrechtsrahmen vermutlich überschritten haben, vergißt man gern: was wäre gewesen, wenn sie den Falschen der Freiheit beraubt hätten? Welch fürchterliches Massaker hätte aus einer mißglückten Aktion entstehen können? Korrekt wäre hingegen, die Information an die Polizei gewesen und das wäre nun wiederum keine Heldentat, sondern das Offensichtliche, das Selbstverständliche. Hätten sie es nicht getan, wären sie straffällig geworden.

(Wirklich mutig war das nur im islamischen Kontext, denn ein Muslim, der im Lande der kuffār einen anderen Muslim verrät, dürfte nicht überall so populär sein, wie in den Mainstreammedien – konsequent: Anonymität und Staatsschutz)

Doch diese Überhöhung hat Methode, dieser dramatische Fall ist nur die Spitze des Eisberges.

Hier ein kleines Panoptikum an Heldentaten.

Es war ein Flüchtling, ein „stiller Held“, der während des Münchner Amoklaufes Menschen in seinen Keller ließ, nachdem man Schüsse gehört hatte.

Ein anderer ist ein verdienter Widerständler, er gab 50 000 Euro ab, die er gefunden hatte. Diese Geschichte freilich wirkt etwas seltsam, allein schon, weil es ein andermal 100 000 Euro und ein drittes Mal gar 150 000 Euro gewesen sein sollen. Zur Information: Fundunterschlagung ist eine Straftat, die Bagatellgrenze liegt bei 10 Euro.

Unwetter und Hochwasser führen scheinbar immer wieder zu Hilfereflexen: Flüchtlinge helfen in Braunsbach, oder schippen Schlamm in Hohenlohe. Dieses beliebte Motiv bei der Presse ist verführerisch und verleitet schnell zu Übertreibung und Lüge: Peinliche Hochwasser-Inszenierung mit Flüchtlingen.

Saubermachen ist überhaupt der Renner. Ob Frühjahrsputz mit Kopftuch in  Wilhelmsburg, ob Ehrenamt in Adelsried oder Silvesterputz in Unterschleißheim, Müllaktion in Wetter, der putzende Flüchtling ist ein gern gesehenes Motiv. Und manchmal – auch das ist eine Meldung wert – säubern sie ihre Unterkünfte sogar selber!

Aber sie können noch mehr. Sie können z.B. auch bei der Feuerwehr helfen, berichtet die „Sächsische Zeitung“ aus dem Saarland.

Besonders gern helfen sie anderen Flüchtlingen: beim Integrieren, beim Dolmetschen  und Sprachenlernen.

Oder beim Essenverteilen an Obdachlose

Außerordentlich gut sind Flüchtlinge aber auch im Retten. Sei es nun eine Hochzeitsfeier durch freiwilliges Zunähen des klemmenden Reißverschlusses des Brautkleides oder bei der gegensuizidalen Rentnerrettung.

Besonders delikat jedoch war – und damit soll aufgehört werden, wenn es am schönsten ist und nicht, weil es keinen Stoff mehr gäbe – besonders delikat war die Rettung eines NPD-Politikers. Der fuhr mit dem Auto gegen einen Baum und wurde just von zwei syrischen Flüchtlingen heraus gezerrt. Eine Lektion, die der Proto-Nazi hoffentlich gelernt hat: Ohne Flüchtlinge schon tot!

Diese Geschichte war einfach zu schön, um nicht durch alle Kanäle geblasen zu werden. Zu schnell, wie sich später herausstellte: die zwei Syrer waren nur Zaungäste – ein Busfahrer war der Held …

Es entgeht unserer Presse freilich der negative Rassismus, dessen sie sich hier bedient. Die eigentliche Botschaft ist nämlich diese:

Wenn Selbstverständlichkeiten zu Großtaten aufgebläht werden, behauptet man, daß Selbstverständlichkeiten eben nicht selbstverständlich sind. Der helfende Flüchtling kann nur dann eine Sensation sein, wenn er die Ausnahme von der Regel ist und die wiederum muß er sein, weil auch Helfen ein „kommunikativer Akt“ ist und auf Kommunikation beruht und umso schwerer wird, je weniger man eine gemeinsame Sprache spricht, wenn man den anderen nicht zur Genüge lesen kann, wenn man z.B. nicht weiß, ob man eine alte Frau unterhaken darf, ob man also dieses oder jenes macht. Indem man die Selbstverständlichkeit herauskehrt, macht man auf ein vermeintliches Hilfsdefizit aufmerksam. Weil der helfende Flüchtling – so der Subtext der Skandalmeldungen – die Ausnahme ist, muß der seltene Fall gefeiert werden.

Damit stigmatisiert man eine ganze Gruppe und das nennt sich im PC-Bereich noch immer, wenn ich nicht irre: Rassismus.

Oder spricht man ungewollt eine Wahrheit aus?

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4 Gedanken zu “Der Flüchtling als Held

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Wenn der Anschlag denn einem Berliner Flughafen hätte gelten sollen, dann sind der oder die Planer völlige Hohlköpfe. Verantwortungslosen Murks und Chaos besorgt man dort alleine um politische Klassen besser.

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  2. Und manchmal – auch das ist eine Meldung wert – säubern sie ihre Unterkünfte sogar selber!

    Das hat mir voller Stolz eine Bekannte erzählt, die bei der CARITAS jetzt gesunde, starke, normale junge Männer „betreut“, die „Betreuten“ (dieser Ausdruck ist in Behinderteneinrichtungen üblich) hätten erst lernen müssen, ihre Unterkünfte selber zu reinigen und selbst zu verwalten, „weil, in ihrer Kultur ist ja demokratische Selbstverwaltung und daß Männer putzen nicht üblich, das ist ganz schön schwierig, wenn das so extrem männlich und so sozialisierte Menschen das erste Mal selber machen müssen“. Himmel, was für ein Kolonialdenken reinsten Wassers!

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