Gerüche

Jedes Mal wenn ich ein Haus betrete, das vornehmlich mit Asylbewerbern bewohnt ist, geht mir der Gedanke auf: Darüber könntest du auch mal einen Artikel schreiben. Aber sofort setzt die Schere im Kopf zum Cut an: Nein, das könnte man als rassistisch verstehen, das ist vielleicht sogar rassistisch?

Ist es natürlich nicht. In Wirklichkeit steckt auch in mir die Angst, die Worte im Munde verdreht zu bekommen, in Wirklichkeit ist die political correctness längst zur „materiellen Gewalt“ (Marx) geworden.

Aber nun hat mich ausgerechnet die „Heute Show“ exkulpiert und den Weg gewiesen. Spätestens seit Merkels Sommer- und Herbstentscheidungen ist auch das politische Kabarett, die Satire und die Comedy in den deutschen Medien weitgehend gleichgeschaltet worden. „Die Anstalt“. „Die Heute Show“, „Extra 3“, „Circus HalliGalli“, sie alle verzichten seither auf alle Subversion und schreien Durchhalteparolen, Wählerbeschimpfungen, Ostdiffamierungen, AfD/CSU/PEGIDA-Bashing heraus, sie alle machen sich über die „Sorgen“ lustig, versuchen „besorgte Bürger“ vorzuführen und reden das Problem klein … Kurz: sie sind politisch korrekt und nur noch für jene lustig, die sich bereitwillig als Claqueure ins Studio setzen würden.

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Also muß es auch Gernot Haßknecht sein, eine gern genutzte Witzfigur im Rahmen der „Heute Show“, der in schreiendem Haß – der Witz ist die Übertreibung – die Parteilinie verkündet und Abtrünnige verbal steinigt. Am 16.9 fiel unter anderem folgender Satz: „In einem deutschen Treppenhaus hat es nach Kohlrouladen zu riechen, nach Dackel- und Katzenfurz (?)“. Er reagiert damit auf eine eingespielte Aussage des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl, der sagt: „Menschen, die in den Großstädten leben, die die fremden Geräusche, Gerüche und Anblicke jeden Tag neben sich haben, die denken da völlig anders.“

Uhl mag dabei an von Sinti und Roma verwüstete Häuser und Straßenzüge gedacht haben, die es ja nun offensichtlich gibt. Oder an die Menschen am Görlitzer Park, am Oranienplatz, dem Kottbuser Tor – um nur eine Stadt zu erwähnen.

Tatsächlich schlägt sich das Fremde aber an vielen Orten auf die Sinne, nicht zuletzt den Geruchssinn.

Egal, ob bei Syrern, Eritreern, Somaliern, immer wenn ich ein Haus betrete, das von mehreren Asylparteien bewohnt wird, dann rieche ich das sofort.

Kulturen, Lebensstile, Eßgewohnheiten haben verschiedene Odeurs und es mag dem Eritreer der „Kohlrouladengeruch“ ebenso auffallen, wie mir die Ausdünstungen von erkaltetem Frittieröl, Knoblauch, Zwiebel, Essig, Reis, Huhn, Zigaretten und diversen Gewürzen. Für autochthone Hausbewohner mag  das ein Problem sein, auch wenn diese des öfteren selbst nach billigem Fusel, Kernseife und Qualm stinken.  Vor allem das Öl, das viele Male und täglich genutzt wird, das dann aber im Raum stehen bleibt, wird von Kleidung, Möbel, Tapeten und Wänden aufgesaugt und ist auch schwer wieder weg zu bekommen.

Die Nase bemerkt Unterschiede. Wir riechen unseren Eigengeruch kaum – nehmen aber „das Fremde“ sehr wohl wahr. Das hat – hier läuft man schon wieder Gefahr, „rassistisch“ zu sein – wohl evolutionsbiologische Ursachen und ist tief im Stammhirn verankert. Die Nase sagt uns eine von der Gehirnwäsche weitgehend ausgeblendete primordiale Wahrheit: Das Fremde erregt instinktiv Aufmerksamkeit, von Gefahr bis Anziehung.

Zum Glück hat der Mensch sich vom Instinkt emanzipiert.

 

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2 Gedanken zu “Gerüche

  1. Kurt Droffe schreibt:

    Wo um Himmelswillen wird denn heutzutage noch Kohlroulade gemacht, außer in Behördenkantinen?
    Es gibt ja regelmäßig solche bestürzenden Umfragen à la „2/3 der Deutschen (wer immer heutzutage dafür gilt) würde nicht gerne in einem Haus mit Ausländern leben“, und dann wird der alltägliche Rassimus „in den Köpfen“ bejammert. Das Problem ist aber genau das: es geht um so was wie Essensgerüche, um andere Kindererziehungsergebnisse, unterschiedliche Lärmtoleranz und und. Das ist nicht gleich per se rassistisch, wenn man das nicht so mag. Ich hätte kein Problem damit, neben einem ruhigen türkischen Akademikerpaar mit drei Kindern zu leben, aber solche sind eben eher selten. Und ich würde genauso wenig gerne neben einer WG von feiernden BWL-Studenten, Punkern oder deutschen Proleten leben wollen. Vieles, was als Rassimus identifiziert wird, ist eher soziale Distinktion (und nein, ich benutze jetzt nicht den Deppenbegriff „Klassimus“).

    A propos Essgewohnheiten: Können Sie meinen oberflächlichen Eindruck bestätigen, daß ein wesentliches Grundnahrungsmittel von Asylbewerbern Kartoffelchips und ähnliche Knabbereien sind? Habe schon Szenen beobachtet, wo eine ganze Familie morgens früh fröhlich in die Tüte langte.

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    • Sie bringen es auf den Punkt – weiß gar nicht, weshalb ich mir solche Sorgen gemacht habe …

      Ihren Eindruck kann ich nicht bestätigen. Da gibt es wohl starke individuelle und auch soziale Unterschiede. Einerseits habe ich Kühlschränke mit 12 Zwei-Liter-Flaschen Cola gesehen, andererseits Vorzeige-Vegetarier-Bestände, wobei es im zweiten Fall nicht um Vegetarismus geht, sondern um die (noch) Schwierigkeit im Osten mit Halal-Fleisch versorgt zu werden.

      Chips waren nur eine Randerscheinung. Auffällig auch die Genügsamkeit. Ich habe ja viele Male bei den Syrern gegessen, die auch alle sehr schlank sind. Keiner von denen hat sich jemals vollgefressen, d.h., man hört wirklich auf, wenn man gesättigt ist, ermuntert den Gast aber, fleißig zuzugreifen. (Was mir aufgrund der Ölhaltigkeit nicht immer leicht fiel …) siehe. Obst und Gemüse

      Bei Hussain trinken wir immer Tee und da ich ihn nicht auf leeren Magen vertrage, bat ich um etwas Gebäck oder dergleichen. Seither steht es immer wie eine Selbstverständlichkeit bereit.

      Das Bild mit dem Familienfrühstück aus Chips kenne ich allerdings auch – aus England. Dort sehr verbreitet, auch als Pausenbrot in der Schule, im Kindergarten, überall …

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