Verbieten! Verbieten! Verbieten?

Burkiniverbot, Burkaverbot, Obergrenze … Deutschland ist nach vulgärer Laissez-fair-Phase gerade auf dem Verbotstrip. Alles, was nicht paßt, gehört unterdrückt. Die Argumente fliegen hin und her, jedes einzelne für sich durchaus nachzuvollziehen.

Ich frage mich – um die unzulässige Vereinfachung wohl wissend –: Was macht das mit uns? Und was macht es mit jenen, denen man verbietet?

Natürlich ist die Frau unter dem Schleier nicht frei, selbst wenn sie das Ding glaubt freiwillig angelegt zu haben. Frei wäre sie und ihre Entscheidung, wenn sie damit zum Fasching ginge oder es als Modeaccessoire probieren wollte. Sobald es ein religiöses Motiv gibt, ist die Freiheit beendet oder doch zumindest deutlich eingeschränkt – immerhin mag sie noch die Art und Weise der Verhängung wählen können.

Das islamische Milieu schreibt es ihr vor, auch wenn der Ehemann es nicht täte. In ihrem sozialen Umfeld wird sie Blicke ernten, Reaktionen, Ablehnungen, Freundinnen werden distanzierter, man tuschelt … und all das, das „man-macht-das-so“, übt Zwang aus, dem sie sich theoretisch natürlich, nach deutschem Recht, widersetzen kann, ebenso wie die Verkäuferin in Baden Baden die Freiheit hat, die verschleierte Muslima nicht zu bedienen, auch wenn sie darüber ihren Job verliert. (vgl. Schürmer-Friedmann 16.45) …

Es werden die Freiheitsbegriffe vermengt: juristische und soziale Bedeutung. Vieles mag qua Gesetz erlaubt oder möglich sein und wird trotzdem nicht gemacht, weil es sozial geächtet wird.

Und das ist der entscheidende Punkt! Wenn wir Verbotsgesetze zur Hauptwaffe machen, dann erzeugen wir erstens einen starken Abwehrimpuls, der die Gegnerschaft verschärft und den Kontakt verunmöglicht  – und zwar von unserer Seite aus. Wir schließen dann das Tor vor den bereits geschlossenen Toren … die vielleicht aber doch noch einen Spalt aufstehen.

Und es läßt uns selbst daran sich gewöhnen, daß man Probleme einfach autoritativ lösen kann. Das ist eine schiefe Ebene: jeder Verbotsakt erhöht den Winkel und es wird schwerer, zurückzukriechen.

Statt Verbote bräuchten wir ein soziales Klima, daß das Tragen des Niqab – um den es eigentlich geht – intrinsisch ablehnt und das Nichttragen positiv verstärkt. Positive soziale Normen müßten gesetzt werden. Nicht Haß und Verachtung sollte diesen Frauen entgegenschlagen, sondern distanzierte Achtung, Offenheit, Freundlichkeit und vor allem ein Lebensentwurf, der durch seine innere Schlüssigkeit und äußere Positivität den hellen Gegenbeweis zum schwarz verhangenen Dasein führt.

Ich habe die Macht des Lachens und der Leichtigkeit bei einigen Muslimen selbst bemerkt, denen plötzlich aufging, daß man auch so, westlich, leben kann, ohne daß der Blitz aus dem Himmel fährt, und gut und zufrieden und angstfrei leben kann. Da werden Prozesse in Gang gesetzt, denen man auch Zeit geben muß. Generationenlange Indoktrination ist nicht innerhalb eines Jahres zu beseitigen.

Statt Verbot müßte gewährleistet werden, daß die geschlossenen Gesellschaften, die Schnittgesellschaften, sich gar nicht erst bilden können oder sukzessive und möglichst nicht-restriktiv aufgelöst werden.

Und es muß die muslimische Einwanderung gestoppt werden. Nicht durch Obergrenzen, sondern durch Beendigung der sozialen Abfederung, die das Hauptmagnet ist. Wer kommt, hat entweder schon einen festen Job und sozialen, finanziellen Halt (etwa, weil er als Fachkraft direkt im Ausland angeworben wurde) oder er muß wissen, daß er die ersten Jahre betreut Staub fressen, bei Null anfangen muß, daß er es aber schaffen kann, wenn er seine Tauglichkeit unter Beweis gestellt hat. Dazu gehört auch die Assimilation sowie die komplette Privatisierung des eigenen Glaubens. Schafft er es nicht, wird er sich selbst zurück orientieren, so wie das Millionen Amerika-Aussiedler in den letzten beiden Jahrhunderten taten. Dann würden wir nicht über hunderttausende Einwanderer sprechen, sondern über wenige tausend und die würden unser Gemeinwesen tatsächlich voranbringen.

Wohltemperierte Grausamkeit ist ein treffender Begriff.

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