Sache und Ding

Wenn ich ein Antiquariat betrete und die Frage nach der thematischen Ordnung stelle, kommt meist prompt die Frage: „Na, was suchen Sie denn?“ Ich leiere meine „Interessengebiete“ herunter und bin immer wieder überrascht, wie lange längst abgeschlossene Themen spontan hervorsprudeln. Neuerdings endet die Themenschlange mit dem Wort „Islam“.

„Islam?“, schaut mich der Besitzer seltsam an, als würde ich gleich eine Bombe platzen lassen. Nachdem er sich noch einmal meines Zugehörigkeitsstatus zu einem der alten deutschen Stämme versichert hat – Teint und Dialekt sind verräterisch – ergänzt er: „Islam habe ich nicht.“

Die Art und Weise, wie er das sagt, gibt mir eine neue Möglichkeit. „Also auch islamkritische Sachen, Geschichte usw.“

„Ist mir zu gefährlich, damit fange ich gar nicht erst an.“

„In einer Stadt voller Muslime?“, frage ich. „Da muß es doch jede Menge Käufer geben.“

„Nee, Muslime lesen nicht. Nur Koran und die vielen Korane werden hier entsorgt. Aber selbst das darf man ja niemandem sagen. Ist auch gefährlich. Die können nicht zwischen Ding und Sache unterscheiden; ein Stück Papier mit Mohammeds Worten ist kein Papier mehr, sondern authentisches Wort Gottes.“

Wir lachen und ich sage: „Jetzt haben Sie es aber mir gesagt und ich werde es auf meiner Webseite veröffentlichen.“

Er versteht den Spaß – das Versprechen sei hiermit eingelöst.

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