Burkini für alle!

Ein besonders infames Possenstück auf dem Narrenschiff der vereinigten Journaille liefert der linkspopulistische „Focus“. Die wenigen Zeilen, unter dem Titel „Burkini-Debatte: Hautkrebs-Spezialisten loben das Kleidungsstück“ (Lektüre empfohlen) könnte man ruhigen Gewissens als einen panischen Einbruch von Idiotie oder als einen schlechten Scherz abtun, doch bei genauerer Hinsicht kann er uns tatsächlich etwas lehren, wenn man zwischen den berühmten Zeilen zu lesen sich bemüht.

Bei der linkstörichten „Huffington Post“ auch als Filmchen

Die plumpe Botschaft geht in aller Kürze so: Hautkrebs wird durch Sonnenbestrahlung mitverursacht, also schütze man seine Haut, gut geeignet sei dafür der Burkini. Er lebe hoch!

Hätte den Burkini ein australischer Hautarzt „entwickelt“ und nicht eine australische Muslimin, dann wäre die ganze Debatte überflüssig. Dann wäre allerdings auch jeder andere Schnitt denkbar: man hätte sich an europäischer Mode orientieren können. Niemand in der freien Gesellschaft verbietet es muslimischen Frauen, sich durch Hosenanzüge oder lange Kleider oder lange Röcke und langärmelige Blusen, bunte Kopftücher oder Mützen und dergleichen zu verhüllen, wenn es denn ums Verhüllen geht – außer die insel-islamische Kultur, die muslimischen Männer und die eigene Schere im Kopf.

Apropos: In der logischen Fortsetzung dieses Gedankens müßten ihn dann übrigens auch die Männer tragen.

Der kleine Artikel fällt ob seiner schieren Verblödungstaktik auf – früher hätte man von „Bild“-Niveau gesprochen, aber die „Bild-Zeitung“ hat sich dank ihrer encephalitischen Merkelitis – Encephalitis ist die infektiöse Gehirnentzündung durch Röteln – selbst aus ihrer Leserschaft wegoperiert und in die relative Bedeutungslosigkeit hineinmanövriert.

Es soll uns ein Ideologieversatzstück medizinisch schmackhaft gemacht werden, so als wolle man das Christentum wieder verführerisch machen, indem man uns Legenden von Eiterbeulen ausschleckenden Heiligen des Mittelalters genüßlich präsentiert.

Schon der Gedanke ist derart absurd, daß man sich Sorgen um die geistige Gesundheit des Artikulanten machen muß. Der bewegt sich in der „Burkini-Debatte“ schon im ersten Schritt nämlich aus dieser heraus, beraubt sie des eigentlichen Inhalts und scheint zu glauben, Focus-Leser merkten das nicht. Wir reden im medizinischen Diskurs überhaupt nicht mehr vom Burkini, sondern von einem Sonnenschutz.

Mit einer unauffälligen Volte wird Autorität gemimt. Ein einziger Experte sagt etwas – übrigens plaudern alle Experten ständig etwas – und schwupps ist es die „Sicht von Ärzten“, Plural, Autorität, Allgemeinheit, Allumfasstheit …, die uns umgibt.

Was dieser eine Arzt nun von sich gibt – sofern er korrekt wiedergegeben wurde – ist ein Paradebeispiel modernen medizinischen Kurzzeit-Denkens. Die Forschung forscht und entdeckt eine Ursache, bekämpft diese und glaubt das Übel gelöst zu haben.

Zum Beispiel die Tyrosinkinase ABL1, ein Genprodukt eines DNA-Abschnittes, das unter bestimmten Bedingungen Myeloische Leukämie (Blutkrebs) auslösen kann. Das Enzym reagiert auf diese oder jene Substanz oder Prozedur, also, so die medizinische Logik, müsse diese Prozedur oder Substanz den Krebs bekämpfen. Bei Mäusen klappt das im Labor. Nehmen wir an, es handelt sich um Sulforaphan, ein starkes Antioxidans, das in Kreuzblütern wie dem Brokkoli vorkommt. Die Schlußfolgerung wäre: Eßt Brokkoli usw. Die Logik dahinter ist diese: Wir reduzieren ein hyperkomplexes ganzheitliches Phänomen (z.B. Krebs) auf eine Mikrokomponente, lösen diese Mikrokomponente, finden eine Mikrolösung und generalisieren sie dann als Universallösung, am besten in kommerziell verwertbarer Tablettenform. In anderen Worten: die moderne Schulmedizin denkt Extremspezialisierung, ohne das Ganze im Blick zu haben, und verkauft danach trotzdem Universalrezepte.

Denker dieser Richtung kommen dann zu Schlüssen wie folgendem: Sonne macht Hautkrebs, Sonne muß weg, Burkini macht Sonne weg, ergo: Burkini schützt vor Hautkrebs.

Tatsache ist aber auch: Sonne läßt durch die Haut Vitamin D produzieren, Vitamin D benötigt der Kalzium-Haushalt – ohne Vitamin D poröse Knochen, ergo: ohne Sonne auf der Haut Osteoporose. (In Wirklichkeit ist alles natürlich vieeel komplizierter.) Tatsächlich sagte mir erst vor kurzem eine Ärztin: „Die armen (Burka)-Frauen, die haben im Alter alle Osteoporose.“  Im sonnensicheren Saudi-Arabien mit 364 Sonnentagen im Jahr mag der Augenschlitz vielleicht sogar genügen, um ausreichend Licht zu trinken, eine Muslima in Bergen/Norge dürfte dagegen bald Probleme bekommen.

Die tausendfältigen Vorteile der Sonne auf der Haut kann ein Dermato-Onkologe nicht mehr sehen, denn er hat nur schwarze Melanome vor Augen.

Damit tappt er in die Krebsfalle und heizt die wohl größte Angstmaschine der modernen Welt an. Tagtäglich werden wir mit Krebsnachrichten versorgt, als Nachruf, als verlorenen/gewonnenen Kampf mit oder gegen, als Vorsorgetipp, als medizinische Errungenschaft oder Versprechung usw. Dabei sagen all diese Botschaften nichts anderes aus als das alte und banale aristotelische Axiom: Alle Menschen sind sterblich – Sokrates ist ein Mensch – Sokrates ist sterblich. So weit so gut – wie schlecht es wäre, nicht zu sterben, hat Simone de Beauvoir  in ihrem Roman „Alle Menschen sind sterblich“ überzeugend dargelegt.

Bis hierher war es nur dumm, perfide wird das Ankurbeln der Angstmaschine, wenn es ideologisch instrumentalisiert wird.

Andererseits wird dadurch ein Agens des Ankurbelns deutlich: es soll nicht nur Pharmaka verkaufen und eine oftmals perverse Industrie am Leben erhalten, man soll es auch in Zeiten der politischen Cholera und Cholerik als Sedativ und Psychopharmakon in Stellung bringen können.

Die Achse Burka-Hautkrebs mag einen kleinen Vorgeschmack geben.

Bald werden folgen: Gastroenterologen, die uns den Verdauungsvorteil von halāl-Fleisch beschreiben, Dermatologen und Venerologen, die uns den Nutzen der vier eigenen monogamen Frauen in Hinblick auf Geschlechtskrankheiten aufzählen, Chirurgen, die uns den Vorteil das sauberen Handabhackens erklären, Urologen, die von der mohammedanischen Harnröhrenreinigung überzeugt sind, Angiologen und Kardiologen, die uns den Zusammenhang der fünfmaligen täglichen Bückübung mit dem verringerten Risiko an Gefäß- und Herzkrankheiten zu erkranken deutlich machen, Nephrologen, die uns die Schädlichkeit des Weines nachweisen, Ophthalmologen, die die Vorzüge des Auswendiglernens eines Buches statt des dauernden Lesens begründen,  Pneumologen, die uns den gesundheitlichen Nutzen der Wasserpfeife verdeutlichen, Pädiatriker, die sich für die Kinderehe stark machen, Gynäkologen, die den Frauen die Verhütungsmittel vermiesen, Psychiater, die uns die antidepressive Wirkung des Salāt – nicht zu verwechseln mit den ebenfalls positiven Wirkungen eines frischen Salats – beschreiben … Feministen, die sich für die natürliche Unterordnung der Frau als häusliche und sexuelle Dienstleisterin einsetzen.

Dann ist der Weg zum „bedauernswerten Ende“ der islamischen Wissenschaft nicht mehr weit.

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2 Gedanken zu “Burkini für alle!

  1. Gastroenterologen, die uns den Verdauungsvorteil von halāl-Fleisch beschreiben

    Och, kann man haben: ich leite eine Schulküche und bekam ein Kunden-Mail von einem islamischen Catering-Betrieb, der seine Dienste feilbot, Zitat:
    „Das Novum an diesen Produkten ist, dass sie als hochwertige Halal-konforme Fertigmenüs für Kindergärten und Schulen bzw. Horte hergestellt werden. Die Zielgruppe stellen in erster Linie alle Kinder und Junioren dar, die hohe Sensibilität für Halal-Speisen haben. Zwar bieten manche Menü-Lieferanten an Kindergärten „schweinefleischfreie“ Menüs in ihren Speiseplänen an, jedoch sind diese Speisen nicht Halal-konform produziert.Laut neuem Islam-Gesetz sollen die Kinderbetreuungseinrichtungen auf die religiösen Speisevorschriften Rücksicht nehmen. Mit Ihrem Partner Sen Menü sind auch Sie in der Lage, diesen Anforderungen zu entsprechen!“

    Der Kunde ist „halal-sensitiv“ (analog zu: glutensensitiv, laktosesensitiv etc.) – so muß man das sehen!

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Anstandshalber sollten unsere journalistischen Aufklärer, mit ihrer gewohnten Meisterschaft, was Logik und statistische Schlüsse angeht, uns das volle Bild darbieten. Sie scheinen aber offenbar die soziale Ausgrenzung zu befürchten, für den Fall, dass sie uns den vollen Umfang der Vorzüge einer islamischen Lebensweise nennten. Weil die armen Hascherl sich nicht trauen, muss ich eben in die Bresche springen, einer muss sich eben opfern, um diesen Vorwurf der Lückenpresse abzuweisen. (Ich übergehe jeweils die Zwischenschlüsse, auf die es ja ohnehin nicht ankommt. Wir missionierenden Durchregierte denken eben immer konsequent vom Ende her.)

    * Die unterlassene Harnröhrenreinigung reduziert die Aussicht auf eine trauliche Kusinenehe um das 10–15-fache.
    * Der Ruf des Muezzins verringert das Risiko, nie im Leben in einem ultrarealistischen Egoshooter-Spiel mitzuwirken, um ein Mehrfaches.
    * Halal-Ernährung verringert das Risiko, einen Nobelpreis zu erhalten, um fast 100 %.

    Vor allem aber:

    * Wer fleißig Ful isst, wird nie eines Meinungsverbrechens beschuldigt.
    * Wer oft arabische Süßigkeiten isst, kann oft ohne lästiges Gepäck oder jeden Pass Weltreisen nach Deutschland unternehmen.
    * Wer dagegen nicht an den fünf Tagesgebeten teilnimmt, findet bei der hiesigen Presse keinerlei Verständnis, wenn er mal ein so ein ganz kleines Bisselchen über die Stränge schlägt.

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