Unsichtbar macht straffrei

Ein Artikel in der heutigen „Zeit“ weckt Erinnerungen.

Schlecht bezahlt in Schwarzarbeit

Es geht um Schwarzarbeit unter „Flüchtlingen“. Nun werde sie zu einem systemischen Problem, logisch und folgerichtig, denn viele der Männer haben Schulden und brauchen Geld, mehr als die bescheidene Rundumversorgung des deutschen Staates beschaffen kann. Und da der Arbeitsmarkt aus den bekannten vielfältigen Gründen nur sehr wenigen offen steht, strömen Teile der Menge in die Löcher und Ritzen des Systems.

Im Artikel ist von krimineller „Arbeitsvermittlungen“ meist ebenfalls migrantischer Mitarbeiter der Asylzentren o.ä. die Rede. Ich erinnere mich an eine Gesprächsrunde, bei der ein anderer Weg zur Sprache kam.

Der junge Mann hatte massive Geldsorgen. Es ging nicht nur um Altschulden in Syrien, sondern auch um vergleichsweise hohe Ausgaben hier im Lande. Aus den Augenwinkeln bekam ich mit, wie er Freunde um Gaben bat. Kleine Euroscheine wechselten die Besitzer. Das sei so üblich, wurde mir berichtet, und die Ehre verlangte es, die Rückzahlung nicht zu vergessen. Fragte man nach, dann wurde schnell klar, daß es sich beim Empfänger um einen potentiellen „Vergesser“ handelte – kein Wunder, bei der unübersichtlichen Vielzahl der Darlehen. Offensichtlich fällt es Arabern trotzdem schwer, ein solches Ansinnen abzulehnen.

Jedenfalls kam er von einer Reise aus dem „Westen“ wieder und erzählte ganz ohne jegliches Schuldbewußtsein, daß er sich ein paar Euro dazuverdient habe. Ich fragte erstaunt nach dem Procedere. Der erfahrene Maurer hatte beim Hausbau geholfen. Wie das?

„Türkischmann auf Straße. Willst arbeiten? Zehn Euro.“ Zehn Euro die Stunde bot der Türke, um sein Einfamilienhaus zu renovieren und sprach dazu gezielt Asylanten auf der Straße an. Ich erläutere das Konzept „Schwarzarbeit“ und ernte erstaunte Blicke. „Illegal? Warum?“

Die Frage gibt mir die Gelegenheit zum wiederholten Male das Steuersystem zu erklären und die Arbeit von Zoll, Polizei und Bauaufsichtsbehörde. Ob es verstanden wurde, kann ich nicht sagen, daß es so nicht geht, wurde eingesehen und daß man seinen Aufenthalt riskiert oder zumindest verschlechtern kann, wohl auch. Es folgt das Versprechen, es nicht wieder zu tun.

Aber dann reibt er sich lachend die Hände – eine sehr typische arabische Geste – und sagt, daß die Behörden es gar nicht wissen konnten, denn der Türke sanierte sein Bad.

„Alles drin. Kann keiner sehen.“

Und unsichtbar macht straffrei.