Dank sei Allah!

Eine feine Seele bedrückt es, sich jemandem zum Dank verpflichtet zu wissen, eine grobe, jemandem zu Dank verpflichtet zu sein. (Nietzsche)

Man kann sich auf Jahre mit islamkritischen Schriften eindecken und sich so sein Islambild formen. Aber ich empfehle, sich daneben auch an die islamischen Quellen, die proislamische Literatur zu wagen. Das ist nicht immer eine angenehme Lektüre – das sprachliche und intellektuelle Niveau ist mitunter erschreckend niedrig –, schließt aber das apriorische Haßargument aus und gestattet einen ungefilterten Blick in die Köpfe der jeweiligen Muslime.

Ein Zentralwerk – im Übrigen auf hohem Niveau –, das ich jedermann wärmstens ans Herz lege, ist das „Handbuch Islam“ von Ahmad A. Reidegeld. Es wird in der muslimischen community einhellig gelobt, es vertritt den Mainstream in seiner Vielfalt und es ist umfassend: es behandelt die „Glaubens- und Rechtslehre der Muslime“ auf 800 Seiten aus allen Gesichtspunkten. Man findet dort eine Perle nach der anderen. Manches Geheimnis läßt sich dadurch lüften. Vielleicht auch das der Dankbarkeit.

Immer wieder berichten Willkommenskulturisten und Einwanderungsgegner von Fällen mangelnder Dankbarkeit, zuletzt erst wieder Boris Palmer, der sogar vom „Mißbrauch großzügiger Hilfe“ spricht. Nun ist das mit der Dankeserwartung ein zweischneidiges Schwert – sollte man Dank überhaupt erwarten und macht die Erwartung den Ausdruck der Dankbarkeit nicht per se unmöglich?

Dies beiseite, bleibt die Tatsache,  daß Geholfene muslimischen Herkommens oft nicht die Dankbarkeit zeigen, die man erwartet. Persönlich kann ich das sowohl bestätigen als auch widerlegen; es kommt letztlich auch auf die Person an. Darüber hinaus mag es eine ganze Reihe von Erklärungen geben – soziologische, historische, ökonomische … Ich möchte mich hier an einer theologischen versuchen.

Im Handbuch Islam finden wir folgende wichtige Aussage: „Es kommt nur Gott allein zu, daß man sich mit Bitten der Du’ā‘-Form (Bittgebet) an ihn wendet. Das soll so verstanden werden: Man kann wohl den Menschen um eine Sache bitten, doch man muß sich immer bewußt sein, daß es letztlich immer Gott ist, der einem Versorgung mit etwas gibt, der einem hilft, der einen prüft, usw. – und wenn man durch die scheinbare Auswirkung von Menschenhand etwas erhält, so hat Gott etwas durch die Hand anderer bewirkt.“ (33)

Die Schlußfolgerung daraus ist evident: Dank sei Allah und nur ihm, was immer einem Menschen auch begegnet. Wird einem Hilfe zuteil, dann hat nicht der Helfende geholfen, denn durch diesen hindurch wirkt Gott, die helfende Person ist mithin nur eine Puppe Gottes, ein Agent, ein ausführendes Organ. Der Dank hat also nicht ihr zu gelten, sondern der dahinter stehenden und alles lenkenden Entität. Und diesen Dank adressiert man auch nicht an die Person, sondern äußert sie still und inbrünstig im Gebet oder im inneren Dank.

Warum ist das so, frage ich Hussain. Er möchte das so nicht stehen lassen, glaubt an die individuelle Verantwortung, aber er ist auch einer derjenigen, die voller Dankbarkeit sind. Er verweist auf die Namen Gottes. „Gottes schöne Namen“ – davon gibt es 99. Das Handbuch präsentiert sie alle.

Ganz zuerst die heiligsten Namen, die sich in der Basmallah wiederfinden: ar-Rahmān (der Erbarmer), ar-Rahīm (der Barmherzige), al-Malik (der Herrscher). Weiter hinten folgen al-Wahhāb, der stetig Schenkende oder al-Muqīt, der mit Lebensunterhalt versorgt oder al-Wālī, der Herrschende, der alle Dinge beherrscht. All diese Namen und Eigenschaften scheinen der direkten zwischenmenschlichen Dankbarkeit, wie sie die westlichen Konzepte vertreten, Hindernisse in den Weg zu legen.

Deutlicher noch wird es bei al-Mānī, dem Verwehrenden: „Entweder ist gemeint, daß Gott den Gläubigen bestimmte Dinge und Handlungen verwehrt, oder es ist gemeint, daß es nur Gott zukommt, Dinge zu gestatten oder zu gewähren, weil nur Er letztlich der wahre Gesetzgeber ist.“ Das funktioniert auch umgekehrt. Ad-Sārr, der Schaden Zufügende, bedeutet: „Niemand kann letztlich einem Menschen Schaden zufügen, ihn bestrafen, ihn prüfen, außer Gott, bzw. Schaden entsteht einem Menschen nur mit Erlaubnis Gottes, als Strafe oder Prüfung.“ Man muß ein wenig über diesen extremen Fatalismus nachdenken, um die wahren Tiefendimensionen solchen Denkens zu erfassen.

An-Nāfī‘ ist der Nutzen Bringende: „Nur Gott kann dem Menschen wirklich Nützliches geben, ihm wahre Werte, Bleibendes, Gutes geben.“

Man könnte dergleichen fortsetzen. Aber auch der Koran kennt den Gedanken ganz explizit. Sure 4.79 (Henning-Übersetzung) läßt an Deutlichkeit keinen Zweifel: „Was immer dir Gutes widerfährt, ist von Allah, und was immer Böses dir widerfährt, ist von dir selber.“

Wie schnell der Gedanke politisch instrumentalisiert werden kann, zeigt Sure 9.17, die dem Mörder im Dienste des Glaubens die Gewissensbisse nehmen soll: „Und nicht ihr erschlugt sie, sondern Allah erschlug sie; und nicht warfst du, sondern Allah warf.“

Der Trost: daß ich hier sitze und ein paar logische Absurditäten des Koran/Islam aufzeigen darf, ist Allahs Wille. Sollte mir dadurch Böses widerfahren, so ist es meine Schuld, sollte es zu irgendetwas gut sein, so danke ich Allah.

Die Sache mit dem Dank, der ja ein freier Willensakt ist, muß in einem geschlossenen System der Unfreiheit zwangsläufig zu Paradoxien führen. Den Muslim muß das nicht weiter kümmern, denn auch das gehört zu Allahs Wesen. Wenn alles alles ist, ist alles möglich und unmöglich zugleich.

Man sollte sich also, wenn man sich einmal mit vermeintlichem Undank konfrontiert sieht, nicht auf den Schlips getreten fühlen. Dank ist ohnehin nur dann möglich, wenn es Undank geben kann. Und manch ein Gläubiger kann einfach nicht anders, er hat keine Wahl und es ist ihm folglich kein Vorwurf zu machen.

Advertisements

6 Gedanken zu “Dank sei Allah!

  1. Die Aussage ist aus islamischer Sicht leider falsch. Nicht das „Handbuch Islam“ ist Maßstab für islamische Praxis, sondern der Quran, nach dem Verständnis islamischer Quran-Gelehrter -nicht etwa nach dem individuellen Verständnis eines jeden Lesers- und die Überlieferungen der Taten und Aussprüche des Propheten Muhammad, die sogenannten Ahadith. Die Wahrheit findet sich also zu dem Thema „Dankbarkeit gegenüber den Mitmenschen“ im Islam in folgender, nach islamischen Maßstäben authentischen Überlieferung:

    Abû Huraira (r) berichtete: >> Allâhs Gesandter (s) hat gesagt: „Wer sich bei den Menschen nicht bedankt, dankt auch nicht Allâh.“ << (Tirmîdhî)

    Somit negiert diese Tatsache die Kernaussage des Beitrags, denn die Überlieferung besagt sinngemäß ganz klar: Kein Dank gegenüber Allah ohne angebrachten Dank gegenüber den Menschen. (Sollte für jemandem mit kreationistischem Verständnis interreligiös und darüber hinaus auch nachvollziehbar sein.)

    Allerdings ist das islamische Verständnis der anwesenden sogenannten muslimischen Flüchtlinge sicherlich Grundsätzlich in Frage zu stellen, von daher ist es nicht verwunderlich, wenn sie beispielhaftes islamisches Verhalten vermissen lassen.

    Für die "proislamische Literatur", die "das sprachliche und intellektuelle Niveau mitunter erschreckend niedrig" erscheinen lässt, vermisse ich konkrete Beispiele.

    Gefällt mir

    • Im Moment bin ich leider vom Netz abgeschnitten – daher dauern Erwiderungen etwas.

      Nichtsdestotrotz bin ich Ihnen dankbar für Ihre Anmerkungen. Sie unterstreichen die hier vorgelegte Argumentation kongenial.

      Natürlich ist das Handbuch nicht der Koran, aber wie alles islamische Schrifttum beruft es sich auf ihn und zwar mit Kennerschaft. Das wird von zahllosen Muslimen ganz unterschiedlicher Ausrichtung auch anerkannt. Zudem ist der Koran ein historisches Buch, kann die Fragen der Zeit (auch Muslimen) nicht adäquat – ohne Übersetzung und Interpretation – beantworten und ist für den modernen Leser weitestgehend unverständlich. Daher hat ein solches Handbuch Berechtigung und man kann sich auch darauf berufen, will man die muslimischen Denkweisen annähernd verstehen. Es liefert gerade das von Ihnen geforderte „Verständnis islamischer Koran-Gelehrter“; sie geraten automatisch auf eine schiefe Bahn, wenn Sie beginnen, den einen als solchen zu akzeptieren, denn anderen aber nicht. Dieses Problem hat der westliche Gelehrte nicht, denn bei ihm zählt das Argument und nicht die Autorität.

      Aber die wesentliche Differenz zum modernen, westlichen Denken sprechen Sie selber (ungewollt) an.

      1. Bestätigt der von Ihnen zitierte Hadith – durch die Blume gelesen – genau die hier vorgeschlagene Lesart: ohne Allah keinen Dank; vielleicht führt er eine dialektische Volte ein, mehr nicht.

      2. Die alleinige Hinwendung zum Heiligen Buch zeigt die Fundamentaldifferenz: Der aufgeklärte Westen ist eine Kultur der Millionen Bücher, der Islam eine Kultur eines Buches – die Millionen Bücher des Islam beschäftigen sich alle mit dem einen Buch.

      3. Rekurrieren Sie auf Autorität und nicht auf Rationalität.

      (4. Die Frage der „authentischen Überlieferung“ der Hadithe, aller Hadithe, ist ein Thema für sich – methodologisch lassen sich starke Gründe nennen, daß orale Geschichte per se gar nicht in der Lage sein kann, authentisch über Jahrzehnte und Jahrhunderte zu überliefern.)

      Was nun die „proislmaische Literatur“ betrifft, so scheint mir fast das gesamte apologetische Schrifttum mit sprachlicher und/oder intellektueller Niveaulosigkeit kontaminiert. Zumindest weisen meine (wenigen) Stichproben darauf hin. Einige wurden auf diesem Blog auch schon besprochen, z.B.:

      https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2016/07/11/frauen-im-schutze-des-islam/
      https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2016/05/04/philosophie-der-lehren-des-islam/

      Nennen Sie mir Gegenbeispiele, das dürfte einfacher sein – ich werde sie gerne lesen und hier vorstellen.

      Gefällt mir

      • Ich bedanke mich als erstes dafür, dass Sie den Kommentar freigeschaltet haben und die Fähigkeit beweisen ihn, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, ernst zu nehmen. Natürlich steht es Ihnen auch zu, sich allgemein so viel Zeit für Antworten zu nehmen wie Sie brauchen.

        Es ist sicherlich etwas provokant mir das Wort in der Hand umzudrehen und den Hadith „durch die Blume hindurch“ zu interpretieren. Das Gebiet der Hadith-Wissenschaften übersteigt schlicht und einfach Ihre Kompetenz. Allerdings ist dies Ihr Blog in einem „freien Land“ und ich toleriere die Umstände. Ich glaube auch nicht, dass dies aus böswilliger Absicht heraus geschieht, es ist vermutlich einfach Ausdruck Ihrer Weltanschauung.

        Im Islam gibt es einen Unterschied zwischen den „Rechten der Mitmenschen“ und den „Rechten Gottes“, diese überschneiden sich teilweise, sind aber dennoch autark zu betrachten. Das können sie so akzeptieren, müssen Sie aber nicht.

        Machen Sie sich bitte um mich keine Sorgen. „Ungewollt“ spreche ich gar nichts an. Genauso wie sie ebenfalls nicht „ungewollt“ rhetorische Stilmittel verwenden, die mich etwas -sagen wir diplomatisch- „unbedacht wirkend“ erscheinen lassen.

        Ist aber auch einfach erklärt: „die Differenz zum modernen westlichen Denken“ und der „aufgeklärte Westen“ suggerieren ein Hoheitsdenken, wie es klischeehafter kaum sein könnte.

        „Der aufgeklärte Westen ist eine Kultur der Millionen Bücher, der Islam eine Kultur eines Buches – die Millionen Bücher des Islam beschäftigen sich alle mit dem einen Buch.“ spricht übrigens auch eine klare Sprache und entspricht nicht der Wahrheit.

        Ich habe das „Handbuch Islam“ von Reidegeld nicht in Frage stellen wollen. Es hat mit Sicherheit seine Daseins-Berechtigung. Es behandelt islamische Themen nur sehr oberflächlich und gibt einen kleinen Einblick. Der letzte Brockhaus umfasste meines Wissens 30 Bände, den bekommen Sie bis heute auch als „Brockhaus in einem Band“.

        Wenn ich aus Ihrer Sicht „auf Autorität und nicht auf Rationalität rekurriere“ zeichnet dies übrigens genau das Bild, dem ich entsprechen möchte, danke also für die präzise Feststellung.
        Wobei es in dem Zusammenhang sehr unglücklich geschieht, denn die Aussage „Die Frage der „authentischen Überlieferung“ der Hadithe, aller Hadithe, ist ein Thema für sich – methodologisch lassen sich starke Gründe nennen, daß orale Geschichte per se gar nicht in der Lage sein kann, authentisch über Jahrzehnte und Jahrhunderte zu überliefern.“ zeigt wiederholt und deutlich völlige Unkenntnis bezüglich der Wissenschaften der Ahadith. Doch da wir beide Wissen, dass der deutschsprachige Raum sehr bescheiden mit „proislamischer Literatur“ versorgt ist, liegt die Erklärung dafür nahe und ist somit im Kern absolut nicht als Vorwurf an Ihre Person zu betrachten.

        Danke an dieser Stelle für die konkreten Beispiele der „proislamischen Literatur“. Die genannten Werke sind die Mühe nicht wert. Bleiben sie beim „Handbuch Islam“. Dem Wunsch „Gegenbeispiele“ zu nennen, werde ich nicht entsprechen können.

        Ich hoffe Ihnen persönlich nicht unrecht getan zu haben. Ich bin mir sehr sicher, dass unsere zu verschiedenen Sichtweisen auf die Tatsachen, keine Grundlage und somit keine Zukunft für einen ausführlichen Dialog mit sich bringen und ich erkenne Ihren Eifer an, den Islam verstehen zu wollen. Was Ihre wahre Intention dabei betrifft, so bin ich mir nicht sicher ob sie manche Dinge äußern, weil Sie nicht verstehen können oder nicht verstehen wollen. Macht aber nichts. Denn Menschen wie ich es bin, werden motiviert durch Menschen, wie Sie es sind.

        Gefällt mir

        • Das ist doch ein seltsames Gebaren, das Sie hier an den Tag legen. Ich bin für jede Kritik dankbar und ich glaube Sie sollten, nachdem Sie nun einmal so weit ausgeholt haben, meine und unsere Neugier befriedigen. Meine Unkenntnis in Islamfragen erkenne ich an. Wie sagte doch Gilles Deleuze (einer von Millionen)?:

          „Wie läßt sich anders schreiben als darüber, worüber man nicht oder nur ungenügend Bescheid weiß? Gerade darüber glaubt man unbedingt etwas zu sagen zu haben. Man schreibt nur auf dem vordersten Posten seines eigenen Wissens, auf jener Spitze, die unser Wissen von unserem Nichtwissen trennt und das eine ins andere übergehen läßt.“

          Also: Erweitern Sie unsere Kompetenz! Wie soll es denn zum berühmten Dialog kommen, wenn man „uns“ nicht aufklärt, die Geheimnisse des Islam für sich behält, sie wie Esoterik behandelt, oder nennen Sie doch wenigstens die Bedingungen, um eine Grundlage für einen Dialog herzustellen. Stattdessen brechen Sie alles ab, bezichtigen den potentiellen Gesprächspartner der Inkompetenz und des Nicht-Verstehen-Könnens/Wollens.

          Welche Wege sind dann noch offen?

          Gefällt 1 Person

  2. Ist ihm doch! Das ist genau der springende Punkt, der den Unterschied zwischen Universalismus und Partikularismus ausmacht: der Partikularist hält Sitten, Gebräuche und Verhaltensweisen für kontingent und deshalb zu respektieren, der Universalist weiß im Glücksfalle um die Kontingenz der Normen, die er der Welt auferlegen will, hält aber genau in diesem Bewußtsein seine Normen für verallgemeinerbar. Der Partikularist muß also schulterzuckend das radikal andere Dankeskonzept zur Kenntnis nehmen, aller persönlichen Kränkung (die ist kontingent!) und eben auch aller normativen Inkonsequenz (die festzustellen ist universalisierbar!) zum Trotz.

    Gefällt mir

  3. Pérégrinateur schreibt:

    Das Phänomen dieser Undankbarkeit gibt es nicht nur bei Muslimen. Eine gute Bekannte nahm einst eine sehr entfernt verwandte, sehr christliche Greisin bei sich auf und versorgte sie, nachdem diese ernstlich erkrankte. Bei jedem Besuch hörte man dann von der alten Dame, sie danke Gott täglich dafür, ihr eine so hilfreiche Versorgerin verschafft zu haben. Wie man einmal ohne die alte Dame zusammen saß, meinte die jüngere Frau etwas trocken, es würde ihr schon auch gefallen, wenn ihr selbst auch einmal Dank ausgesprochen würde und nicht nur Gott.

    Das Verhalten rührt wohl aus dem festen Glauben an hinterweltliche Kausalität. Gottes Macht durchwirkt alles, er ist letztlich der eigentliche Urheber all dessen, was einem widerfährt, also gilt es, vor allem anderen seine Gunst für sich zu gewinnen, und alles andere folgt dann dank Allmacht automatisch. Dass man dazu unterstellen muss, der Allgewaltige sei ein durch Schmeicheleien zu beeindruckender eitler Laffe; dass man dazu sehr egozentrisch in die Welt schauen muss, denn die andern müssten dann doch in ihrer Sicht einen selbst als ebenso blindes Gotteswerkzeug ansehen wie man sie; dass es überhaupt keine der vom naiven und alltäglichen Realismus so nahegelegten innerweltliche Verursachungen geben dürfte; das alles muss man selbstredend ausblenden. Um das zu können, braucht es ein kleinkindliches Tauchbad der Indokrination, und oft genug färbt es für immer ein, wenn nur zureichende Einschüchterung kritiklos gebeizt hat.

    Man kann ja zu Recht viel Abträgliches über den Kommunismus sagen, aber Verse wie

    „Es rettet uns kein höh’res Wesen,
    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
    Uns aus dem Elend zu erlösen
    können wir nur selber tun“

    stehen denn doch noch Höhen über den frommen Bitt-Litaneien. Die einen stellen sich in die Tradition des ersten Stasimons der Antigone, die anderen in die raunender und Knöchelchen werfender Schamanen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s