Die Gelder sind da

Seit neun Monaten ist Hussain nun im Land und wartet noch immer geduldig auf seine Aufenthaltserlaubnis. Er ist tatsächlich aus Syrien geflohen. Andere, die sichere Existenzen in der Türkei aufgegeben haben, um hier ein besseres Leben zu führen, sind bereits seit Monaten legal, bekommen den Hartz IV-Satz, haben freie Wohnungs- und Ortswahl, können theoretisch arbeiten – praktisch wäre nur Hussain dazu in der Lage, alle anderen stolpern über die Sprachhürde.

Von allen unterscheidet sich Hussain durch seine Geschichte, seinen immensen Lernwillen, seine Geduld und Anspruchslosigkeit.

Es kommt ein Brief aus Chemnitz. Er habe sich der Ausländerbehörde vorzustellen, diese und jene Papiere mitzubringen – alle seine syrischen Dokumente, vom Ausweis bis zum Abitur und Uni-Nachweis wurden ihm im September kopielos von der Polizei abgenommen –, habe sich früh um sieben Uhr am Bahnhof einzufinden und sich auf eine Übernachtung in Chemnitz vorzubereiten. Ein Bus holt eine Handvoll Leute ab.

Tatsächlich wird er fünf Stunden später wieder zu Hause sein.  In Chemnitz sitzt er eine viertel Stunde im Warteraum eines Büros. Niemand spricht mit ihm, niemand will etwas sehen oder wissen. Dann erscheint ein Mann und sagt: „Erledigt“.

Zusammen mit einer jungen syrischen Frau wird er in ein Taxi gesetzt und nach Hause gefahren. Laut Taxirechner dürften die Fahrkosten von Chemnitz nach Plauen zumindest nach offiziellem Tarif mindestens 150 Euro – eine Fahrt – betragen.