Die Stuhlprobe: Scheiß Deutsche

Ich behaupte nicht, daß andere Völker nicht auch ein gesundes Interesse an diesem Bereich zeigen, sondern vielmehr, daß die Deutschen von diesem Thema in Besitz genommen zu sein scheinen. (Alan Dundes)

Heute geht es um Scheiße. Darf man so klipp und klar sagen, denn das Wort ist längst gesellschaftsfähig. Das zeigt auch ein Artikel in der „Welt“, bei dem es um künstlerische Umsetzung mit besagtem Material geht. Das war mal aufregend, langweilt nun aber nur noch. Alles schon tausend Mal dagewesen: Blut, Menses, Sperma, Scheiße … schocken uns nicht mehr.

Trotzdem, so besagen diverse Studien, sind die Deutschen besessen vom Thema. Till Eulenspiegel, Luther, Grimmelshausen, Mozart … waren alle bejahende Meister der Fäkalien und der Aufklärungsphilosoph Carl Julius Weber hat in seinem vielbändigen „Demokritos“ die Sache zur philosophischen Chefsache erklärt: „Ohne das Emana­tions­system der Posterio­ra könn­ten wir gar nicht existie­ren; und eine Stö­rung darin könnte unsere ganze Philosophie über den Haufen wer­fen…“

Gemessen daran erscheint Slavoj Zizeks Beobachtung, die die „Welt“ genüßlich wiedergibt, weniger originell: „Auch der Star der Gegenwartsphilosophie, Slavoj Zizek, wird nicht müde zu betonen, wie sich die drei großen europäischen Denkströmungen anhand der Bauart von Kloschüsseln analysieren lassen. In Frankreich flutscht alles sofort weg, weil die Franzosen gerne verdrängen. Die Deutschen dagegen blicken gerne zurück und untersuchen daher sorgfältig, was sich da im Becken offen vor ihnen ausbreitet. In England schwimmt die Notdurft im Wasser herum, man ist eben pragmatisch. Philosophisch kann man also einiges aus dem im Alltag so unliebsam weggespülten Stuhlgang ziehen – von der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte.“

Da ist was dran! Nur: Warum bleibt Zizek auf halbem Wege stehen? Wäre es nicht hilfreich, einen Blick über den europäischen Kloschüsselrand zu werfen? Wenn die Stuhlprobe kulturelle Aufschlüsse liefert, sollte man im multikulturellen Bereich auch die anderen Kulturen befragen. Zum Beispiel die islamische.

Der Begriff der „Besessenheit“ erhält hier neue Bedeutung – im negativen Sinne. Muslime haben ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer eigenen Natur. Von Kleinauf wird Kindern eingetrichtert, Nacktheit zu vermeiden und insbesondere momentane Ausscheidungs- und spätere Fortpflanzungsorgane schamvoll zu verstecken.

Das Verrichten des Geschäftes in Richtung Mekka – in beiderlei Verlängerung – gilt als gotteslästerlich. Auch benutzen Muslime keine Urinale, da das Pinkeln im Stehen mißbilligt wird, makruh ist. Das Ausscheidungsorgan sollte danach sorgfältig mit Wasser gereinigt werden: „Während bei der Frau das reinigende Wasser über die Scheide fließt, muss der Mann zudem den Harnleiter von den letzten Tropfen befreien und den Penis derart halten, dass die äußere Öffnung der Harnröhre geöffnet und somit ein Teil der Röhre ebenfalls mit Wasser gereinigt wird.“ Das alles mit der linken Hand, die im Islam als unrein gilt, und für derartige Prozeduren prädestiniert ist. Überhaupt wird die Nutzung von Toilettenpapier nur in jenen Fällen befürwortet, wo keine Wasserreinigung möglich ist. Der Prophet nahm stets einen Lederbeutel mit Wasser auf die Toilette mit.

Während der Verrichtung ist es angeraten, sein Geschlechtsteil nicht zu betrachten und nicht zu berühren. Erfolgt sie im Freien, sollte man sich nicht in Richtung Sonne oder Mond – als „wichtige Zeichen Gottes in seiner Schöpfung“ – positionieren und möglichst den Blick in den Himmel vermeiden.

Im Idealfall handelt es sich um eine „französische Toilette“. Einige Muslime bevorzugen die Hockstellung auch bei Sitzklos und erklettern dann den Porzellanrand.

Die Toilette sollte man mit dem linken Fuß betreten und mit dem rechten Fuß verlassen, wobei man jeweils eine Gebetsformel murmelt: Beim Betritt: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan. Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Oh Allah, ich suche Zuflucht bei dir vor dem Bösen und den Satanen, und ich suche Zuflucht bei Dir, oh mein Herr, vor ihrer Anwesenheit“, beim Abtritt: „Oh Allah, ich suche deine Vergebung“.

Der Koran darf das Licht des Aborts nie erblicken, auch andere Schriften, die den Namen Allahs beinhalten, sind verboten. Sogar arabisch-grün gestrichene Toiletten sollen schon zu kulturellen Verstimmungen geführt haben.

Zumindest beim finalen Händewaschen nähert man sich den europäischen Gepflogenheiten wieder an.

Nun bedarf es freilich eines hellsichtigen und tapferen Denkers wie Slavoj Zizek, um diese „außereuropäische Denkströmung“ von „der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte“ und besser noch bis zur sozialpsychologischen Studie zu anal-ysieren.

Quellen:
Handbuch Islam
Islam-Pedia
Enzyklopädie des Islam
Dundes, Alan: Sie mich auch! Das Hinter-Gründige in der deutschen Psyche.
Weber, Carl Julius: Demokritos oder die hinterlassenen Papiere eines lachenden Philosophen.
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3 Gedanken zu “Die Stuhlprobe: Scheiß Deutsche

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Settembrini ist auch ausrechenbar und mir dennoch lieber als dieser Léon-Bloy-Lukács-und-wer-weiß-noch-Verschnitt, der ihn immer auf die Palme bringt. Es ist Ihnen sicher nicht entgangen, dass ich nur die Prämisse ihres Schlusses angegriffen haben und nicht dessen Konklusion. Der „muslimische Waschzwang“ hat eine solide empirische Basis. Und bevor dereinst vielleicht sogar ein muslimischer Bacon Menstruationsblut auf einen Spiegel streicht, um einfach mal zu schauen, ob der davon blind wird, müssen wohl noch Jahrhunderte vergehen. (Notabene, ich stehe nicht für diese Anekdote ein.)

    Nichts gegen Pointen. Aber lieber solche, die auf einem offen burlesken Schluss setzen statt einem verbreiteten und deshalb für viele glaubwürdig anmutenden Klischee aufzusitzen.

    Zu Žižek und sonstige Akkretionen aus der großen Freud-Marx-Mischtrommel kein Wort.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Um recht beurteilen zu können, ob die Phantasie der Deutschen jedenfalls im Vergleich zu den Franzosen wirklich so skatologisch ist, wie gerne behauptet, bitte ich zur Kenntnis zu nehmen:
    * Rabelais, insbesondere Gargantua, Kapitel XII
    * Jarry, Ubu Roi
    * Chevallier, Clochemerle
    oder folgende Entsprechungen:
    : « faire chier qn » → „ jemandem auf den Wecker gehen“
    : « chienlit » (gesprochen wie « chie-en-lit ») → „Chaos, Kuddelmuddel“
    : « pisse-froid » → „Trauerkloß“
    : « chaude-pisse » → „Tripper“
    usw.

    Klischees sind selbstredend bequem.

    Hierzulande gibt es übrigens zu meinem Bedauern immer mehr Tiefspüler. Jeder Platsch ein Spritzer, und vielleicht damit eine lebendige Erinnerung an den Vorsitzenden.

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    • Sie werden ausrechenbar, lieber Pérégrinateur. Auf diesen Einwand hätte ich wetten können. Manchmal muß man die Realität ein wenig modulieren, um eine kleine Pointe herauszuarbeiten. Zur Verteidigung sei auf diesen unbedeutenden Nonsens verwiesen: Sacrificare lari oder: Schach als Laxativum

      Im Übrigen bewundere ich Ihren Kampf gegen die Klischees – es ist freilich eine Quichotterei. Die Welt wäre vor dem glasklaren Auge der täuschungsresistenten Realitäter doch ein erbärmlicher Ort.

      Unabhängig davon sollte der Artikel doch einen gewissen Einblick in die Psyche verschiedener Menschenstämme ermöglichen. Ex oriente lux – Was hätte Freud (noch so einer) nicht alles entdecken können. Im Grunde genommen hat er die falschen Leute pathologisiert. Ich erinnere gerne noch einmal an diesen wichtigen Artikel: Freud in Arabien

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