Aus den Augen, aus dem Sinn

Nein, daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Je öfter es passiert, umso weniger.

Da lernt man fremde Menschen kennen, besucht sie, lernt mit ihnen, versucht ihnen zu helfen, kommt sich schließlich menschlich näher, umarmt sich, küßt sich, baut eine Art Freundschaft auf – wer der andere Mensch im Grunde genommen ist, wird freilich aufgrund der vielen Differenzen auf ewig unbekannt bleiben –, ist auch traurig, wenn er geht … und dann, mit einem Mal: nichts. Nichts mehr. Kein Wort, kein Brief, keine Mail, kein Anruf, nichts. Verschwunden, woanders, vergessen?

Ich weiß es nicht. Schnell steigt das Wort „Undankbarkeit“ auf, aber ich vermute, das trifft es nicht. Keiner weiß, was im anderen wirklich vorgeht. Mir scheint, es ist die Tradition und auch die Religion. Diese Menschen leben viel mehr im Hier und Jetzt. Sie planen kaum und sie schauen auch wenig zurück. Sie leben immer in der unmittelbaren Konfrontation mit der Gegenwart und überlassen alles andere ihrem Gott. Der sorgt für alles und falls nicht, dann hat er seine Gründe dafür. Muß man akzeptieren. Vielleicht ist das sogar die bessere Sichtweise.

Aber gewöhnen werde ich mich daran wohl nicht. Man kann sich nur wappnen.