Unterschätzt

Nun, nachdem feststeht, daß auch Khaled die Stadt verläßt, stellt sich eine neue Frage. Die habe ich und die haben wohl auch viele Willkommenskulturisten unterschätzt.

Nach sieben Monaten recht intensiven Kontaktes hat sich zwangsläufig eine persönliche Nähe aufgebaut. Irgendwann, wenn die Syrer ihren Asylbescheid haben, verschwinden sie dann aus der sächsischen Provinz, ziehen in die großen Städte, zu Verwandten – man hat überhaupt keine Vorstellung, wie viele Großfamilien bereits über das ganze Land verstreut sind –, suchen sich nach erfolgtem Familiennachzug eigene Wohnungen oder finden, wie eben Khaled, eine Braut und ziehen zu ihr. Ihn wird es nach Baden Württemberg verschlagen. Dort wird er bei der Familie seiner Verlobten wohnen: Mutter, zwei Geschwister. In dem kleinen Ort Möckmühl gibt es bereits eine kleine syrische Gemeinde.

Ich fühle mich ein wenig ausgelaugt. Kann mir im Moment nicht vorstellen, all die emotionale Energie noch einmal aufzubringen. Es geht nicht um die Zeit, nicht um „Streß“, es geht einzig und allein um die Frage: wie oft kann man emotionale Beziehungen aufbauen, wie viele Trennungen kann man verkraften, ohne seelisch abzustumpfen. Und sicher geht das vielen anderen ebenfalls so.

Sollte es eine neue Welle an Asylsuchenden geben, sollten erneut ehrenamtliche Helfer gesucht werden, dann vermutlich ohne mich. Auch deswegen werden wir es nicht schaffen: der Nachschub ist potentiell endlos, die eigenen Kräfte sind es nicht.

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