Entwarnung: Moscheenzensus

Wieder so ein Qualitätsprodukt der Leitmedien. „Experten rechnen vor“ – wer die Experten sind, bleibt ungesagt.

Focus: Im vierstelligen Bereich: so viele Moscheen gibt es in Deutschland wirklich

Demnach „recherchiert“ die „Zeit“ und zählt alle Moscheen in Deutschland zusammen, denn bislang gibt es – das ist doch der eigentliche Skandal! – keine offizielle Bestandsaufnahme. Man kommt auf 2750. Ist das nun viel oder wenig? Wie kommt man auf diese Zahl, wenn es „keine offiziellen Auskünfte gibt“? Und was ist überhaupt eine Moschee? Ein Bau mit Kuppel und Minarett oder zählt jeder x-beliebige Gebetskeller im Hinterhaus dazu?

Der „Focus“ schießt den Vogel an Unwissenheit ab, indem er uns das sehenswerte Yenidze-Gebäude in Dresden präsentiert – das definitiv nie eine Moschee war, sondern eine Zigarettenfabrik.

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Überhaupt will man beim linkspopulistischen „Focus“ durch die Blume Entwarnung geben ohne freilich den Mut zu haben, wirklich zu bekennen. Das signalisiert der Eingangssatz: „In Deutschland gibt es schätzungsweise sechzehn Mal mehr christliche Kirchen als Moscheen.“ Also kein Grund zur Panik.

Doch ist die Zahl sinnlos, wenn man nicht die Dynamik betrachtet. Wie viele Moscheen gab es vor 50 Jahren? Wir wissen es nicht, doch dürfte die Zahl nicht im vierstelligen, sondern eher im zweistelligen Bereich gelegen haben. Und vor 40 Jahren, vor 30, vor 20, vor 10 Jahren? Man riskiert keine Lüge, wenn man von einem exponentiellen Wachstum ausgeht.

Merken wir uns den Faktor 16. Die nächste Zählung wird ihn nicht mehr bestätigen und in 10, 20, 30, 40 oder 50 Jahren wird er Makulatur sein.

Allein unsere Presse bleibt stoisch und lebt – im Hier und Jetzt.

Ein Gedanke zu “Entwarnung: Moscheenzensus

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Gesetz zur Förderung des Expertentums in den Massenmedien
    =================================================

    § 1. Experte
    Ein Experte ist eine Person, die sich in einem audiovisuellen Medium schon einmal zu einem Thema geäußert hat.

    § 2. Experten- und Nichtexpertenprivileg
    1. Ein Experte genießt das Privileg, dass ihm beim Interview nicht die Frage „Wie haben Sie sich dabei gefühlt?“ gestellt werden darf, wenn ihm billig unterstellt werden kann, den Hauptteil seiner Tätigkeit außerhalb der Medien zu vollbringen.
    2. Anderenfalls genießt er das Privileg, dass ihm diese Frage gestellt werden muss.
    3. Nichtexperten sind Personen, die nur zufällig in die Mediensphäre geraten, zum Beispiel Passanten, die einmalig Zeugen spektakulärer Ereignisse werden. Sie genießen das Privileg, nur zu ihren Gefühlen befragt zu werden.

    § 3. Optionsrecht von Moderatorinnen.
    1. Moderatorinnen haben die freie Wahl zwischen dem Status des medialen Experten im Sinne von §2.2 und dem des Nichtexperten im Sinne von §2.3.
    2. Eine Behandlung einer Moderatorin, die noch nicht ausdrücklich ihren gewünschten Status eingefordert hat, im Sinne ihres nicht gewünschten Status ist in der Regel nicht strafbar.
    3. Doppelmoderatorinnen sollen vor Ausübung ihres Optionsrechts als Nichtexperten behandelt werden.
    4. Als Moderatorinnen gelten auch Moderatoren.

    § 4. Wissenschaftliche Experten.
    1. Als wissenschaftliche Experten gelten alle Experten, die keinen Zweifel zulassen, alle andere als unwissenschaftliche Experten.
    2. Ein einmalig geäußerter Zweifel eines wissenschaftlichen Experten bleibt ohne Auswirkung auf seine Wissenschaftlichkeit, wenn er daraufhin nicht unter hundert Stunden freiwillige Öffentlichkeitsarbeit für eine anerkannte Einrichtung leistet oder den nächsten Bundespresseball besucht.
    3. Über die Anerkennung von Einrichtungen entscheidet der Innenminister im Benehmen mit der Kahane-Behörde.

    § 5. Qualifikation des medialen Experten.
    1. Alle medialen Experten müssen eine Prüfung über ihre Befähigung ablegen.
    2. Nachweis von Kenntnissen in Aussagen- oder Prädikatenlogik oder in Stochastik schließt die Zulassung zur Prüfung aus.
    3. Mediale Experten auf naturwissenschaftlichem Feld müssen vor einer Gruppe von drei schon anerkannten Kollegen in einem diesen vorher bekanntgemachten Text mit wenigstens zweihundert Größenangaben wenigstens zwanzig vom Hundert der Einheitenpräfixe austauschen, ohne dass dies einem Prüfer auffällt.
    3. Mediale Experten auf geschichtlichem Feld müssen bei ihrer Prüfung einen Weg zum Reich Gottes auf Erden glaubhaft darlegen können. Dem Reich Gottes auf Erden sind säkulare Eschata gleichgestellt, die von der Kahane-Behörde zugelassen wurden.
    4. Mediale Experten auf sozialwissenschaftlichen Feldern weisen ihre Befähigung nach durch ausreichende Häufigkeit der Vokabeln „Diskurs“ und „Narrativ“ in einem selbstverfassten Text von nicht unter zwei Seiten, die wenigstens dem gewogenen Mittel von zehn Hervorbringungen des Postmodernismus-Generators gleichkommt. Unübliche Stellung des Reflexionspronomens im Satz allein gilt nicht mehr als ausreichender Nachweis. Die zwei gezählten Worte sollen dem Fortschritt der Wissenschaft entsprechend jeweils angepasst werden.
    5. Mediale Experten in Psychologie beweisen ihre Befähigung durch Beherrschung der Drewermann- Hand.

    § 6. Übergangsbestimmungen.
    Diese Bestimmungen treten mit Ablauf der ersten Woche außer Kraft, in welche vier Donnerstage fallen.

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