Schwarzer sieht schwarz

Auweia, Alice Schwarzer, die Ikone der Emanzipation, hat ein Islamproblem. Und sogar mit viel Tamtam ein Buch darüber veröffentlicht. Das sieht man gar nicht gern im Feuilleton. Apostasie wird auch im Milieu der Gerechten nicht goutiert. Da muß die große Keule raus: für DITIB schreibt sie „belletristischen Genre Horror-Fiction„, die dauerbedeckte Hübsch-Ahmadiyya sieht das Wasser auf den Mühlen der AfD, die TAZ den Kulturkampf zwischen Rassismus und Sexismus, andere, durch die Kölner Ereignisse zur taktischen Milde gestimmt, sehen nur „äußerst streitbare Thesen“ usw.

nicht nur in Köln © KiWi

nicht nur in Köln © KiWi

Wer mag Alice Schwarzer eigentlich? Niemand, soweit ich weiß, außer zwei – und die leben mit mir unter einem Dach. Trotzdem: Objektivität!

Der Schock – die Silvesternacht von Köln“ ist wirklich ein Schock, zumindest wenn man nur Schwarzers Beitrag liest. Zuerst schocken die Beschreibungen einiger weniger Szenen und die bildliche Vorstellung, was hunderte Frauen an diesem Abend durchgemacht haben müssen und übrigens nicht nur durch die grapschenden Männer, sondern auch durch die Polizei und die spätere mediale Verarbeitung: eine mehrfache Demütigung. Aber dann schockt auch gleich die hanebüchene Argumentation der Schwarzer, obwohl sie zu begreifen scheint, daß das Phänomen vielfältig beschreibbar ist und sich archaische mit hypermodernen Erscheinungen mischen. Sie traut sich zu, die Frage zu beantworten, wer die Männer sind, und beginnt auf anderthalb Seiten eine Tour de Force, die von „Arabern“ über „Muslime“, „Arbeits- und Perspektivlose“ zu Kolonialismus, Scharia und Gotteskriegern, „Dschihadismus“ und Islamisten in einem Atemzug nichts ausläßt. Das ist weder seriös noch durchdacht und zumeist schlicht Unsinn, an Differenzierungsverlangen scheint die Femme fanal nicht zu leiden. Ein Blick in Gustave le Bon, Canetti, Freud und Reich, Broch und Mann oder Ortega y Gasset, um nur die Klassiker der Massenpsychologie zu erwähnen, hätte manch übereilte Unterstellung, die außerdem mit keinerlei Material belegt wird, verhindern können. Leider fällt mir zum Thema keine namhafte Autorin ein, was Frau Schwarzer sicher den Zugang erleichtert hätte.

Zum Glück hat Alice Schwarzer auch ein paar ältere Arbeiten ausgegraben und vor allem andere Autoren ins Boot geholt. Liest man die alten Schwarzer-Texte zum Islam, zur Verschleierung, zum Machismo etc., dann kann einem schon schwummrig werden. 25 Jahre wurden mindestens vertändelt – hätte man damals auf die noch luzide Feministin gehört und sie nicht schon damals als „RassistIn“ verschrien, Kölner Frauen hätten vielleicht nicht geschockt werden müssen. Dankbar ist man auch für erhellende Sätze wie: „Die meisten Konvertiten kommen, laut dem Mitbegründer des Zentralrates der Muslime und Konvertit Murad Wilfried Hofmann, aus den Kreisen der Grünen“.

Kamel Daoud verleiht der Debatte einen philosophischen Anstrich: „Man erkennt im Flüchtling nur seinen Status, nicht aber seine Kultur; er ist das Opfer, das eine Projektion oder ein Gefühl von menschlicher Pflicht oder ein Schuldgefühl beim westlichen Menschen hervorruft. Man sieht nur den Überlebenden und vergißt, daß der Flüchtling aus einer Kultur-Falle kommt, die vor allem von seinem Verhältnis zu Gott und zur Frau bestimmt wird.“

Necla Kelek geht den theologischen Fragen nach und erforscht, in aller Eile – die sämtliche Artikel kennzeichnet – die koranischen Wurzeln des Frauenverständnisses, um sozialpsychologisch zu enden: „Es wird nicht reichen, diesen verlorenen Söhnen die Sprache zu lehren oder wie Formulare ausgefüllt werden. Sie müssen die eigene Freiheit lernen, um die der anderen zu respektieren.“

Besorgniserregendes bringt Rita Breuer zu Tage, die sich mit der Rolle der Islamverbände beschäftigt. Dort werde laviert und getäuscht und abgewiegelt und, wenn alles nichts hilft, die Rassismus-Karte gezogen und vor allem ein Ziel verfolgt: „die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland zu erlangen, die Geschwister im Glauben mit Dogmatismus zu gängeln und von der Politik wahrgenommen zu werden, um immer mehr Interessen und Normen der Muslime in Deutschland durchzusetzen.“

Bassam Tibi sieht in Köln den Versuch des muslimischen Mannes den europäischen Mann zu demütigen, indem, wie in islamischen Ländern verbreitet, die Frauen der anderen (Männer) geschändet werden. Der Text ist als Vorabdruck hier zu lesen.

Und damit das Ganze nicht in falsche Hände gerät, darf auch ein Quoten-Linker (Florian Klenk) das Wort zum Schluß ergreifen, der die üblichen Floskeln und Beschwichtigungen vorträgt.

Fazit des Buches: Kann man, muß man nicht lesen, erst recht nicht, wenn man diesen Satz gelesen hat.

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