Spieglein, Spieglein

© Spiegel - Glückliche Ausländer

© Spiegel – Glückliche Ausländer, triste Deutsche

Vermutlich ungewollt hat der Spiegel in ein Wespennest gestochen. Eigentlich sollte der Artikel „Flüchtlingsfragen: Warum seid ihr Deutschen nicht fröhlicher?“ wohl eine Brücke bauen zwischen Asylsuchenden sowie einigen Flüchtlingen und „den Deutschen“, tatsächlich ist ein interessanter Vorwurfskatalog entstanden. Die Deutschen sind für den Geschmack der Angekommenen nicht fröhlich genug, die Straßen abends zu leer, die Geschäfte nicht lang genug geöffnet, die Bürokratie zu überbordend, man darf die Musik nicht so laut machen wie in Nigeria oder gar nachts auf den Straßen tanzen, mäkelt über Kopftuchgefrage, findet nicht gleich eine Arbeit, muß dauernd alles prüfen lassen, das fehlende Familienleben oder schwacher Nachbarschaftszusammenhalt, also die soziale Kälte, mißfällt, ebenso wie die mangelnde Unterstützung alter Menschen und die Steuern sind auch zu hoch. Da war es in Syrien oder Afrika doch besser.

Nur zwei befragte Männer scheinen dem neuen Zuhause auch etwas Positives abzuringen: Es gibt Versicherungen und für einen Albaner ist das Grüßen auf der Straße ein kleines Wunder.

Damit will ich die fremden Menschen nicht kritisieren, sondern die eigenen, jene zumindest, die geglaubt haben, eine Gabe würde automatisch einen Dank erzeugen. Wer die Erfahrung des Auslandslebens hat, weiß vielleicht, wie stark einem die Differenzen zum Gewohnten beschäftigen. Was jedoch bei vielen der jetzigen Neuankömmlinge überrascht – und das bestätigen auch meine persönlichen Erfahrungen –, ist die Staunlosigkeit, die geringe Neugier am anderen und ist auch eine gewisse Selbstverständlichkeit, mit der man sich umsorgen läßt, ohne daß man dies als Hilfe überhaupt wahrnimmt.

Manchmal scheint es, als verstünden sich viele dieser Menschen als Geschenk, als hielten sie sich selbst für eine Bereicherung, für die die Deutschen dankbar sein sollten.

So ging der pädagogische Versuch des Spiegels einmal mehr nach hinten los. Statt uns den häßlichen oder humorlosen Deutschen in altbewährter linker Selbstverachtung zu präsentieren, werden uns die inneren Schwierigkeiten des Zauberstückes „Integration“ präsentiert.