Entwarnung

Die frohe, wenn auch in typischem mehrdeutigem Lokalpressedeutsch verkündete Botschaft lautet – als dicke Überschrift eines kleinen versteckten Artikels in der „Freien Presse“ –:

Drei von vier Straftätern sind Deutsche“. In Plauen und in Sachsen.

Na also! Fürchtet euch nicht vorm schwarzen Mann, fürchtet euch vor euresgleichen. Und wenn man dann noch bedenkt, daß die meisten Ausländer-Straftaten aus „Leistungserschleichung  (wie z.B. Schwarzfahren)“ und ein bißchen Ladendiebstahl bestehen und daß die ebenfalls häufig registrierten „Körperverletzungen“ meist „in Unterkünften unter Asylbewerbern stattgefunden“ haben, dann wird jeglicher gefühlter Angst der Grund entzogen.

Gemessen daran ist die Nachricht vom gestiegenen Anteil der Ausländerkriminalität selbstverständlich sekundär. „Ausländer“ meint in erster Linie Migranten.

All das Zahlengeschiebe ist sinnlos, wenn man die Bezugsgröße nicht kennt. Wie viele Ausländer leben denn in Plauen? Wären es 28%, dann wäre statistisch ja alles in Ordnung. Immer dann aber, wenn es um die Hysterie ging, versicherte man uns, die Zahl läge bei weniger als 2%. Das würde demnach bedeuten: 2% der Bevölkerung begehen ein Viertel aller Straftaten.

Ich finde, das hätte eine andere Überschrift verdient: Einer von vier Straftätern ist Ausländer.

Das heißt eben nicht, wie die Freie Presse euphemistisch schließt: „Drei von vier Straftätern sind Deutsche“, denn der „Normalfall“ hieße vier von vier, sondern, noch einmal: „Einer von vier ist Ausländer“.

Und wie der Zufall es will, wird das Evangelium durch einen anschließenden Artikel nahtlos konterkariert: „Zwei Männer vor Gericht“ – zwei Somalier, die im Dezember einen jungen Mann lebensgefährlich mit Messerstichen verletzten und jetzt wegen versuchten Totschlages vor Gericht stehen.

Koinzidenz der Ereignisse - FP 13.5.2016

Koinzidenz der Ereignisse – FP 13.5.2016

Spiegel: Plauen – wie eine Region mit Flüchtlingen umgeht