Allah am Steuer

„Subhan Allah“ – gepriesen sei Allah. Diese Aufschrift soll nun hunderte ikonische rote Doppeldeckerbusse in England schmücken. Bald ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Die Metropolen London und Manchester, aber auch die quasi-muslimischen Zentren Leicester, Birmingham und Bradford werden in den Genuß des Allah-Advertisings kommen, veranlaßt von einer muslimischen Charity-Organisation.

Gepriesen sei Allah

Gepriesen sei Allah – auch in London

Das Timing ist sensibel. Gerade hat London den ersten muslimischen Bürgermeister gewählt – entgegen dem allgemeinen Labour-Trend (wie hat die muslimische Bevölkerung gewählt?) –, dem Kritiker Kontakte zur Radikalenszene vorwerfen, und das Brexit-Voting steht unmittelbar vor der Tür.

Besonders delikat wird die Entscheidung angesichts einer anderen: Zu Weihnachten wollte das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, der Erzbischof von Canterbury, in den großen Kinos einen Spot laufen lassen, der die Menschen zum Beten ermutigen sollte. Man lehnte das ab, um die religiösen Gefühle Andersgläubiger nicht zu verletzen.

Die linke Presse wirft sich sofort in die Bresche für Religionsfreiheit. „Wenn Sie glauben, die Allah-ist-groß-Busse sind ein Problem“, schreibt der Independent, „dann haben Sie nur bewiesen, wie notwendig sie sind.“ Dann fährt man fort: „Wann würden Sie, im gegenwärtigen Klima der Abneigung und der Angst, den Ausruf ,Allahu akbar‘ zu hören vermuten? Viele würden antworten: bei einem Terrorangriff“ – nun könne man seine friedliche Bedeutung an Buskarossen studieren.

Die konservative Presse – hier die Daily Mail online – kontert sarkastisch: „Das Publikum ist in der Lage, Äußerungen des christlichen Glaubens zu vernehmen, ohne in Panik schreiend davonzulaufen.“

Böse Zungen werden leise das Wort „Islamisierung“ murmeln oder zum Islamophobiker Peter Hammond greifen, der all das Punkt für Punkt meinte angekündigt zu haben.

In einem Land, das sich noch immer weitgehend als christlich versteht, das die Magna Charta hervorbrachte, die die Geburtsurkunde der modernen Rechtsstaatlichkeit darstellt und erstmals eine Trennung von Kirche und Staat andachte, ein Land, das große Reformatoren wie John Wycliff und William Tyndale hervorgebracht hat, das von Roger Bacon über John Locke und David Hume bis hin zu G. E. Moore und Bertrand Russell große Befreier des Geistes, Advokaten der Vernunft schuf …, in solch einem Land ist es nun möglich, die traditionelle Weihnachtskarte zum „Season’s Greeting“ zu machen, das höchste christliche Oberhaupt öffentlich zum Schweigen zu bringen … aber Allahs Lob auf den Straßen zu singen.

Überhaupt: Was ist das für ein Gott – ganz gleich welcher Observanz –, der bunte Werbeflächen braucht?

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