Je suis Erdogan!

„Wer sich solch einem Gegner ergibt, ergibt sich in Ehren.“ (Franz Fühmann: Das Nibelungenlied)

Alle auf ihn! Tyrann, Diktator, Irrer! Es kann einem wirklich angst und bange werden, wenn man die neuesten Entwicklungen in der Türkei verfolgt. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen – Böhmermann, Redaktionen geschlossen, Gefängnis für Journalisten, der Ministerpräsident abgesäbelt, Grenzen dicht für Aleppo-Flüchtlinge … Seit dem dreckigen Deal mit der Kanzlerin scheint Erdogan die zweite Luft bekommen zu haben – noch nie war er so mächtig wie heute. Hieße Erdogan Putin, so würden Wirtschaftsembargos, mindestens, gefordert werden – aber Erdogan ist ein Verbündeter und soll mal die EU beglücken. Also die altbewährte Appeasement-Politik.

Und nun auch noch das: Erdogan pfeift auf die geforderte Änderung des Anti-Terror-Gesetzes, eine jener 72 ominösen Forderungen der EU, um die Visa-Erleichterung durchzusetzen. Und was für markige, undeutsche Worte: „Wir gehen unseren Weg, geh Du Deinen Weg“, „Einige Dich, mit wem Du willst.“ Und vor allem: „Steh aufrecht, beuge dich nicht.“

Das ist ein Mann! Das sind Lektionen! Das ist Charakter! Das ist es, was Höcke mit „Männlichkeit“ meinte, die uns mangelte. Das ist der Thymos, der Stolz, den Jongen forderte, das ist die vermißte „Wehrhaftigkeit“.

Die Türken nicht vor Wien, sondern vor Berlin und Brüssel – und diesmal werden sie sich nicht vertreiben lassen. Man kann diesen Mann nur ablehnen, aber seinen Stolz muß man bewundern.

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2 Gedanken zu “Je suis Erdogan!

  1. Leonore schreibt:

    Dieser Blog-Eintrag läßt einen trotz des ernsten Themas nicht nur die Stirne runzeln, sondern auch schmunzeln – denn er ist genauso verdreht und verrückt wie die Zeiten, in denen wir leben. Indem Sie aber diesen Zeiten bzw. deren Protagonisten den Spiegel vorhalten, erfüllen Sie die Funktion des Hofnarren im ursprünglichen und besten Sinne.

    Schon die verdrehte Überschrift…. Aus dem Bekenntnis, sich mit Verfolgten zu identifizieren, um sie durch öffentliche Aufmerksamkeit zu schützen, wird ein Fan-Button, der den als männlich-mutig hingestellten Verfolger zu bewundern vorgibt.

    Sie sind mir vielleicht ein Schluri!!

    Aber – um den Titel eines gleichermaßen ebenso witzigen wie ernsthaften Buches zur Namensgebung für den Nachwuchs zu zitieren: „Ernst beiseite!“

    Nein – jetzt im Ernst, denn an einer Stelle ist Ihr Spiegel ein Zerrspiegel:

    Die Wehrhaftigkeit, die Männlichkeit, der Zorn und der Stolz, deren weitgehendes Fehlen hierzulande Höcke und Jongen beklagten, könnten sich niemals gegen Abhängige oder gar Ausgelieferte wenden, ohne sich selbst zu desavouieren. Das liegt doch in der Natur der Sache.

    Erdogans Sich-Aufspielen ist nichts, worauf er stolz sein könnte, denn er unterdrückt eben genau die genannten Gruppen. Ich wünschte, er wäre dafür zu stolz. Ich wünschte, er hätte so viel männliches Selbstbewußtsein, daß er das nicht nötig hätte.

    Noch nicht mal sein Auftrumpfen gegenüber Merkel und der EU finde ich mutig. Erstens liegt ihm gar nichts mehr am EU-Beitritt, er träumt sowieso viel lieber vom Neo-Osmanischen Reich – hat also nichts zu verlieren. Zweitens und vor allem hat sich Merkel mit ihrer HEUCHLERischen* Politik – hierzulande dürfen nicht mal die Grenzschutzgesetze zitiert werden; an der Grenze zwischen Türkei und Syrien darf auf (wirklich in Lebensgefahr befindliche!) Flüchtlinge geschossen, dürfen Selbstschußanlagen aufgebaut werden – von Erdogan so abhängig gemacht, daß er eh‘ keine energische Reaktion zu befürchten hat.

    * https://www.youtube.com/watch?v=l6AAgdBgf_A

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    • Sie haben natürlich recht – ein Zerrspiegel, der manche Fratze zur Unkenntlichkeit verzerrt. Da kann man über die Details streiten.

      Mir scheint Erdogan ein gewiefter Pokerspieler zu sein, der Nerven aus Stahl hat. Er hat eine gute Hand aber viel mehr weiß er, daß seine Gegenspieler einfach keinen Mumm haben und irgendwann einknicken. Jetzt hat er „all in“ gesagt.

      Sollten Sie recht haben, daß er den Pot gar nicht will und es ihm daher nicht schwer fällt, alles auf eine Karte zu setzen? Hat er nichts zu verlieren?

      Das änderte das Spiel vollkommen! Denn wenn ich das vom Gegner erahne, dann könnte ich auch aufs Ganze gehen und tatsächlich die Karten entscheiden lassen. Und ein paar Trümpfe haben wir ja auch noch, oder?

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