Daraa-Dresden und zurück

Die Welt ist ein Dorf und Deutschland ist die Welt – mit besonderem Kontakt zu Syrien.

Als ich Dresden für einen Ausflug vorschlage, ist Khaled sofort dabei. Er hatte sowieso dort zu tun, er müsse seine Klamotten aus Syrien abholen. Wie? Was? Die Geschichte ist so:

Er hat einen guten Freund in Istanbul, ein Syrer, der dort ein Lampengeschäft betreibt und offenbar recht erfolg- und reich. Von ihm erfährt Khaled in Sachsen – alles über Mobiltelephon natürlich –, daß eine Familie aus Daraa nach Deutschland fliehen will. Könnte die nicht gleich seine Klamotten mitbringen, die noch irgendwo im Süden Syriens lagern? Ein Anruf  aus Istanbul genügt, die Sache ist gebongt.

Wochen später kommt die Familie, nebst Khaleds Kleidungsstücken, in München an. Kontakte in die sächsische Provinz gibt es keine, aber man kennt jemanden in Dresden. Beim nächsten Besuch nimmt dieser Dresdner Syrer Khaleds Kleidung aus Daraa mit zu sich nach Hause. Khaled kennt ihn nicht, das spielt keine Rolle, Syrer zu sein, verbindet genügend. Noch einmal organisiert die Istanbuler Zentrale alles. Der letzte Schritt ist einfach: Khaled muß nach Dresden, verabredet sich dort mit dem Mann, man trifft sich am Bahnhof und voilà, mein syrischer Freund steht plötzlich mit Rucksack da. Alles zum Nulltarif.

Abends schlendern wir noch die Prager Straße entlang. Zum ersten Mal esse ich Shawarma. Khaled bestellt auf Arabisch. Wir bummeln weiter. Ein junges sehr hübsches Mädchen im blauen Kopftuch kommt uns entgegen. Khaled strahlt plötzlich über beide Wangen, wird ein bißchen rot und schreitet freudig auf sie zu. Sie plauschen ein paar Minuten, verabschieden sich artig.

Woher kennst du die? Aus Daraa!

Heimatliebe

Wie das Leben so spielt: unerwartet und unerwünscht sitzt man früh morgens im Warteraum eines Krankenhauses und harrt viele Stunden. Aber nichts ist so schlecht, daß es nicht für etwas gut wäre, weiß der schlaue Volksmund. Ich werde gezwungen, einen Teil einer Realität kennen zu lernen, der mir bislang vollständig verborgen geblieben ist: das ARD-Morgenfernsehen. Statt ausgelegten Zeitungen und Zeitschriften, wie in den guten alten Zeiten, werden wir alle – Notfallpatienten – gnadenlos bestrahlt. Neben mir sitzt ein braunhäutiger Mensch, der später als Herr Hassan aufgerufen wird, und starrt versunken in diese fremde Welt auf dem alles überragenden Flachbildschirm. Was er sich dabei gedacht haben mag, wäre eine Frage wert gewesen.

Zwei Schönlinge beiderlei Geschlechts sitzen auf einer Couch und schwelgen in ihrer scheinbar einzigen Exzellenz, dem Small Talk. Da kann unsereiner noch was lernen. Kleine nichtssagende Filmchen werden eingespielt und mit leeren, quälend leeren Worten von den beiden Clowns kommentiert. Wenig später gesteht der „Moderator“ ein, nicht zu wissen, daß ein amerikanischer Präsident nur zwei Wahlperioden zur Verfügung hat. Diese politische Halb- oder gar Unbildung hindert ihn nicht daran, einen AfD-Politiker – es ist der Tag nach dem Parteitag – zu „grillen“, will sagen, ihn mit einem Dutzend Klischees zu konfrontieren, die den AfD-Mann zehn Mal dazu zwingen, seinen Satz mit „Das haben wir nicht gesagt“ oder so ähnlich zu beginnen.

Endlich ist auch diese Tortur überstanden, es folgen zwei deutsche Seifenopern mit den bezeichnenden Titeln „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ – Folge eintausendsiebenhundertnochwas und Folge 2284 respektive. Wenn das kein Witz ist, dann laufen diese Sachen also seit einem geschätzten Jahrzehnt! In ihnen wird ein hochinteressantes Gesellschaftsbild entworfen.

Neben dem Liebes-Hin-und-Her, dem Beziehungslabyrinth, das fast nur Extreme kennt – unsterblich verliebt und gefährlicher Haß, Freund- oder Feindschaft – überrascht ein erzkonservatives Weltbild, das kein AfD-Fritze sich besser hätte ausdenken können. Ausschließlich weißhäutige, oft blonde urdeutsche Übermenschen – hier streikt der innere Nietzsche; also besser: „letzte Menschen“, aber davon Prachtexemplare –, alle eloquent, alle erfolgreich, alle wie aus dem Ei gepellt, bewegen sich in einer urbanen und landschaftlichen Idylle, die direkt dem Märchenbuch entsprungen zu sein scheint. Weite Himmel, Berge, Wälder, Wiesen, mächtige Eichen und Linden, Landwege, darauf Pferdekutschen fahren. Die Städte und Dörfer bestehen aus engen Gäßchen, langen Alleen oder gut geharkten Eingängen, Fachwerkhäusern, wunderschönen kleine Kirchen, Gründerzeiträume mit Stuckdecken. Immer wieder werden aparte Details eingeblendet: dicke Holztüren mit Metallbeschlägen, farbige Fensterläden, schön gestaltete Fassaden. In alten Bauernhäusern sitzen alte Menschen in Lodenjacke und Trachtenkleid und geben jungen, von der Hektik der Moderne überforderten Menschen – eine junge Frau etwa, die nach einem „one-night-stand“ ungewollt schwanger wurde; eine andere, die als Postbotin nicht lesen kann – weise und nachsichtige Ratschläge in Dialekt.

Das Ganze trieft vor unerträglich übertriebener, aber durchaus ernst gemeinter Heimatliebe, Heimatidylle, schreit eine Sehnsucht nach Identität, nach familiärer und ethnischer Geborgenheit, nach Fortführung der Tradition, Bewahrung des Eigenen aus, daß einem schwindelig werden kann. Nur ein einziges Mal scheint das „wirkliche Leben“ hinein, als man erfährt, daß die junge Schwangere zuvor in einer lesbischen Beziehung lebte. Nun aber ist sie wieder ausgerichtet, hat den Mann ihrer Träume, einen richtigen Mann gefunden … der leider nicht Vater des Kindes ist.

Schaut das jemand? Vereinsamte Omas? Arbeitsloses Prekariat mit tätowiertem Körper und rosa Plüschhäschen auf dem Schoß und Bierflasche früh um Acht? Spricht sich darin nicht tatsächlich eine tiefe Sehnsucht zumindest eines Teils der Deutschen aus?

Die folgenden Nachrichten erden einen dann wieder: „Scharfe Kritik aller Parteien am Grundsatzprogramm der AfD“, „Wirre Rechtsaußen-Partei“ … Blablabla

… das Land, wo die Zitronen blühn

„Palermo ist keine italienische Stadt mehr. Sie ist nicht mehr europäisch. Man kann in ihr gehen und sich fühlen wie in Istanbul oder Beirut.“

„Palermo ist eine Stadt des Nahen Ostens auf europäischem Boden. Es ist eine bunte Stadt wie ein Mosaik und wir sind froh darüber.“

„Früher, als die Mafia noch stärker war, verhinderte sie, daß die Immigranten in die Stadt kamen. Als ich 30 Jahre alt war, habe ich keinen einzigen Afrikaner oder Asiaten in Palermo gesehen. Jetzt jedoch sind wir eine Migrantenstadt.“

Leoluca Orlando – Bürgermeister Palermos, Christdemokrat

Die Brennesselprobe

Brennessel ist ein „Superfood“ – ich schwöre darauf. Von April bis Oktober gehört sie in großer Menge auf unseren Tisch. Im Garten wird bei uns das Kraut, das die Nachbarn mit großem Ernst und allen technisch-chemischen Mitteln bekämpfen – wie übrigens auch den wunderbaren Löwenzahn, die Knoblauchrauke, das würzige Schaumkraut, den Spitzwegerich – kultiviert und gepflegt. Wenn es um Inhaltsstoffe geht, ist die Brennessel aber kaum zu schlagen: Man kann sich wochenlang nur von ihr ernähren und trotzdem perfekt gesund leben. Und sie schmeckt!

Ich sach immer: In Deutschland muß keener Hunger leiden – zumindest nich im Sommer.

Wie man sie zubereitet? Gar nicht! Am besten roh! Brennt doch? Tja, was will man machen? Alles hat seinen Preis.

Der Trick ist folgender: Nie von oben zugreifen, die Pflanze von unten nehmen und Stiel und Blätter in der Hand zerreiben. Und sollte es doch ein bißchen piecksen – na ja, das geht vorbei. Alternativ kann man die Nesseln in ein Tuch wickeln und quetschen und wer ganz und gar sich nicht traut, der übergießt sie kurz mit heißem Wasser.

Die Brennessel taugt aber auch zur Menschenkunde. Wenn ich mit meinen ausländischen Schülern draußen bin, versuche ich ihnen auch unsere Natur näher zu bringen. Und die Brennessel ist der Star! Es gibt übrigens zwei Arten, die große und die kleine (Urtica dioica und Urtica urens); die große ist gesünder, die kleine brennt dafür deutlich mehr. Für den didaktischen Teil ist sie daher besonders gut geeignet.

Man nehme einen Flüchtling (oder einen sonstigen Schüler), führe ihn an eine Brennessel heran, erläutere die zahlreichen Vorteile dieser Pflanze, verschweige auch die „Gefahren“ nicht, pflücke ein schönes Exemplar und halte sie dem Neuankömmling hin. Es gibt nun zwei typische Verhaltensweisen: A) Zurückschrecken und Kichern B) vorsichtige Annäherung und Neugier. In beiden Fällen vollführe man einen kurzen Schwenk mit der Nessel über die Hand oder den Arm. Erneut lassen sich meist zwei Verhaltensweisen beobachten A) Schmerzäußerungen B) Lachen. Fast immer ergibt sich die Kombination AA oder BB.

Noch interessanter wird es, wenn man bemerkt, daß just die AA-Schüler jene sind, die sich eher durch wenig Lerninteresse und Lernerfolge auszeichnen, wohingegen die BB-Kandidaten die Überflieger sind: junge, dynamische, neugierige Schnellerner. Ich habe davon bisher zwei (von ca. 30) kennenlernen dürfen, die Eritreerin Fiori und den Syrer Hussain. Sie sprechen beide schon richtig gut Deutsch, sind ständig aufmerksam und wach und saugen alles förmlich auf. Fiori etwa nahm die Brennessel gleich mit nach Hause, um Tee zu bereiten – sehr gut bei Nierenbeschwerden, die Wurzel übrigens ein Wundermittel bei Prostatabeschwerden – und Hussain, der aufgrund seiner Schulden sowieso sparen muß, wird sie bald als reguläres Gemüse nutzen.

Diese beiden gehen ihren Weg – so Gott will.

Schwarzer sieht schwarz

Auweia, Alice Schwarzer, die Ikone der Emanzipation, hat ein Islamproblem. Und sogar mit viel Tamtam ein Buch darüber veröffentlicht. Das sieht man gar nicht gern im Feuilleton. Apostasie wird auch im Milieu der Gerechten nicht goutiert. Da muß die große Keule raus: für DITIB schreibt sie „belletristischen Genre Horror-Fiction„, die dauerbedeckte Hübsch-Ahmadiyya sieht das Wasser auf den Mühlen der AfD, die TAZ den Kulturkampf zwischen Rassismus und Sexismus, andere, durch die Kölner Ereignisse zur taktischen Milde gestimmt, sehen nur „äußerst streitbare Thesen“ usw.

nicht nur in Köln © KiWi

nicht nur in Köln © KiWi

Wer mag Alice Schwarzer eigentlich? Niemand, soweit ich weiß, außer zwei – und die leben mit mir unter einem Dach. Trotzdem: Objektivität!

Der Schock – die Silvesternacht von Köln“ ist wirklich ein Schock, zumindest wenn man nur Schwarzers Beitrag liest. Zuerst schocken die Beschreibungen einiger weniger Szenen und die bildliche Vorstellung, was hunderte Frauen an diesem Abend durchgemacht haben müssen und übrigens nicht nur durch die grapschenden Männer, sondern auch durch die Polizei und die spätere mediale Verarbeitung: eine mehrfache Demütigung. Aber dann schockt auch gleich die hanebüchene Argumentation der Schwarzer, obwohl sie zu begreifen scheint, daß das Phänomen vielfältig beschreibbar ist und sich archaische mit hypermodernen Erscheinungen mischen. Sie traut sich zu, die Frage zu beantworten, wer die Männer sind, und beginnt auf anderthalb Seiten eine Tour de Force, die von „Arabern“ über „Muslime“, „Arbeits- und Perspektivlose“ zu Kolonialismus, Scharia und Gotteskriegern, „Dschihadismus“ und Islamisten in einem Atemzug nichts ausläßt. Das ist weder seriös noch durchdacht und zumeist schlicht Unsinn, an Differenzierungsverlangen scheint die Femme fanal nicht zu leiden. Ein Blick in Gustave le Bon, Canetti, Freud und Reich, Broch und Mann oder Ortega y Gasset, um nur die Klassiker der Massenpsychologie zu erwähnen, hätte manch übereilte Unterstellung, die außerdem mit keinerlei Material belegt wird, verhindern können. Leider fällt mir zum Thema keine namhafte Autorin ein, was Frau Schwarzer sicher den Zugang erleichtert hätte.

Zum Glück hat Alice Schwarzer auch ein paar ältere Arbeiten ausgegraben und vor allem andere Autoren ins Boot geholt. Liest man die alten Schwarzer-Texte zum Islam, zur Verschleierung, zum Machismo etc., dann kann einem schon schwummrig werden. 25 Jahre wurden mindestens vertändelt – hätte man damals auf die noch luzide Feministin gehört und sie nicht schon damals als „RassistIn“ verschrien, Kölner Frauen hätten vielleicht nicht geschockt werden müssen. Dankbar ist man auch für erhellende Sätze wie: „Die meisten Konvertiten kommen, laut dem Mitbegründer des Zentralrates der Muslime und Konvertit Murad Wilfried Hofmann, aus den Kreisen der Grünen“.

Kamel Daoud verleiht der Debatte einen philosophischen Anstrich: „Man erkennt im Flüchtling nur seinen Status, nicht aber seine Kultur; er ist das Opfer, das eine Projektion oder ein Gefühl von menschlicher Pflicht oder ein Schuldgefühl beim westlichen Menschen hervorruft. Man sieht nur den Überlebenden und vergißt, daß der Flüchtling aus einer Kultur-Falle kommt, die vor allem von seinem Verhältnis zu Gott und zur Frau bestimmt wird.“

Necla Kelek geht den theologischen Fragen nach und erforscht, in aller Eile – die sämtliche Artikel kennzeichnet – die koranischen Wurzeln des Frauenverständnisses, um sozialpsychologisch zu enden: „Es wird nicht reichen, diesen verlorenen Söhnen die Sprache zu lehren oder wie Formulare ausgefüllt werden. Sie müssen die eigene Freiheit lernen, um die der anderen zu respektieren.“

Besorgniserregendes bringt Rita Breuer zu Tage, die sich mit der Rolle der Islamverbände beschäftigt. Dort werde laviert und getäuscht und abgewiegelt und, wenn alles nichts hilft, die Rassismus-Karte gezogen und vor allem ein Ziel verfolgt: „die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland zu erlangen, die Geschwister im Glauben mit Dogmatismus zu gängeln und von der Politik wahrgenommen zu werden, um immer mehr Interessen und Normen der Muslime in Deutschland durchzusetzen.“

Bassam Tibi sieht in Köln den Versuch des muslimischen Mannes den europäischen Mann zu demütigen, indem, wie in islamischen Ländern verbreitet, die Frauen der anderen (Männer) geschändet werden. Der Text ist als Vorabdruck hier zu lesen.

Und damit das Ganze nicht in falsche Hände gerät, darf auch ein Quoten-Linker (Florian Klenk) das Wort zum Schluß ergreifen, der die üblichen Floskeln und Beschwichtigungen vorträgt.

Fazit des Buches: Kann man, muß man nicht lesen, erst recht nicht, wenn man diesen Satz gelesen hat.

Linkes Raunen

Wir wollen schon hier anmerken, daß konservativ ist, in Gesetzmäßigkeiten zu denken, die sich immer wieder herstellen, während fortschrittlich zu sein scheint, sich mit Erwartungen zu beschäftigen, die sich niemals erfüllen. (Moeller van den Bruck)

„Raunen“ ist so ein Wort, das der linke Diskurs besonders gern nutzt, wenn es um „konservatives Denken“, um nicht-linkes Denken geht und insbesondere dann, wenn der zu diskreditierende Denker gewisse geistige Anforderungen stellt, die bereits sprachlich einen „Elitismus“, eine Trennung von Spreu und Weizen anstreben. Hegel war schon so einer, aber Heidegger ist der Paradefall, ein „dunkler Rauner“ durch und durch, den man von Adorno und Popper her schon deswegen ablehnt und alle revolutionäre und analytische Philosophie (Habermas, Hösle u.a.) nehmen das „Raunen“ gern als Anlaß, Heidegger gar nicht erst (unvoreingenommen) zu lesen.

Evola ist auch so ein Rauner oder Stefan George oder Moeller van den Bruck … und im jetzigen Kulturkampf werden auch Sloterdijk oder Botho Strauß gern als solche oder gar als „Schwurbler“ ermittelt.

In einem ansonsten kaum lesenswerten Artikel über das Kulturverständnis und die ärgerliche Kulturliebe der „Rechten“ (AfD und Hintermänner), zeigt uns Thomas Assheuer – Habermas-Schüler und Missionar –, daß er die Kunst des Raunens auch sehr gut beherrscht, wenn es „der Sache nützt“. Man muß den Aufsatz nicht lesen, um meiner Argumentation folgen zu können, es genügen die letzten Zeilen:

„Nach Wahlverwandtschaften mit konservativen Intellektuellen aus der Weimarer Republik muß man hier nicht lange suchen. Auch damals wurde zwischen Kunst und Kultur nicht groß unterschieden, auch damals sollte die tragische deutsche Kunst in Konkurrenz zur Verfassung treten; sie sollte Gewißheit erzeugen und Gottvertrauen in die nationale Stärke. Darüber hinaus sollte sie die Religion überflüssig machen, die ungeliebte Erfinderin von Gleichheit und Menschenrechten: Deutsche Kunst ,erfüllt jeden wahrhaft modernen Menschen mit derselben Sicherheit ums Weltall, die sonst nur das Vertrauen auf Gott geben konnte‘. Der Autor dieser Zeilen war der konservative Revolutionär Arthur Moeller van den Bruck. Das Buch, das ihn 1923 schlagartig berühmt machte, hieß: Das Dritte Reich.“

Wie man sieht, wird nicht nur Unsinn erzählt – z.B. Gottvertrauen ja, Religion nein –, es wird auch geraunt und angedeutet und insinuiert. Das abschließende Zitat, der letzte Satz, von einem Lieblingsrauner, effektvoll ins Offene gestellt, was soll er anderes bedeuten, als daß die „konservative Revolution“ und damit die „Neue Rechte“ und damit die AfD … einen direkten historischen Draht zum „Dritten Reich“, zum Nationalsozialismus hat?

Dabei weiß Assheuer als gebildeter Mensch sehr wohl, daß die Idee des „Dritten Reiches“ oder des „Tausendjährigen Reiches“ in den alttestamentarischen Prophetenschriften wurzelt, daß sie durch die christliche Trinitätslehre (Offenbarung, Paulus) noch einmal beschleunigt wurde und letztlich durch den mittelalterlichen Theologen Joachim di Fiore endgültig scharf gemacht und von Franziskus von Assisi gelebt wurde, daß die Idee des kommenden Endreiches seither vor allem der Linken ihre kinetische Energie verlieh. Er hat das von Ernst Bloch etwa gelernt, dessen Utopie nichts anderes ist und der sich sehr ausführlich mit Joachims Meisterschüler Thomas Müntzer beschäftigt hatte. Er konnte das bei Lessing ebenso wie bei Hegel verfolgen und all sein Marxstudium wäre umsonst gewesen, wenn Assheuer just entgangen sein sollte, daß Marx und seine Vorläufer – von Robespierre und Bakunin bis Owen – vom „Dritten Reich“ durchglüht waren und selbst die späten postmarxistischen Apokalyptiker, wie Rudolf Bahro, waren Fioristen bis in die Haarspitzen. Auch Habermas, Assheuers Lehrer, gehört mit seinem Wunschbild des „herrschaftsfreien Diskurses“ dazu …

Die Nationalsozialisten – das darf man nicht vergessen – verstanden sich als Sozialisten; sie haben der linken Denktradition viel mehr entnommen, als heutigen „Antifaschisten“ lieb sein kann.

Assheuer will uns anderes einreden. Er rekurriert auf den Topos des „Reiches“ im NS und verbindet den konservativen Klassiker van den Bruck – der schon 1925 starb und das Bild, als Übersetzer Dostojewskis, im Übrigen von dem großen Russen übernahm –, von dessen Lehre Hitler sich ausdrücklich distanzierte, unausgesprochen, im raunenden, andeutenden Gestus, mit den Verbrechen des NS. Er hätte auch Friedrich Hielschers „Das Reich“ nennen können oder Stefan Georges „Neues Reich“ … und damit nur bewiesen, wie virulent der Begriff in der Weimarer Republik war.

Aber Information war von Anfang an nicht sein Ansinnen.

Kriminalität und Migration

Seit Erfindung des Autos ist die Zahl der Autounfälle rasant gestiegen.

Seit Einführung der Pille werden Frauen seltener schwanger.

Seit flächendeckender Verbreitung von Coca Cola, McDonalds und Co. steigt der Anteil der Übergewichtigen in der Bevölkerung.

Irgend jemand überrascht? Dann noch einer:

Seit Öffnung der Grenzen ist die „Zahl rechter Straftaten so hoch wie noch nie“. Die der linken übrigens auch.

Innenminister Thomas de Maizière schockt die Nation mit einer neuen Kriminalstatistik. Das Ding ist 135 Seiten lang und steckt voller Informationen, aber alle Gazetten sind sich einig, daß es eine Kernaussage enthält: diese eben.

Autounfälle sind tragisch und zu bedauern; „ausländerrechtliche Straftaten“ sind abscheulich und zu verurteilen, mehr noch „Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße“. Aber sie sind so folgerichtig und konsequent wie der Regen aus der schwarzen Wolke. Wann sonst sollte es denn Straftaten gegen Ausländer oder umgekehrt gegen Deutsche geben? Im Jahre 1960 dürfte die Zahl gegen Null tendiert haben, im Jahre 2016 erreicht sie einen neuen unrühmlichen Höhepunkt. Man muß kein Prophet sein, um …

Viel interessanter, weil nicht banal, sind die 6%  Zunahme an „Diebstahl insgesamt in/aus Kiosken, Warenhäusern, Verkaufsräumen, Selbstbedienungsläden, Schaufenstern, Schaukästen und Vitrinen“ oder die fast 7% „Einfacher Ladendiebstahl“ oder die 10% mehr Wohnungseinbrüche just im letzten Jahr! Folgerichtig auch, allerdings unerwähnt, sind der wachsende Anteil von 28,7% (2014) zu 38,5% (2015) an „nichtdeutschen Tatverdächtigen“, darunter 8,4% Zuwanderer vorletzten Jahres, aber 26% letzten Jahres …

ohne ausländerrechtliche Verstöße ((z.B. unerlaubte Einreise und unerlaubter Aufenthalt) © BMI

ohne ausländerrechtliche Verstöße (z.B. unerlaubte Einreise und unerlaubter Aufenthalt) © BMI

Dabei wäre es zu leicht, auf den eingefahrenen Zug zu springen, der all das „den Ausländern“ anhängt. Zumindest direkt wäre das fatal, auch wenn die Einbrecherbanden direkt mit Georgien, Rumänien und Ost- und Südosteuropa in Verbindung stehen. Aber indirekt, im Großen und Ganzen, hat es eben „doch damit zu tun“.

Die Multikultiapologeten erfreuen sich am Karneval der Kulturen: die halbnackten in Pfauenfedern gekleideten Brasilianerinnen sind schön anzusehen, dahinter die Bongo-Truppe und dann die hüpfenden Massai, gefolgt von schwitzenden Eskimos … dazu einen Döner, eine Bananensuppe, ein Bobotie oder ein Thai-Bier … so stellen sie sich die bunte schöne neue Welt vor.

Die Realität wird eine andere sein:

  • daß sich der soziale Zusammenhalt lockert, wenn ethnische Diversität zunimmt, wie eine dänische Studie belegt.
  • daß dieser Prozeß sich in vielen Ländern bereits zeigt, wie eine amerikanische Studie belegt.
  • daß der Nachbarschaftszusammenhalt mit Multiethnizität zerbricht, wie eine englische Studie nachweist.
  • daß Altruismus und Vertrauen auch innerhalb der ethnischen Gruppen abnimmt, wenn die ethnische Diversität zunimmt, wie Robert Putnam deutlich macht.
  • daß die Abgrenzung entscheidend für ein friedliches Zusammenleben auch im Tagtäglichen ist, wie eine Schweizer Studie nachweist.
  • daß Heterogenität Zwischen-Gruppen-Aktivität hemmt, wie eine Oxford-Studie aufweist.
  • daß Integration und Zusammenhalt sich widersprechen, wie eine amerikanische Studie offenbart.
  • daß das Bedürfnis, sich mit gleichartigen Menschen zu umgeben, tief in unserer Psyche verankert ist, wie das Journal of Personality and Social Psychology schreibt:
  • daß Heterogenität negativ mit Glücksempfinden korreliert, wie man in Manchester herausfand.

Undsoweiterundsoweiterundsoweiter.

Und eigentlich alles ganz logisch und voraussagbar, kann sich jeder denkende Mensch an einer Hand abzählen. Zusammengefaßt kann man das z.B. lesen bei den weltbekannten Wissenschaftlern Frank SalterOn Genetic Interests: Family, Ethnicity, and Humanity in an Age of Mass Migration“, bei Robert Putnam oder bei Irenäus Eibl-Eibesfeldt.

In dieser neuen Realität des zerbröckelnden Gemeinwesens wird die Zahl der Straftaten in alle Richtungen ansteigen – da helfen keine Appelle!