Klima der Angst

Niemand kann es noch bezweifeln – es herrscht ein Klima der Angst in deutschen Städten. So zumindest behauptet es das BKA und bestätigt das nun mit Zahlen und Fakten und die linkslastige Presse (SZ, ND, Focus, Zeit, Huff, FAZ) stürzt sich in einer Parallelaktion darauf wie auf eine Heilsbotschaft. In einem etwas wirren Zahlenspiel werden Angriffe auf Flüchtlinge, „Mandatsträger“ und ehrenamtliche Helfer aufgelistet. Wer unter den Lesern dieser Zeilen zu einer der drei Gruppen gehört, darf also Angst haben. Es geht, Sie haben es bemerkt, um rechte Gewalt.

Jetzt muß das Ritual einsetzen: Ich bin gegen jede Form von Gewalt und verabscheue sie, besonders die rechte, Gesetzesbrecher gehören bestraft usw.; man kann sich hier kurz fassen. Dies soll kein Blog sein, der Selbstverständlichkeiten und Platituden verbreitet.

Hört man sich um, dann wird zumindest die Überschrift bestätigt. Viele Menschen haben Angst! Frauen wagen sich abends nicht mehr aus dem Haus, nehmen lieber ein Taxi, fühlen sich an bestimmten Orten unsicher, taxiert, mit Worten und Pfiffen verfolgt, Verkäuferinnen fürchten den Spätdienst … Schüler erschrecken in der Straßenbahn, wenn mehrere Asylbewerber zusteigen. Öffentliche Plätze werden von Jungmännergruppen okkupiert und bekommen eine neue Funktion. Menschen, die sich zu einer bestimmten Partei bekennen, öffentlich auftreten, Veranstaltungen organisieren, werden verbal oder tätlich angegriffen, Autos werden demoliert, Häuserfassaden beschmutzt, Fenster „entglast“ … Kurz: Im öffentlichen Bewußtsein – zumindest ist das in der sächsischen Provinz so – fühlen sich die Menschen seit einem Jahr zusehends unsicher und vergleichsweise selten wird diese Angst durch Rechte verursacht.

Immer wieder habe ich die von mir betreuten Asylsuchenden – Syrer und Eritreer – auf mögliche Gefahren aufmerksam gemacht, bestimmte Kleidungsvarianten, Physiognomien, Frisuren mit Skepsis zu betrachten und Distanz zu suchen. Bisher hat noch kein einziger etwas Bedrohliches berichtet – das Schlimmste war die nölende Verkäuferin, aber darunter leiden hier, unter dem „zänkischen Bergvolk“, alle.

Als ehrenamtlicher Helfer habe ich mich allerdings tatsächlich erst letzte Woche bedroht gefühlt. Vor dem Theater, wo ich mich mit den beiden Syrern zur Vorführung verabredet hatte, war eine 15-köpfige Gang junger, wohl „unbegleiteter“ Männer versammelt, die den ganzen großen Platz scheinbar vollkommen selbstverständlich mit arabischem Rap beschallten und in unablässiger aggressiver Bewegung waren, hin und her rannten, riefen und gestikulierten. Schnell wurde man fixiert – es ist unangenehm, wenn sich einem plötzlich 15 Augenpaare zuwenden (vielleicht sogar auch aus Angst). Mein syrischer Begleiter sagte nur: „Marokko, schlimm“ und zog mich zur Seite.

Sprechen wir also von einem „Klima der Angst“ – und wir müssen darüber sprechen und zwar aus allen Perspektiven – dann sollte man auf dem linken Auge nicht blind sein. Den 347 Angriffen auf Asylbewerberunterkünfte, den 73 rechten Gewaltdelikten, 23 Körperverletzungen und 7 Brandstiftungen in den ersten drei Monaten des Jahres stehen ungezählte andere Delikte entgegen. Die Internetplattform „Einzelfall-Map“ versucht diese Vergehen, und zwar die offiziell bestätigten – die Dunkelziffer ist vermutlich bedeutend größer – zu erfassen. Man tut es anonym, weil: „Klima der Angst“. Man tut es auch von den Medien fast unbemerkt und überläßt es einmal mehr der „Jungen Freiheit“, das Thema aufzugreifen. Es gibt auch ein gegenteiliges Portal, die sogenannte Hoaxmap, die gefälschte Ausländerdelikte entlarvt.

Einzelfall-Map Plauen April

„Einzelfall-Map“ Plauen April

Schaue ich mir die Stadt Plauen an – jeder kann seinen Ort heranziehen und mit den Medienmeldungen abgleichen –, so werden für den April fünf Taten aufgeführt, die sich tatsächlich im Polizeibericht befinden. Nicht erwähnt sind dabei zwei Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen, die im letzten Jahr durch die Presse gingen (und die ich im Wust der Vorfälle nur noch ungenügend recherchieren kann – also unter Vorbehalt) oder die Messerstecherei zweier Somalier, die einem jungen Mann fast das Leben kostete, der Überfall auf eine Disco in der Innenstadt … Spricht man mit Polizisten, Sanitätern, Feuerwehrleuten, Medizinern wird deutlich, daß diese fünf Vorfälle nur die Spitze des Eisberges sind. Vor allem in den Gemeinschaftsunterkünften gibt es tagtäglich Ärger. Das sind fünf von deutschlandweit, Stand 28.4.2016,  591 sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen, 304 Übergriffen auf Kinder, 1009 Diebstählen und Räubereien, 339 Bedrohungen, 749 Körperverletzungen, 81 Morden, Totschlägen und Tötungsversuchen, 76 Übergriffen in Schwimmbädern.

Hoffentlich hat das BKA auch das auf dem Schirm. Die „Junge Freiheit“ ist sicher bereit, die entsprechende Meldung genüßlich zu verbreiten.

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Ein Gedanke zu “Klima der Angst

  1. Tourix schreibt:

    Wenn man ein härteres Vorgehen, bzw. die sofortige Abschiebung ausländischer Gewalttäter fordert, wird man leider sofort als Nazi verunglimpft.
    Leider führt diese Einstellung dazu, dass die normalen Menschen heimlich in der Wahlkabine die Nazis wählen.
    In Österreich wird nach mehreren schlimmen Vorkommnissen dasselbe in der breiten Bevölkerung gefordert und die FPÖ (gemäßigte Faschisten) gewinnt immer mehr Wählerstimmen.

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