Blick in die Zukunft III

Mohammed hat das Visum für die Türkei nicht bekommen! Ablehnung der türkischen Behörden, ohne Begründung! Es wird viel von Abschiebung und Rücknahme gesprochen, den freiwilligen Rückkehrern legt man Steine in den Weg.

Dann ging alles ganz schnell. Noch am selben Tag buchte er ein Flugticket nach Griechenland und am Abend darauf saß er schon im Zug nach München und während ich das hier schreibe (23.4., 10 Uhr), dürfte er gerade im Flugzeug sitzen. Von Athen aus wird er sich an die griechisch-türkische Grenze durchschlagen, sich dort als Illegaler von der Polizei festnehmen lassen, die ihn dann, so ist der Plan, den türkischen Behörden übergeben wird. So machten es viele, wird mir versichert, Tausende stünden an der Grenze und wollen nichts sehnlicher, als Europa den Rücken kehren.

Weder Hussain noch Mohammeds Bruder Salim weinen ihm eine Träne nach. Die letzten Tage und Wochen waren auch für sie eine Qual. Wie der Tiger im Käfig lief Mohammed Tag und Nacht in der Wohnung herum. Die innere Spannung, das Warten auf ein Visum, die Schmerzen in den Ohren waren zu viel für ihn. Ständig mußte er reden, immer und immer wieder die gleichen Worte. Als ich ihn vor fünf Tagen zum letzten Mal sah, waren seine Augen verweint, seine Wangen unrasiert und eingefallen. Nur sein Glaube schien ihm noch ein wenig Halt zu geben.

Was mit ihm werden wird, ist kaum vorauszusehen. Sein Ziel heißt Konya. Dort lebt noch immer seine Frau mit den drei Töchtern. Die sprechen mittlerweile türkisch. Wird er es dahin schaffen? Wird er im Gefängnis landen? – was sein Ende bedeuten könnte. Kann er die Probleme mit seiner Frau lösen?

Er kommt als Verlierer. Hoffnungsvoll hat er den Weg angetreten, ist dem Ruf der deutschen Regierung voller Vertrauen gefolgt, obwohl jeder Vernünftige ihm hätte sagen können, daß er mit seinen bescheidenen Voraussetzungen hier kaum eine Chance haben würde. Schulden hat er aufgenommen, Familienvermögen verloren.

Als psychisches Wrack kehrt er gedemütigt zurück.

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Ein Gedanke zu “Blick in die Zukunft III

  1. Leonore schreibt:

    Ja, das ist bitter.

    Er sollte dennoch dankbar sein: Er lebt noch.

    Andere haben sich auf die gefährliche Reise begeben und dabei nicht nur das zusammengekratzte und -geliehene Geld und das Selbstbewußtsein verloren, sondern auch gleich noch das Leben dazu.

    Achille Demagbo, Sprecher der Kieler AfD und aus Benin stammend, hat das Schicksal von 250 jungen Männern aus Mali, die im Mittelmeer ertrunken sind, keine Ruhe gelassen. Er hat nachgeforscht und festgestellt, daß diese jungen Leute weder persönlich verfolgt waren noch sich aus bitterer Armut oder gar Hunger auf den Weg nach Europa begebeben haben:

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