Die Brakteaten- Presse

Es lohnt sich, eine gefundene Münze umzudrehen, beide Seiten einer Medaille anzuschauen.

In den Fundstücken VIII hatte ich einen FAZ-Artikel verlinkt, der über Schnellroda berichtet, wo Götz Kubitschek und Ellen Kositza leben und arbeiten. Beide haben in den letzten Monaten als „Vordenker der Neuen Rechten“ Karriere gemacht. Immer wieder wird versucht, sie in die Primitivnaziecke zu schieben, dabei genügte es, ein einziges Buch aus dem Antaios-Verlag zu lesen, um zu begreifen, daß hier ernsthaft gedacht und seriös gearbeitet wird. Man muß die Meinungen nicht teilen, aber man sollte sie dann diskutieren und nicht diffamieren.

Dies, Diffamierung, schien der FAZ-Artikel leisten zu wollen, weshalb ich ihn als selbstentlarvend empfahl.

Nun hat Kubitschek auf „Sezession“ reagiert und seine Version der Ereignisse abgegeben. Mehr Kontrast geht nicht. Deshalb meine Empfehlung: beide Artikel vergleichend lesen, eigenes Urteil bilden, weiterfragen:

FAZ: Die rechten Fäden in der Hand

Sezession: Die FAZ über Kositza und Kubitschek

4 Gedanken zu “Die Brakteaten- Presse

  1. Leonore schreibt:

    @Kurt Droffe

    „Abgesehen davon ist mir eine Gerede unheimlich, das Deutschsein an die Sterbensbereitschaft knüpft. Das wird bei solchen Leuten leider immer sehr schnell zu einer Forderung an andere, doch bitte für ihre Sache mit zu sterben.“

    Hm. Mich erinnert das an ein kleines schmales, aber sehr kluges Büchlein von Manfred Kleine-Hartlage, und zwar an „NWO – Zukunftsplan oder Verschwörungstheorie?“

    Darin fragt Kleine-Hartlage, von welcher Seite einem angenommenen Weltherrschaftssystem Ungemach in Form eines Aufstandes, einer Revolution drohen könnte. Die Antwort, die er dann noch weiter und in der gewohnten sprachlichen und gedanklichen Klarheit ausführt, lautet: Ausschließlich von dort, wo man für jemanden oder etwas zu sterben bereit sei. Zu sterben bereit sei man aber ausschließlich für seine Kinder/Familie, für seinen Glauben und für sein Vaterland (oder für den jeweiligen ideologisch begründeten Ersatz) .Die Angriffe der Protagonisten der NWO richteten sich entsprechend gegen die Vaterländer („no border no nation“ / Multikulti), gegen die Familie („Gender“) und gegen die Religionen.

    Vielleicht waren es solche Gedanken, die da in Kubitscheks Kopf herumgegeistert sind.

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  2. Kurt Droffe schreibt:

    Danke für diesen interessanten Hinweis, da liest es sich doch gleich ganz anders. Es ist z. B. in der Tat schon perfide, die Edda zu erwähnen, alle anderen Epen daneben aber nicht. Aber jemand wie Bingener ist bei der FAZ halt für die rot-grüne evangelische Kirche und ihre Befindlichkeiten zuständig, da ist alles rechts von der Mitte natürlich, naja, Anathema.
    Wobei ich dennoch mit dieser neuen Rechten und ihrer Orientierung auf das „Volk“ und ihrer Vorliebe für die Konservative Revolution nicht viel anfangen kann. Der Zug ist nun mal seit 1933 endgültig in eine andere Richtung gefahren, da kann man nicht einfach an Konzepte von vor fast Hundert Jahren anknüpfen oder bedauern, daß es anders gekommen ist. Das ist in etwa so, als ob ich bedauern würde, daß es 1870 die Einigungskriege gegeben hat, und nun ein Davor zu etablieren suche.. Es ist einfach zu viel Wasser die andere Seite des Berges runtergelaufen.
    Abgesehen davon ist mir eine Gerede unheimlich, das Deutschsein an die Sterbensbereitschaft knüpft. Das wird bei solchen Leuten leider immer sehr schnell zu einer Forderung an andere, doch bitte für ihre Sache mit zu sterben. Kurz, da scheint mir (bin kein Experte) zu viel Illiberalität drin zu stecken; und ganz schnell muß man sich irgendwelchen Forderungen beugen, die im Namen irgend eines Ideals aufgestellt werden – dann halt von der anderen Seite.
    Gesunder Menschenverstand, etwas wirtschaftlicher Sachverstand und ein normales kulturelles Selbstbewußtsein reichen, um die Probleme der gegenwärtigen Politik und der zukünftigen Gesellschaft zu erkennen.

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    • Die Gefahr der Illiberalität bei „Machtergreifung“ ist nicht auszuschließen – übrigens auch nicht bei den Liberalen.

      Der Satz mit der Sterbebereitschaft klingt in der Tat seltsam und eigentlich gar nicht nach Kubitschek. Würde ich mit Vorsicht genießen, evtl. Ironie oder Provokation oder verdreht. Allerdings ist das ein Kriterium, das andere durchaus ansetzen. Ahmed Deedat z.B. hatte von Muslims diese Loyalität gegenüber ihrem Herkunftsland gefordert.

      Worauf Kubitschek evtl. hinweisen wollte, war das Argument Gunnar Heinsohns, der die Gewaltzunahme in Gesellschaften mit Jungmännerüberschuß gesetzmäßig beschrieb und zu dem Schluß kommt, daß eine Gesellschaft, die nur noch Einzelkinder hervorbringt oder alleinige Söhne, militärisch dazu gezwungen ist, auf Technik zu setzen, denn sobald die ersten body bags zu sehen sind, werden sich die Mütter medienwirksam vor den Parlamenten versammeln und für das Ende des Konfliktes kämpfen – ein Problem, das Hochgeburtsländer nicht haben.

      Ich denke, daß bei den „Neuen Rechten“ intellektuell einiges zu holen ist und da die Theoriediskussion der letzten 50 Jahre marxistisch und pseudomarxistisch dominiert war, besinnt man sich nun anderer „Klassiker“ und holt eine Diskussion nach, die bislang nur im Hinterstübchen geführt wurde. Hat es etwa eine wirkliche Auseinandersetzung mit Heidegger gegeben? Bisher fast nur Destruktionen und Dekonstruktionen, Zerstören oder Zerlabern. Diese neue Generation hat vielleicht das Zeug dazu, solche Autoren neu zu denken: Heidegger, Schmitt, Gehlen, Plessner, Bollnow, Jung, Jünger eins und zwei, Klages, Solowjew, Berdjajew, Blumenberg, sogar Wilber oder Bateson, von Kant, Hegel, Nietzsche und auch Marx ganz zu schweigen … Das ist eine Vielfalt, eine Bereicherung, der ich hoffnungsvoll entgegenblicke. Daß es dabei Wildwüchse gibt, ist normal – wie viele hervorragende linke Intellektuelle haben Stalin, Mao oder Pol Pot zugejubelt?

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Zum Satz mit der Sterbebereitschaft: Man kennt selbstredend den Äußerungskontext nicht. Ob und wie lange es gutgehen kann, die Landesverteidigung ganz und gar outzusourcen, und dafür dann paradoxerweise mit eigenen Hilfstruppen für die Hegemonialkriege der Verteidigungsgeschäftsbesorger zu bezahlen, kann man sich schon legitimerweise fragen. Durch wen könnte man die bezahlten Dienstleister gegebenenfalls ersetzen, wenn nicht durch eigene Bürger? Dass man diese mit solchen Diensten verschont, könnte übrigens am Ende darauf hinauslaufen, dass man sie in vielen anderen Dingen auch nicht mehr schätzen und berücksichtigen muss. Das Junktim zwischen der Wehrhaftigkeit des Bürgers und seiner Rolle im Staat gibt es vielleicht nicht nur bei den antiken Demokratien.

      Ich weiß auch nicht, was in Kubitscheks Kopf oder Hinterkopf umgeht. Im FAZ-Artikel zeigt sich aber deutlich genug ein unbedingter Anschwärzungs- oder vielmehr Anbräunungswille. Dergleichen Voreingenommenheit ist in allen Dingen misslich, aber leider allzu gängig. Man versucht, Witterung aufzunehmen, ob nicht der andere den falschen Stallgeruch hat, und man findet selbstredend immer etwas, weil diese tieferen neuronalen Funktionen die Schleife über die Großhirnrinde gar nicht benötigen; das Fremde stinkt halt immer. – Er hat eine braune Jacke getragen, er hat Schmitt gelesen, er hat die Edda im Schrank, er hat „Jehova“ gesagt! – Daraufhin kann man frohgemut die Auseinandersetzung mit seinen Argumenten vermeiden. Der Journalist als Bewahrer des juste milieu durch – ich drehe das diagnostische Klischee mal dreist herum – Bedienung antinazistischer Klischees. Ich fürchte, hinter diesem allzu reflexhaft anmutenden Hütehundverhalten steckt weniger Manipulationsabsicht als vielmehr persönliche Angst davor, vom freien eigenen Denken in eine Gegend verschlagen zu werden, in die man vorab gar nicht geraten wollte; es ist also intellektuelle Feigheit. Zu dem Thema gibt es von Kant eine schöne kleine Abhandlung, viel gerühmt, etwas gelesen, kaum befolgt …

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