Gehört der Islam zu Deutschland?

Gerade schwappt die Empörungswelle durch das Land – die AfD hatte Präsident und Kanzlerin widersprochen.

Ich reiche die Frage weiter. „Hussain, was denkst du? Gehört der Islam zu Deutschland?“

Natürlich hat die Frage eine ganz andere Bedeutung für einen neuangekommenen jungen Muslim. Vielleicht kann er sie nicht mal verstehen. Aber seine Antwort kommt recht schnell: Nein!

Viele Menschen im Westen haßten den Islam, meint er. Und es gibt so viele Unterschiede und die meisten Muslime verstünden ihre eigene Religion nicht. All die schrecklichen Dinge wären gegen den Islam. Ein Muslim dürfe nicht töten und schon Al-Ghazzali habe gesagt, daß es nicht Sache der Menschen sei zu entscheiden, wer in den Himmel und wer in die Hölle käme. Das sei Sache des Gottes.

Er blättert in meinem Koran – mein ständiger Begleiter im Außendienst. Sure 2, Vers 257 (Ahmadiyya-Übersetzung): „Es soll kein Zwang sein im Glauben“. Den Vers kenne ich, er fehlt in keiner Apologie des friedlichen Islams. „Aber du mußt weiter lesen“, sage ich. Vers 258: „Allah ist der Freund der Gläubigen: Er führt sie aus den Finsternissen ans Licht. Die aber nicht glauben, deren Freunde sind die Verführer, die sie aus dem Licht in die Finsternisse führen; sie sind die Bewohner des Feuers; darin müssen sie bleiben.“ – Was also mit den Atheisten z.B.? Ab in die Hölle? In Deutschland haben wir Trennung von Kirche und Staat und erst das Christentum hat dies möglich gemacht. Jesus sagte: „Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ Und der Islam wolle beides: Religion, Spiritualität und Kalifat.

Jetzt erst geht Hussain auf, daß ich die Stelle falsch verstanden habe – eine Frage der Übersetzung. „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ bedeute, daß niemand einen anderen zwingen dürfe, und nicht, daß ein Glaube dem anderen überlegen sei. „Aber dem Unglauben, dem Nicht-Glauben, dem Atheismus fühle man sich wohl doch überlegen“, wage ich das letzte Wort zu haben. Meinem jungen syrischen Freund fällt dazu auch nichts weiter ein, als mich mit Bedauern anzublicken.

Mohammed stand die ganze Zeit daneben und hat seine Perlen an der Kette gezählt. Verstanden hat er kein Wort, außer eines. Zum Abschied küßt er mich und fragt: „Islam gutt?“ – „Gut für dich?“; ich muß mich sammeln. Mohammed wartet auf sein Visa für die Türkei. Er sieht fürchterlich schlecht aus, der Tinnitus quält ihn noch immer. An seiner Misbaha, der Gebetskette, klammert er sich wie an ein letztes Seil über dem Abgrund Wahnsinn. „Ja? Hilft dir der Islam? Dann, meinetwegen: Islam gut!“

Gäbe es den Islam nicht, dann hätte Deutschland jetzt eine gescheiterte Existenz mehr zu versorgen.