Geburtsdeutsch und Wahldeutsch

Khaleds Heiratspläne gehen mir nicht aus dem Kopf. Als Geburtsdeutscher beginnt das Hirn sofort Zukunft zu entwerfen. Ich frage ihn, ob er auch standesamtlich heiraten wolle und er bejaht. Kann er das als syrischer Staatsbürger überhaupt?

Nun fange ich zu prophezeien an: Wenn ihr nach deutschem Recht verheiratet seid, dann ist deine Frau dir gleichgestellt. Das bedeutet, daß sie sich auch scheiden lassen kann, daß sie arbeiten gehen kann, daß sie alles tun und lassen kann, was auch du tun und lassen kannst. – Ist in Syrien auch so, bekomme ich als Antwort.

Und wenn ihr Kinder bekommt, dann werden die in eine deutsche Schule gehen, sie werden die deutsche Sprache quasi als Muttersprache sprechen, sie werden mit europäischen Werten aufwachsen, sie werden vielleicht sogar an deinem Glauben zweifeln. Vor allem wird es Konflikte in der Familie geben, denn sie werden Rechte beanspruchen, von denen du jetzt noch nicht mal weißt, daß es sie gibt. Deine Kinder werden dir manchmal fremd sein und du ihnen. Sie werden vermutlich keine Syrer sein und es vielleicht auch schwer haben, sich als Deutsche zu fühlen. Vielleicht wird ihnen Syrien, das dir so viel bedeutet, gar nichts mehr bedeuten, vielleicht werden sie es sogar verachten, vielleicht aber auch umso mehr lieben. Es wird auf jeden nicht einfach werden …

Khaled lacht die ganze Zeit, findet das eher lustig und wischt dann alles mit einer Handbewegung weg: „So Allah will.“