Pressecodierte Willkommenskultur

Punkt 12.1. des Pressecodex‘ gibt folgende Richtlinie aus:

Berichterstattung über Straftaten
In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.
Besonders ist zu beachten, daß die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Es hagelte Kritik, denn viele Menschen möchten gern wissen, ob bestimmte Formen der Kriminalität im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise zugenommen haben könnten. Das ließe sich freilich nur statistisch erfassen – die Nahperspektive birgt Verallgemeinerungsgefahren. Vor kurzem wurde gerade Punkt 12.1. erneut bestätigt.

Dieser Tage weidet sich die Willkommens- und Antifa-Presse an einem pikanten Vorfall: Syrische Flüchtlinge retten NPD-Mann nach schwerem Autounfall. Dieser ist von zwei Asylbewerbern – dieses Wort ist bis auf weiteres genauer – schwerverletzt aus dem Auto gezogen und ersthelfend versorgt worden.

Nun ist Erste Hilfe kein Verbrechen, sondern sehr lobenswert. Ich selbst war schon einmal in der Situation, einem Verunglückten Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung geben zu müssen. Berichtenswert erschien das nicht einmal dem Lokalblatt, geschweige denn den Leitmedien. Und selbst wenn es berichtet worden wäre, dürfte meine religiöse oder ethnische Zugehörigkeit kaum Erwähnung gefunden haben und auch mein Minderheitenstatus nicht.

Hier jedoch liegt die Betonung auf „Syrer“, als ob die beiden bescheidenen Helden – die sich danach aus dem Staub machten – nicht als „Menschen“, „Männer“, „Helfende“, „Zeugen“, sondern eben als „Syrer“ gehandelt hätten. Der subtile rassistische Unterton scheint den süffisanten Rechthabern der Willkommenskultur – „Auch wenn die NPD alle Flüchtlinge am liebsten sofort aus dem Land hätte: In diesem Fall dürfte der Politiker mehr als froh sein, daß die Syrer da waren.“ – nicht bewußt zu sein.

Indem sie die Nationalität ganz uncodiert preisgeben, es offensichtlich „einen begründeten Sachbezug für das Verständnis des berichteten Vorgangs“ gibt, erwecken sie den Eindruck der Überraschung, als ob man ausgerechnet von Syrern eine derart selbstlose Tat nicht hätte erwarten können.

Schöne Willkommenskultur!

Nur in dieser ideologiefreien Lesart jedenfalls wird die Preisgabe der „ethnischen Zugehörigkeit“ sinnvoll.

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