Tafeleien

Nun ist Hussain wieder allein zu Haus. Seine beiden Mitbewohner sind ausgezogen. Salims Frau und die beiden Kinder, die im Frühjahr den Weg über Griechenland nach Deutschland gewagt hatten, durften die Erstaufnahme in Dresden verlassen. Jetzt haben sie eine gemeinsame Wohnung am anderen Ende der Stadt bezogen. Mohammed, Salims Bruder, ging gleich mit. Mohammed will zurück in die Türkei. In einigen Tagen wird er gemeinsam mit Hussain nach Berlin fahren, um weitere Formalitäten auf der Türkischen Botschaft zu klären. Die beiden Brüder sind noch immer hilflos ohne den halb so alten Hussain.

Der scheint es nicht zu bedauern, denn weder konnten sie ihm intellektuell etwas bieten, noch lag ihm der dauernde Jammerton. So begrüßt er mich freundlich wie immer. Er bietet mir zu essen an. Erdbeeren im März. „Gut waschen“, sage ich.

Dann zeigt er mir ein seltsames Kraut und fragt, wie man das essen könne. Es sind Schnittblumen, Narzissen, noch nicht aufgeblüht und tatsächlich ähneln sie Zwiebellauch. Wir lachen. Wir lachen überhaupt sehr viel! Als nächstes kommt Zitronengras. Was kann man denn damit anstellen. Ich selbst habe es noch nie gesehen oder genutzt, nehme aber an, daß es nur als Gewürz dient.

„Wie kommst du denn dazu?“ – „Alles Tafel.“

So lernt Hussain über die Resteverwertung die globale Welt manchmal besser und schneller kennen als ich.

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