AfD – halbfaschistischer Sumpf!

Man gibt sich gern erstaunt in unseren großen Blättern, wenn der Vorwurf der Manipulation oder Lüge kommt – vor allem, wenn es um die AfD geht. Dabei sind die propagandistischen Mechanismen – diesen Begriff wähle ich ganz bewußt und um seine historische Bedeutung wohl wissend! – mittlerweile so eingeschliffen und eingeübt, daß sie tatsächlich kaum noch auffallen, daß man sich mittlerweile daran gewöhnt hat … was sie umso schlimmer macht! Durch permanente Wiederholung bestimmter Adjektive, also Zuschreibungen, soll eine Gewöhnung, eine feste Verknüpfung hergestellt werden, eine Art Pawlowscher Reflex: Hört man AfD, dann soll sofort assoziiert werden … Hier die Ausbeute eines beliebigen Tages (17.3.2016) bei FAZ, Süddeutsche, Spiegel, FR: fremdenfeindlich, Angstschürer, Rechtspopulisten, Rassismus und als neueste Steigerung hin zur Totalstigmatisierung: halbfaschistischer Sumpf.

afd agitprop
1. Daß diese Methode längst greift, zeigt das mangelnde Bedürfnis überhaupt noch argumentativ beweisen zu müssen, ob Skepsis vor dem Fremden, Angst und Sorge, Populismus etc. tatsächlich per se Negativismen sind und wenn ja, weshalb. Diese Begriffe, auch der Rassismus und Faschismus, sind reine, sprich inhaltsleere oder jederzeit auffüllbare, Sprachspielmarken und Diffamierungen geworden.

2. Die Zuschreibung dieser Attribute wird ebenfalls nicht mit der Realität abgeglichen, und falls doch, so verweist man auf Einzelbeispiele, nicht auf Programmatisches.

3. Was man der AfD propagandistisch unterstellt – es mag argumentativ ja tatsächlich nachweisbar sein, nur sollte man die Argumentation inklusive Widerrede dann wagen – wird selbst praktiziert, denn was sonst, wenn nicht entfremdend (spaltend), Angst schürend, populistisch und diskriminierend sind diese skandalisierenden Überschriften und Texte?

4. Bewußt wird die Zirkularität gesucht, um die Beschimpfungen gegen Widerrede zu imprägnieren. Paradogmatisches Beispiel liefert der „Spiegel“, der einen Interviewpartner, nachdem dieser alle Brücken abgebrochen hat („halbfaschistisch“), ausposaunen läßt: „Das ist eine alte Taktik der Rechten: Diskurse so lange zu vergiften, bis es einen vernunftgeleiteten Gedanken darin nicht mehr geben kann.“

5. Böse Erinnerungen steigen auf: „Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben. Man kann die Lüge so lange behaupten, wie es dem Staat gelingt, die Menschen von den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen der Lüge abzuschirmen. Deshalb ist es von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen. Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates.“

Was geschieht eigentlich mit Menschen, die sich permanent derartigen Ausgrenzungen und Unterstellungen ausgesetzt sehen? Wie will man den inneren Frieden bewahren, wenn man bewußt Ausgrenzung und Radikalisierung betreibt?

Wo, bitteschön, ist die gegenteilige, ausgleichende Stimme zum „Halbfaschismus“ im „Spiegel“, die die alternative Sicht repräsentiert – ohne danach massiv angefeindet zu werden (siehe Sloterdijk-Debatte)?

Unser Land erleidet gerade einen fatalen Rechtsruck – er kommt von Links!

Quellen:
FAZ: Das fremdenfeindliche Städtchen
SZ: AfD-Abgeordnete – Angstmacher, Biedermänner, Ex-Kommunisten
Spiegel: Beruf Geheimdienstoffizier, Hobby AfD
FR: Rassismus statt Repolitisierung
Spiegel: Diskurs über die AfD: „Halbfaschistischer Sumpf“

5 Gedanken zu “AfD – halbfaschistischer Sumpf!

  1. Leonore schreibt:

    Wieder mal ein erstaunlicher Artikel in der heutigen Schönen Neuen Medienwelt!

    Durch die in Kursiv angefügten Gedanken wird er zusätzlich auch noch tröstlich – man erlebt es kaum mal, daß jemand dazu anregt, sich mal in die „zu Zersetzenden“ einzufühlen:

    „Was geschieht eigentlich mit Menschen, die sich permanent derartigen Ausgrenzungen und Unterstellungen ausgesetzt sehen? Wie will man den inneren Frieden bewahren, wenn man bewußt Ausgrenzung und Radikalisierung betreibt? “ (Leider kann ich hier den Text nicht kursiv setzen.)

    Zur 1. Frage: Hm. Lieber nicht drüber sprechen. Würde man diese Frage wahrheitsgemäß beantworten, könnte man unfreiwillig dem politischen Gegner Hoffnung machen, daß er es schafft, einen zum Aufgeben zu bringen (falls hier einer mitliest: No way!).

    Kennen Sie die Dokumentation „Zersetzen. Strategie einer Diktatur“? Eine knochentrockene wissenschaftliche Dokumentation über die psychologischen Methoden, die die Stasi anwendete, um Dissidenten in Verzweiflung, Depressionen oder gar Selbstmord zu treiben.

    http://www.amazon.de/Zersetzen-Strategie-Diktatur-Sandra-Pingel-Schliemann/dp/3980492079/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1458486152&sr=1-1&keywords=Zersetzen+Strategie+einer+Diktatur

    So manches Mal habe ich in diesem Zusammenhang schon gegrübelt, was wohl die vielen Informellen Mitarbeiter heute so machen…

    Zur 2. Frage: Vielleicht liegt denjenigen, die das tun, gar nichts an der Bewahrung des inneren Friedens?

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    • Ihr „No way“ sagt doch alles – zwar kann es zur Aufgabe einiger politischer Teilnehmer kommen, aber wahrscheinlicher scheint mir der „Widerstand“, eine Verhärtung der Positionen, eine Vertiefung der Spaltung bis hin zur Radikalisierung … und einige wenige der Rückzieher werden sogar so etwas wie „Illegalität“ und Gewalt wählen – das wäre Teil des Endes der „Offenen Gesellschaft“, auch von ihren Apologeten systematisch herbeigeführt.

      Den Stasi-Gedanken kann ich nicht recht folgen. Was meinen Sie?

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  2. Kurt Droffe schreibt:

    Nur zwei kurze Gedanken zum richtigen Beitrag:
    1. Zum einen fühle ich mich durch die Zeitungen in Form von FAZ und Welt, bei manchen Schwächen, doch halbwegs genügend informiert; ein Pauschalvorwurf „Lügenpresse“ scheint mir deshalb wenig sinnvoll, umso mehr, als es ja oft nicht um falsche Tatsachenbehauptungen, sondern um einfache politisch-ideologische Kommentierung oder Interpretation geht. Von den ÖR rede ich hier nicht.
    2. Ich habe so ein bißchen den Verdacht, daß es neben der tatsächlichen reinen ideologischen Ablehnung auch um Profaneres geht. Man kennt als einzelner Journalist die AfD noch nicht gut, man hat noch keine Kontaktleute und Netzwerke, um an (Insider-) Informationen zu gelangen, das ganze Geben und Nehmen ist noch nicht so eingespielt, und auch die andersartigen Positionen verlangen ein Mehr an gedanklicher Arbeit ab, als es bei den eingepurten Argmentationsmustern und -ketten und den üblichen Labels (Neoliberalismus z. B.) der vertrauten Parteipolitik der Fall ist. Die AfD führt zu einer neuen politischen Unübersichtlichkeit, die auch für Journalisten berufliche Risiken birgt. Da ist Pauschalablehnung eine rationale Reaktion.

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    • Meinen Sie nicht, daß es dann eine Informationspflicht gäbe?

      Und selbst Pauschalablehnung ist ja nicht das Problem, wenn sie seriös und zivilisiert und stilvoll und vor allem argumentativ vorgetragen wird, aber die gezeigten Beispiele deuten doch auf eine besorgniserregende Verlotterung hin, gehen an der journalistischen Pflicht vorbei und spalten und radikalisieren die Leserschaft. So verständlich und lobenswert Ihre Bemühungen sind, auch die Journalisten in einer neuartigen Situation zu verstehen, so inakzeptabel und gefährlich erscheint mir das derzeitige Vorgehen.

      In der Tat fährt die „Welt“ schon seit Monaten eine andere Politik, wenn auch immer wieder schwankend – was man immerhin der „Meinungsvielfalt“ zurechnen kann.

      Der Begriff „Lügenpresse“ wird bei mir nur als Zitat erscheinen – das sehe ich genauso. Ist sachlich falsch und leistet ebenfalls nichts zum Dialog. Daß vereinzelt auch gelogen wird, steht auf einem anderen Blatt.

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      • Kurt Droffe schreibt:

        Nur kurz:
        „Pauschalablehnung“ meinte bei mir eben Ablehnung OHNE Argumentation. Vielleicht nicht ganz präzise.
        Mein Verständnis für die Journalisten war ganz und gar nicht nachsichtig gemeint; im Gegenteil, ich unterstelle ein ganz und gar profanes, egoistisches Interesse an einer Ablehnung der Partei. Neues birgt Gefahr, auch für Journalisten. Insofern ganz d’accord mit Ihnen, es geht hier um berufliche und intellektuelle Feigheit.
        „eingepurt“ soll natürlich „eingespurt“ heißen.

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