Mohammeds Musik

Vergeblich suche ich das Radio in der Wohnung von Hussain, Salim und Mohammed. Vor einigen Wochen – es war eine Spende – hatte es dank eines Lesers organisiert werden können. Nun steht es unter dem Bett. Ich ahne den Grund und frage nach.

Die Sprache sei noch zu kompliziert, man verstehe noch nichts. Und Musik? Hört ihr keine Musik? Und schon sind wir wieder mittendrin: Islam hinten, Islam vorne. Natürlich hatte Mohammed (der Prophet) – Allahs Friede und Segen auf ihm – auch eine Meinung zu Musik und die klingt ein bißchen wie Lenin. Der versagte sich bewußt Beethovens Appassionata, die er so sehr liebte. Sie mache ihn weich, sie verführe ihn dazu, den Schopf anderer Menschen zu streicheln … und hinderte ihn, die Revolution voranzutreiben.

So auch Mohammed der Prophet. Singen ja, aber Musik, Instrument eher nein. Und wenn schon Instrument, dann exakt nach Vorschrift. Khalid bringt einen Topf zur Demonstration. Der ist halal, also erlaubt, weil – als Trommel – oben geschlossen und unten offen. Tunesienurlauber bringen gerne eine Djembe mit – das darf man im Islam. Aber auf beiden Seiten geschlossen ist haram, verboten. Die Flöte: haram! Warum? Ohne Begründung – Mohammed hat gesagt …

Allerdings – so einfach ist es nicht. Denn, so belehrt mich Hussain, der recht koranfest zu sein scheint, steht das nicht im Koran, sondern in den Hadithen und dort auch in verschiedenen Versionen und nicht alle werden gleichermaßen anerkannt. Er selbst tendiert eher dazu, Musik als halal anzusehen, meidet es aber trotzdem, sich ihr bewußt auszusetzen. Insbesondere westliche Musik. Bedenkenlos dagegen ist die dafu, ﺪﻒ‬‎, die Rahmentrommel.

Tja, da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als die Jungs ins Sinfoniekonzert zu führen: Beethoven.

Advertisements

2 Gedanken zu “Mohammeds Musik

  1. Leonore schreibt:

    Danke für diese genaue Beobachtung von „kulturellen“ Unterschieden, die eine Integration so schwierig machen. Denn es ist ja nicht so, als gäbe es die Option „Ihr könnte ja gerne machen, was ihr für richtig findet – wir lehnen Musik ja nur für uns ab“… So ließe sich ja gute Nachbarschaft pflegen.

    Übrigens der Hinweis, dies und das stehe a er nicht im Koran, ist ein (auch von Frau Hübsch in Fernsehdiskussionen – letztens im Streitgespräch mit Hamad Abdel Samad – gerne verwendetes) Schein-Argument. Da im Koran steht, daß sich der Gläubige, der sich Hoffnungen aufs Paradies macht, Mohammed zum Vorbild nehmen soll (Sure 33, 21), kommt man gar nicht drum herum, die Hadithen zu Rate zu ziehen. Denn in diesen berichten bekanntlich Mohammeds Zeitgenossen, was er gesagt, getan, gelobt, getadelt etc. hat.

    Wie wollte man sonst seinem Beispiel folgen?

    Eine höchst interessante Frage ergibt sich aus diesen Aussagen von Frau Hübsch und anderen jedoch: Wissen diese Leute, die ja immerhin als „Abgeordnete“ zur Verteidigung des Islams in den Meinungskampf geschickt werden, so wenig über ihren eigenen Glauben? Oder gibt es andere Gründe, weshalb sie Informationen über diesen nur in kleinen „hübschen“ Portiönchen verbreiten?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s