Aug um Aug, Stein auf Stein

„Deutschland ist eine Verfassungsnation. Auf dem Grundgesetz gründet der deutsche Patriotismus nach dem Krieg. Und diesem Staat ist auch die DDR beigetreten. Wir leben im Staat des Grundgesetzes, nicht im Deutschen Reich. Unsere Kultur und unsere Werte sind von solcher Art, dass man ihnen beitreten kann. Es ist eine Bekenntniskultur, keine Abstammungskultur.“

Schreibt Jakob Augstein im Brustton der Überzeugung nicht ganz zu unrecht. Und glaubt damit, alle Zweifler besiegt zu haben.

Er kann das nur sagen, weil ihm der Kontakt zur Realität fehlt, weil er vermutlich noch keine Berührung mit jenen Menschen hatte, die er nun ungesehen als Neubürger willkommen heißt. Hätte er diesen tagtäglichen Kontakt gehabt, dann wüßte er, daß vielen, sehr vielen, womöglich der Mehrzahl dieser Menschen, ein Bekenntnis zu unserer Kultur und zu unserer Verfassung versagt bleiben wird und daß sie – wenn sie zu uns kommen – nicht im entferntesten daran denken, diesen Werten beizutreten. Sie denken überhaupt nicht an Deutschland dabei, sie denken an sich und an die ihren und an ihre Kultur. Noch keiner hat zu mir gesagt, er wäre gekommen, um Deutschland aufzubauen, um unsere wirtschaftlichen, demographischen, demokratischen … Probleme zu lösen, um sich zu bekennen.

So zaubert die Überzeugung ein Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut, baut Stein für Stein ein Traumhaus auf und übersieht dabei, daß es Aug um Aug geht. Sie braucht ein neues Vokabular, sollte (wie mein Syrer Salim) jeden Tag fünf neue Wörter lernen. Die ersten Vokabeln lauteten: Realität, Wirklichkeit, Tatsachen, Wahrheit, Lebensnähe.

Jakob Augstein: Welches Volk?

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2 Gedanken zu “Aug um Aug, Stein auf Stein

  1. Kurt Droffe schreibt:

    Die Kommentare von Herrn Augstein sind immer so steindumm, daß ich sie nur zu meinem Amüsement lese. Es fiele bei seinem unorganisierten Gedankensalat, dem argumentative Prinzipien weitgehend fremd sind (schlimmer in dieser Hinsicht noch: Herr Diez), meist schwer, überhaupt sinnvoll zu antworten. In seinem jüngsten Kommentar schafft er es tatsächlich, Migrationsproblematik, Bürgerprotest und Kapitalismuskritik miteinander zu verrühren. Das Unbehagen vieler Menschen angesichts der Massenimmigration ist also gar nicht als Sorge vor kultureller Disparität und wirtschaftlich-sozialstaatlicher Be- und Überlastung, sondern als Unbehagen am schlanken (?!) Staat und am Kapitalismus zu verstehen. Wer also nicht mit jedem Flüchtling per se solidarisch sein möchte, der wurde eben durch den Neoliberalismus korrumpiert. Heilige Einfalt, aber bei einem Kapitalismuskritiker ist eben an allem der Kapitalismus schuld.
    Denn darum geht es doch, und auch das spart sein Kommentar zum Volk ja aus, weil er gar keine Antwort hat: Welche Definition von Volk haben wir denn dann? Schön, die deutsche Abstammung ist es nicht mehr, auch wenn sie (ohne Chauvinismus) als eine „rule of thumb“ für Gruppenzugehörigkeit ja durchaus praktikabel war. Wenn‘s das aber nicht mehr sein soll, was ist denn dann das Kriterium, um eine Solidargemeinschaft zu bestimmen, zu definieren, wer dazugehört und wer draußenbleibt? Reicht es, im Bereich des Grundgesetzes zu leben, um Anrecht auf wohlfahrtsstaatliche Solidarität zu haben? Solidargemeinschaft also als Lotterie: Wer es über die Grenze schafft, der hat gewonnen? Von Ihren ebenso gewichtigen Anmerkungen da noch ganz zu schweigen! Die Flüchtlingskrise gibt ja durchaus Anlaß für solche Reflexionen, doch auch hier wieder mein Eindruck, daß auf Seiten der Linken à la Augstein da gar nicht drüber nachgedacht werden darf, kann, soll. (Zugegeben dabei, dass meine Kenntnis linker Argumentationskultur auf nicht tiefgehender Kenntnisnahme der Massenmedien beruht).

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    • Man muß sich nur Augsteins „Auseinandersetzung“ mit Sarrazins Argumenten erinnern, um zu sehen, wie der Mann tickt. Seither weiß man endgültig Bescheid. Sie beschreiben das vollkommen passend. Das zeigt mir, daß diese Dinge tatsächlich sichtbar sind, wenn man nur seine Augen aufmacht. Leider kann man ihn nicht ignorieren, sitzt er doch wie eine Spinne im medialen Netz und verfügt über eine Menge Macht.
      Diez wollte ich schon vor Wochen analysieren, seine Argumentationsweise aufzeigen aber dann waren die Aversionen zu stark. Kommt vielleicht noch.
      Morgen werde ich einen Beitrag einstellen, der die hier geäußerte These noch einmal am Beispiel untermauern wird: Darin wird eine Diskussion beschrieben, die ich erst gestern geführt habe.

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