Der erste Stein

Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat.(3. Mose 20.10)

Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. (Johannes 8.7)

Da ist es wieder passiert. Ein Iman der Grimhøj-Moschee in Aarhus, die hier bereits Thema war, sagte vor laufender Kamera: außerehelicher Geschlechtsverkehr wird mit Steinigung zum Tode geahndet, unverheiratete Jungfrauen werden dafür ausgepeitscht, Apostasie führt zum Tode, Mißachtung des Fastens bedeutet Tod, Unzucht einer geschiedenen und nicht mehr jungfräulichen Frau = Tod, wer einen Muslim (sic!) tötet, muß sterben usw.

Das Auditorium bestand aus jungen muslimischen Frauen ohne feste Kenntnisse, mittendrin liefen Kinder umher, die Sprache war Arabisch, die Kamera war versteckt.

Zwar sagte Imam Abu Bilal auch, daß diese Gesetze in Dänemark nicht gälten, es war also eine Theorieanleitung Scharia, doch ist die Empörung groß: Something is rotten in the state of Denmark.

Schon lange ermahnte der syrischstämmige Politiker Nasser Khader zur Schließung der Moschee im Problemghetto Gellerup, doch nun wird der Ruf aus allen Ecken aufgenommen, besonders gern von Inger Støjberg, der entschlossenen Immigrationsministerin, die seit dem Schock des letzten Herbstes eine restriktive Asylpolitik betreibt („Ich habe zuallererst Lust, die Grimhøj-Moschee der Erde gleich zu machen“).

Aufsehen erregt der Fall auch, weil zum ersten Mal das staatliche Fernsehen TV2 die Recherche führte – bisher war es durch Schönreden und Verheimlichung aufgefallen. Nun haben also auch die Linken ihren Shakespeare gelesen. Der Fernsehsender kündigt weitere Untersuchungen zu anderen Moscheen im Lande an, aber schon jetzt ist klar: es handelt sich nicht um ein Einzelphänomen, hinter verschlossenen Türen wird landesweit die Scharia gepredigt. Jüngere Untersuchungen in Dänemark – wo man sich dieser Fragen offen annimmt – weisen auf eine erschreckende und zunehmende Abkopplung der muslimischen Kommunen von den Werten der westlichen Zivilgesellschaft hin (mehr dazu hier).

Das Problem wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:

Warum sollte man nicht über archaische Strafriten sprechen können, wenn man zeitgleich ein gesetzestreuer Bürger ist?

Dürfen Staat und Medien sich in innerreligiöse Dispute einmischen? Schließlich handelte es sich nur um normale Koranstunden und die seien, so der Vorstand der Moschee, durch die Religionsfreiheit gedeckt.

Kann in einer freiheitlichen Gesellschaft Verbot eine Option sein? Immerhin wird damit das Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten und der Verlust dieses Rechtes könnte gravierendere Folgen für die Demokratie haben, als das Verbot demokratiefeindlicher Äußerungen.

Was erreichte ein Verbot, die Schließung von Moscheen oder die Ausweisung der Imame? Aus den Augen, aus dem Sinn? Lösen oder verschärfen einfache Lösungen das Problem? Verschwindet damit der Fundamentalismus?

Ist die Installation von ausgebildeten und ausgewählten moderaten Imamen eine Alternative? Auch in Dänemark sind die meisten Imame selbsternannte Lehrer ohne theologische oder pädagogische Abschlüsse, ohne Verpflichtung auf die Verfassung.

Muß man davon ausgehen, daß es sich nicht nur um ein dänisches, norwegisches, britisches, sondern auch um ein deutsches Problem handelt?

Sollte das der Fall sein, wie ist die Einwanderung von mutmaßlich Millionen Muslimen in den nächsten Jahren zu bewerten?

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2 Gedanken zu “Der erste Stein

  1. Nachdem Sie recht genau und treffend die Zustände beschreiben, verstehe ich die abschließenden Fragen nicht.

    Die Frage muss lauten: Warum werden diese Leute nicht unverzüglich dahin zurückgeschickt, woher sie gekommen sind – und zwar in einen abgelegenen Teil ihres Landes, wo sie den aufgeschlossenen und denkenden Muslimen nicht schaden können?

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    • Die Frage müßte so lauten, wenn man zuvor die Frage „Müssen diese Leute unverzüglich zurückgeschickt werden“ in diesem Sinne beantworten könnte. Aber um diese Frage zu beantworten, müßte man die Frage „Wer sind diese Leute?“ und die Frage „Was nützt es?“ und die Frage „Auf welcher Grundlage entscheiden wir so?“ … beantworten. Um um diese Fragen beantworten zu können, müssen …
      Wenn wir all das nicht mit allen diskutieren, wer bitteschön, soll dann die Entscheidung fällen? Zu diesem Problem wird auch morgen etwas gesagt werden.

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