„Zeit“ der Entgrenzung

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Leitmedien nicht Aussagen von AfD-Granden skandalisieren und daraus ein Entgrenzungsskandalon der politischen Diskussion extrahieren.

Die eigenen Grenzverletzungen scheint man dabei nicht sehen zu wollen oder sehen zu können. So geschah es nun mehrfach, daß die Presse bewußt in den ansonsten sakrosankten Familienrahmen eindrang.

Angefangen hatte diese unselige Art wohl mit Frauke Petrys Ehemann, einem Pfarrer, der sich nach der Trennung medienwirksam von der Politik seiner Noch-Frau, die er lange „still ertragen“ hatte, distanzierte und glaubte, der „Zeit“ beichten zu müssen. „Herr Petry predigt Liebe“, heißt der Artikel sinnschwanger und Frau Petry? … Subtil!

Gipfelpunkt war dann eine böse Ohrenbläserei erneut in der „Zeit“, in der Björn Höckes gesamte Familie einbezogen wurde: „Mein Mitschüler, der rechte Agitator“. Darin versuchte ein ehemaliger „Klassenkamerad“, sich Zugang zu Höcke zu erschleichen, wird abgeblockt und reagiert mit unseriösem Verbreiten von Interna: private Photos werden gezeigt, Briefe zitiert, Wohnadressen genannt, Familienverhältnisse offengelegt und psychoanalysiert, Gehaltsangaben ausgeplaudert, alte Lehrer und Kommilitonen ausgequetscht, in Zeitungsabos gestöbert, in der Geschichte des Vaters wie in einem Papierkorb gewühlt, Kondolenzlisten kontrolliert und sogar das väterliche Grab durch fremde Neugier geschändet usw. Gipfelpunkt der Dummheit – die an die schlimmsten Zeiten der Huffington Post erinnert – ist der Vorwurf, Höcke habe seinen Schülern den massenpsychologischen Klassiker Gustave Le Bon empfohlen – übrigens auch eine Empfehlung von mir! – und den hätten die Nazis ja gern gelesen … die lasen übrigens auch Goethe und Schiller.

Höcke selbst hatte im Vorfeld des Artikels zu einem Fragebogen Stellung genommen, der ihm von der „Zeit“ zugesandt worden war.

Am Schluß wirbt das Blatt unverhohlen um Informelle Mitarbeiter im Casus Höcke – Denunzianten, Petzer, Informanten werden gebeten, in einen „Anonymen Briefkasten“ Material einzusenden. Daß es sich um eine konzertierte Aktion handelt, legt auch dieser Artikel nah. Widerlich, um es mal mit Heiko Maas zu sagen – der sich übrigens auch gerade von seiner Frau getrennt hat …

Und nun also Gaulands Tochter, ebenfalls evangelische Pfarrerin und ebenfalls in der „Zeit“, die des Vaters Äußerungen über als emotionale Erpressung genutzte Kinderaugen „schrecklich“ findet. Organisierter Familienzwist als politisches Mittel.

Wird man morgen den Großonkel Meuthens ins Licht zerren oder einen vergessenen von Storch oder werden Paparazzi Poggenburg durch die Gardine dabei abfilmen, wie er sich braune Schokopaste aufs Frühstücksbrot schmiert?

Nun kann jeder jede Äußerung eines jeden „schrecklich finden“ oder „still ertragen“, nur ändert das nichts daran, daß eine öffentliche Stimme eine repräsentative Stimme sein sollte und wen bitteschön repräsentieren Töchter, Väter, Ehemänner, wenn nicht sich selbst? Und es ändert auch nichts daran, daß diese Versuche, Politiker über private Interna persönlich zu treffen, maßlos und unanständig hoch drei sind!