Hoffnung und Reue

Nach dem Essen werden sie oft gesprächig, die syrischen Flüchtlinge. Es gab gewürzten Fisch, Pommes, Tomaten, Spiegelei, Bohnen mit Knoblauch und Rosenkohl. Letzteren fand ich im Kühlschrank – sie wußten damit nichts anzufangen. Er war in einer Sammelkiste der Tafel. Schon beim gemeinsamen Kochen fängt Khaled zu sprechen an.

Als wir satt am leergeräumten Tisch sitzen und er sich eine Zigarette gedreht hat, sprechen wir über Syrien. Khaled erzählt, daß Assads Truppen jetzt vor seinem Heimatdorf stünden. Er hatte seine Cousine gesprochen. Gemeint ist die Stadt Daal, nördlich von Daraa, unmittelbar an der jordanischen Grenze. Daraa war eine schöne und antike Stadt. Dort begannen 2011 die Unruhen gegen Assad. Heute ist die Stadt ein riesiger Trümmerhaufen – es genügt bei Google-Bilder den Namen einzugeben und die fürchterlichsten Aufnahmen springen einem entgegen. Nicht jeder verträgt das, daher Vorsicht!

2012 floh Khaled in den Libanon und verdingte sich als Gelegenheitsarbeiter auf dem Bau. Nur die weiblichen Familienmitglieder sind noch in der Stadt. Aber der Libanon ist in diesem Teil schiitisch und die Syrer sind Sunniten. Überall gibt es Schikanen und Anfeindungen. Drei Mal wird er auf offener Straße von Hisbollah-Milizen ausgeraubt und geschlagen – weil er Sunnit ist. Und 2015 sagt ihm sein Arbeitgeber am Zahltag: Heute kein Geld – und schickt ihn wie einen Hund weg. Da hat er sich entschlossen, den Weg nach Deutschland anzutreten.

Ob er es bereut habe, frage ich ihn. Er ringt um Worte und kann es auch nur auf Arabisch sagen. Hussain muß übersetzen: Ja, manchmal schon, aber es gab keine andere Wahl. Was soll er denn machen und nun ist es, wie es ist. Alles liegt in Gottes Hand.