Mei Arzgebirg wie bist de schie

Die Ausschreitungen von Clausnitz treffen mich besonders hart. Denn ich kenne diese Leute. Diejenigen, die im Bus sitzen, weinen, vor Wut und Abscheu gegen die Scheibe spucken, sich aneinander klammern und sich nicht aus dem Bus wagen, diejenigen, deren schlimmste Alpträume soeben Realität wurden: Neu ankommen, hoffnungsvoll und ängstlich zugleich, und vehement abgewiesen, ja angefeindet zu werden.

Aber ich kenne auch die anderen, die draußen stehen, in warme farbige Jack-Wolfskin-Jacken gekleidet, Jeans, Handschuhe – sie frieren nicht, ihnen fröstelt nur vom Warten, aber nun sind sie heiß und haben rote Köpfe.

Nicht persönlich kenne ich diese Leute, aber ich erkenne sie an ihrer Sprache. Zu behaupten, es wären hundert gewesen, könnte übertrieben sein. Man hört ein, zwei Dutzend, der Rest dürfte aus Schaulustigen bestanden haben, auch „Widerständlern“, doch nicht bereit, aktiv verbal gewalttätig zu werden. Auch muß man vorsichtig sein – wir haben nur den einen Blick in einem kurzen Zeitfenster und wissen nicht, was die andere Seite – die mit den aufgerissenen Augen – gesehen und getan hat. Gerade weil ich diese Leute kenne, gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Wie einfach, wie billig ist es doch, zu schreiben: Ich – als Vogtländer, Sachse, Deutscher – schäme mich. Eine einstudierte Demutsübung, Usus mittlerweile in solchen Fällen …

Das Erzgebirge liegt gleich hinter dem Horizont. Aue und Schwarzenberg und Annaberg-Buchholz und Schneeberg … gehören zur näheren Heimat. Die Leute sprechen dort ein Idiom, das dem meinen (ich kann mich davon auch emanzipieren) sehr ähnelt. Würde ich diese Männer persönlich kennen und ginge ich zu ihnen, um zu fragen: „Du, Günther, kannst du mir mal die Dachrinne reparieren“ oder: „Rainer, ich bräuchte am Wochenende mal deine Hilfe. Wir bereiten das Schulfest vor.“ oder dergleichen, dann würden diese Männer mit großer Wahrscheinlichkeit nicken, lächeln und stünden auf die Minute genau an der Türschwelle und legten los … und wären danach entrüstet, wenn man ihnen einen Fuffi in die Hand drücken wollte.

Aber nun standen sie vor einem Hauseingang und schrien verängstigte asylsuchende Menschen an: „Weg!“, „Heem!“, „Naus!“, „Verpisst eich doch“, „Ab nach Hause“, „Raushoaln“ …, nun jubelten sie, als ein junger Kerl von einem Polizisten überwältigt und ins Haus gezerrt wurde, jetzt rufen sie „Wir sind das Volk“ und „Widerstand“.

Damit haben sie allen „Widerstand“ diskreditiert. Und sie beweisen, nichts, aber auch gar nichts verstanden zu haben. Mögen diese Frauen mit Kopftuch fremd und bedrohlich wirken oder diese hageren schwarzhaarigen Männer mit den Adlernasen … sie haben die geringste Verantwortung an der ganzen Misere. Sie sind die Schwächsten und wer wirklich glaubhaften „Widerstand“ leisten will, der sollte zuerst seine Empathiefähigkeit unter Beweis stellen (denn „Widerstand hat mit Entscheidungsfreiheit zu tun) und wer wirklich für das christliche Abendland zu kämpfen meint, der muß auch zeigen, daß er christliche und zivilisatorische Grunderrungenschaften umsetzen kann.

Warum aber mangelt es diesen Männern in solchen Situationen am einfachsten Anstand? Welcher Gesellschaft entstammen sie, die ihnen die primärsten zwischenmenschlichen Regeln aberzogen oder doch zumindest nicht anerzogen hat? Resultat welcher Erziehung und Geschichte sind sie? Jedes Land hat das Volk, das es verdient. Ein starker Grund, sich ein anderes Land zu suchen.

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