Wenn alle mittäten

„Und wenn alle mittäten, wär‘s viel eher soweit“ – schrieb ein Leser dieses Blogs in den Kommentar und zitierte damit „Floh de Cologne“ aus der Rockoper „Koslowsky“ (1980). Darin wird die Geschichte eines polnischen Einwandererjungen erzählt, der sich umsonst abrackert „im neuen Wirtschaftswunderland“, der immer wieder auf fremdenfeindliche Vorbehalte stößt und die eiskalte Logik des Kapitalismus kennen lernt. So wird er Kommunist. So wird er zum Kommunisten gemacht, vom „Schlackenfahrer Schorsch“, der ihm bei Bier und Schnaps das Gesellschaftsgefüge darlegt und dann vom Kommunismus schwärmt. Dort fallen dann die schicksalsschweren Worte: „Wenn alle mittäten …“

Die Platte wurde bei Amiga verlegt, erlangte eine gewisse Verbreitung in der DDR. Ihre Botschaft entsprach komplett der ostsozialistischen Weltsicht.

Floh de Cologne

An dem Argument ist was dran: Es hätte mit dem Kommunismus vielleicht was werden können, wenn alle an einem Strick gezogen hätten. Aber leider, leider waren die Arbeiter zu faul, und die Genossen zu korrupt, und die Kapitalisten drüben zu gierig …tja, und so wurde es nichts mit dem Kommunismus. Schuld sind immer die anderen – das ist der Vorteil des „wenn“.

Aber die Ideologie, die linke Logik lebt fort. Etwa im „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin. Wenn wir alle offen sind, wenn wir uns anstrengen, wenn wir keine Angst haben, wenn wir es als Chance begreifen, wenn die Länder Europas mitspielen, wennwenn alle mittäten …, tja.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s