Paradoxa – Muslime in DK

Eine scheinbar unbedeutende Szene im Alltagsleben wird in Dänemark gerade lebhaft diskutiert und stellt, wie ich finde, ein interessantes juristisches Paradox, vielleicht auch einen Blick in die Zukunft, dar.

Laut „Extra Bladet“ vom 22.11., erhielt ein Taxichauffeur eine Wiedergutmachung von 10 000 Kronen (ca. 1350 Euro) zugesprochen, weil er aufgrund seiner Religion ungleich behandelt worden war. Im Januar erschien er – übrigens zu spät, die vereinbarte Zeit nicht einhaltend – zu einem Bewerbungsgespräch bei seinem Kopenhagener Taxiunternehmen. Ausgeschrieben war eine Vertrauensstellung, in welcher „spezielle Kunden am Flughafen begrüßt und zum Taxi geführt werden sollten.“ Die Kundendienstchefin des Unternehmens empfing ihn – wie zuvor die  anderen Bewerber – trotzdem freundlich und reichte ihm die Hand, die er jedoch nicht entgegennahm, ihr stattdessen auf die Schulter klopfte und seine Verweigerung mit seiner Religion, dem Islam, begründete. Es handelte sich dabei um einen Muslim der zweiten Generation, also einen Mann, der in Dänemark geboren, gebildet und geschult wurde. Zwar erklärte er die Handschlagverweigerung unmittelbar mit den religiösen Vorschriften, doch war die Frau offenbar „not amused“ und reagierte abweisend.

Den Job bekam er nicht, er blieb einfacher Taxifahrer des Unternehmens, und da in der Begründung die Weigerung, Frauen die Hand zu geben, eine Rolle spielte – dies sei geschäftsschädigend, da es in besagter gehobener Stellung imperativ sei, alle Kunden und Kundinnen gleich zu behandeln – zog er vor den Kadi. Paradox: Gleichbehandlung versus Gleichbehandlung.

Der Chauffeur reichte Klage beim Gleichbehandlungsausschuß wegen Diskriminierung aufgrund religiöser Überzeugung ein und bekam die genannte Erstattung zugesprochen. In diesem Zusammenhang – um die Ungleichbehandlung nachzuweisen – beklagte er auch, daß die beim Empfang gereichten Lebensmittel Schweinefleisch – seit Generationen ein Hauptnahrungsmittel in DK – enthielten: „Es ist außerordentlich respektlos, daß nur Salami zum Frühstück angeboten wurde, da man doch wußte, daß es drei andere mit Namen wie Ahmet, Muhammed und Mehmet gab. Die essen kein Schwein, das weiß Gott und die ganze Welt.“

Zuvor berief er sich in seiner Begründung auf die Offenheit und Toleranz in der dänischen Gesellschaft: „Auch ich bin in Dänemark geboren worden und gebe mein Bestes für die Gesellschaft und das Dänemark, das ich kenne, steht für Verständnis, Offenheit, Vielfalt und Respekt. Man zwingt niemanden, etwas gegen seinen Willen zu tun und man nimmt Rücksicht auf des anderen Bedürfnisse.“ Es werden also jene Rechte eingeklagt, die man selbst – aus Sicht der anderen Partei – verletzt.

„In meiner Welt“, begründete er schließlich, „sollte jemand, der in einer Firma mit so vielen aus anderen Kulturen und Religionen sitzt, wissen, daß wir eine ganze Reihe Muslime sind, die Frauen die Hand eben nicht geben.“

Da das Unternehmen die Zahlung verweigert, bat der Kläger nun, die Angelegenheit dem Staatsanwalt vorzulegen. Es bleibt spannend zu sehen, wie das Gericht entscheiden wird, „ob ein Muslim das Recht haben soll, einer Frau – ohne Konsequenzen – auf Arbeit die Hand zu verweigern.“

In zahlreichen derartigen Fällen entschied sich die hypertolerante dänische Gesellschaft, auch die dänische Judikative, bisher für die Welt der anderen.