Selbstreferenz

Die letzten Tage waren für diesen noch jungen Blog ein Rollercoaster. Plötzlich schossen die Leserzahlen astronomisch und exponentiell in die Höhe, aus aller Herren Länder wurde zugegriffen. Schuld daran war der Beitrag s k AfD a l ö s, der am 6. Februar gleich von interessierter Seite mehrfach auf großen Portalen verlinkt wurde, und gerade als sich die Wogen wieder zu glätten begannen, veröffentlichte die hier kritisierte Katharina Nocun (die ich natürlich – wie sich das gehört, wenn man über jemanden spricht – auf meinen Text aufmerksam machte) am 10. Februar einen weiteren sinngleichen Artikel in der FAZ, in dessen Kommentarteil zwei Leser wiederum meinen Beitrag verlinkten … was zu einer neuen Zugriffswelle führte. Die unberechenbare Dynamik des Netzes.

Zugriffswelle nach "s k AfD al ö s"

Zugriffswelle nach „s k AfD al ö s“

Nocuns neuerlicher Artikel ist nicht uninteressant. Einerseits spürt man, daß die hier geäußerte Kritik nicht spurlos an ihr vorbeigegangen ist – einige Punkte werden nun relativiert –, andererseits wagt sie es noch immer, mit platten Fehlinformationen, wenn auch argumentativ etwas besser abgefedert, zu arbeiten, ja, sie scheut nicht einmal davor zurück, meine Evidenzen als durch einen Kommentator für „widerlegt“ zu erklären:

FAZ: AfD keine konservative Partei

Aus der Zugriffsstatistik jedenfalls lassen sich interessante Schlußfolgerungen ziehen. Unterstellen wir den Lesern ein besonderes Interesse an der AfD und beachten wir die Herkunft der Leser, dann zeigen sich weltweit AfD-affine und AfD-averse Weltgegenden – was zuvörderst ein Interesse und kein Bekenntnis signalisiert.

Immer wieder hört man, daß Menschen das Land Deutschland verlassen wollen, wenn die AfD gewinnt oder nicht gewinnt. Die einen haben Angst vor „den Rechten“, die anderen vor dem status quo. Aber wohin? Schauen wir uns die vielsagende Karte an.

AfD Weltkarte

AfD Weltkarte nach Zugriffszahlen auf „seidwalk“

Grönland scheint demnach das Land der Wahl für all diejenigen zu sein, die für Deutschland alternativlos saubere Luft atmen wollen. Auffällig auch der weiße Streifen, der sich über die baltischen Republiken, Weißrußland, Ukraine bis hin zu Rumänien, Bulgarien und Griechenland zieht und – nebenbei gesagt – ziemlich genau jener „Bruchlinie“ folgt, die Huntington in seinem „Clash of Civilizations“ zeichnete (S. 253). Auch Südamerika, inklusive Chile und Paraguay – ein Schelm, wer dabei an Beatrix von Storch und die Kanzlerin denkt – sind noch frei von AfD-Sensiblen. Für Weltkulturfreunde bietet sich hingegen der gesamte asiatische Gürtel, von China sowie den mongolischen und turkischen Völkern über Indien bis ins arabische Kerngebiet, oder aber ganz Schwarzafrika an. Mit anderen Worten und grober Vereinfachung: die Länder des Islam.

PS: Auch im Spiegel hat man nun die Wahlprogramme entdeckt: traditionelle Werte wie Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß, Pflichtbewusstsein (und Heimatliebe sowieso) scheinen nach gewohnt selektiver Lese demnach schon suspekt.

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