Carneval

Karneval hat mit Fleisch zu tun. Und mit dem Fleisch haben meine syrischen Alumni ein Problem. Nicht nur Schweine-, sondern auch Beinefleisch. Aber eins nach dem andern.

„Il carne“ ist im Italienischen das Fleisch und „levare“ heißt „heben, aufheben“ auch im Sinne von „beenden“. Der Karneval oder il carnevale leitet also die vorösterliche Fastenzeit ein, jene symbolische Erinnerung an das 40-tägige Fasten Jesu, bevor er sich zum öffentlichen Auftreten entschied. Die „Fastnacht“ gibt das wörtlich ganz gut wieder. Eigentlich gibt es eine ganze Reihe an Parallelen zum Islam: Auch Mohammed fastete, meditierte und zog sich zurück, um seine Anzweiflungen zu überwinden und auch der Ramadan – der muslimische Fastenmonat – wird zumindest an seinem Ende ausgiebig gefeiert.

Nur einen gravierenden Unterschied gibt es: das Fleisch. Und zwar das sichtbare. Auch im Februar gehen junge Frauen kurz berockt durch die Straßen und schmeißen die Beine in die Luft und bieten gewisse Anblicke.

In Sachsen hat der Fasching, wie es hier heißt, keine allzutiefen Wurzeln und ich selbst bin auch kein großer Freund organisierter Fröhlichkeit. Aber für meine Syrer wäre ich gegangen – schließlich sollen sie deutsche „Kultur“ kennenlernen. Um ihnen eine Vorstellung zu geben, erkläre ich das Konzept und zeige ein paar Bilder. Und da wird es plötzlich schwierig. Einmal mal mehr fliegt das Wort „harām“ hin und her. Sich so zu kleiden, sei nicht harām. Die Mädels machen an sich nichts falsch – wenn es keine Männer gäbe. Aber Hingucken schon! Und wie soll man als junger Mann da nicht hingucken? Das Verführungsdilemma …

Also die Frage: wollen wir gehen? Khaled wäre dabei, Hussain druckst herum. Better not!

Zumindest was den Faschingsmuffel betrifft, ist er schon ein guter Vogtländer.