Haus und Auto

Syrische Flüchtlinge verkaufen Haus und Auto, um nach Deutschland zu kommen. Viele Leute fragten sich, wie das möglich sei in einem weitestgehend zerstörten Land. Wer sollte dort Häuser kaufen? Diese und andere „Widersprüche“ diskutierte ich mit meinen Syrern.

Was kostet der gesamte Trip. In diesen drei Fällen zwischen 2100 und 3000 Euro pro Person, alles einberechnet, von Syrien bis nach Deutschland: Schlepper, Busse, Züge, Sicherheitswesten, Nahrung …

Warum überquert man das Mittelmeer, wenn man in Istanbul über den Bosporus gehen kann? Das sei eine politische Entscheidung der Türkei, die den Zugang zum Übergang versperrt habe – ob das stimmt, weiß ich nicht.

Muhannad hatte den Horror selbst erlebt. Sein Boot war mit zu vielen Menschen belegt und kenterte mitten in der Nacht. Sie riefen die griechische und türkische Seewache an, es gab jedoch keine Reaktion. Also schwammen sie – sich ans Boot klammernd – circa vier Stunden bis ans Ufer.
Hussain mußte sich seinerseits in Deutschland einer Fußoperation unterziehen, da seine Füße durch lange Wanderungen entzündet waren.

Wer also kauft die Häuser in Syrien, einem zerstörten Land? Welchen Sinn soll es haben, Eigentum zu erwerben?

Geschäftsleute, Spekulanten und meist aus dem Iran! Demnach würden im Moment viele Iraner in Syrien Immobilien und Bauland erwerben und zwar als Geldanlage. Jetzt seien die Preise extrem niedrig, aber wenn der Krieg vorbei sei, dann würden diese Häuser – selbst die zerstörten – wieder an Wert steigen.

Aber warum überhaupt verkaufen? Die Situation sei diese: Immer wieder werden junge Männer – mittlerweile auch bis ins mittlere Alter – dazu gezwungen, in Assads Armee zu kämpfen. Sobald sich dieses ankündigt, hat man zwei Möglichkeiten. Entweder kämpfen, dabei aber gutes Geld zu verdienen, wiederum sein Leben riskieren für eine Sache, mit der man sich nicht identifiziert, oder aber zu fliehen. Und bevor man flieht, verkauft man eben, was man hat, und da die Spekulanten das wissen, diktieren sie die Preise. Muhannad hatte seinen KIA verkauft, sein Haus will er behalten, selbst wenn es zerstört werden sollte. Im Moment ist es wohl unbewohnt, die Familie lebt bei den Großeltern im Zentrum von Damaskus.

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Ein Gedanke zu “Haus und Auto

  1. carlaentsetzt schreibt:

    Super Info! Das habe ich mich auch schon gefragt, wer das Land/Haus etc. wohl kauft. Da sieht man wieder live, wie viele doch an einem Krieg verdienen! Der kleine Mann/Frau hier wie dort, muss dafür bluten (man sieht gerade, wie alle Kommunen Grundsteuer, Gewerbesteuer etc. erhöhen wegen Flüchtlingskrise, Schäuble träumt bereits von neuer Benzinsteuer, die sowieso bereits mit über 70% an den Staat geht… warum sollen wir für eine derart schlechte Kanzerlin und Regierung und deren Fehler eigentlich zahlen? Wieso haften die nicht für Fehlentscheidungen?) Und wenn jetzt noch herauskommt, dass Assad das evtl. auch aus diesen Gründen macht… vieleicht steht er selbst hinter einer dieser Investoren??

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