Ausgrenzungen

Kein Flüchtlingshelfertreffen ohne Ausgrenzungsgeschichten von Andersgläubigen. Um es deutlich zu sagen: Das ist nicht die Norm – aber es findet statt.

Zum Christentum Konvertierte flüchten die Stadt und wechseln die Identität.

Heimlich werden SIM-Karten mit christlichen Botschaften in verschiedenen Sprachen verteilt, damit Interessierte in aller Privatheit Jesus schauen können. Im Notfall ließen sie sich schnell vernichten. Der Notfall ist der aufmerksame Muslim nebenan.

Eine VHS-Lehrerin kommt in der Pause ins Gespräch mit einem Lernenden. Er fragt, ob sie Christ, sie fragt zurück, ob er Muslim sei. Schüchtern schüttelt er mit dem Kopf und weicht verschreckt zurück, als die Klassenkameraden plötzlich eintreten. Ein Mensch in Angst.

Diskussion, ob man die Weihnachtskrippe im Raum lassen könne oder ob das religiöse Gefühle verletze.

Vereinzelt suchen Menschen bei der Kirche Schutz, weil sie sich in den Unterkünften aufgrund ihres Glaubens verfolgt fühlen.
Usw.

Aber keiner der Flüchtlingshelfer, die ich kenne, kam bisher auf die Idee, darin ein systemisches Problem zu sehen. Man ist über den Einzelfall erbost, das schon, doch zu einer Religionskritik kommt es nicht. Selbst der Pfarrer meint, man könne zwar in den Islam ein-, aber nicht austreten – und das sei eben so, das müsse man akzeptieren. Und an unserer Hilfspflicht ändere das gar nichts.