Die Wolken

Ein Märchen

Weit draußen über dem endlosen Meer wuchsen zwei Wolken heran. Sie wurden dick und fett und reichten fast von einem Ende des Himmels bis zum anderen. Sie trieften vor Nässe. Wie zwei massige Schwämme sogen sie noch mehr Feuchte in ihren weißen Bauch, der schier unerträglich anschwoll, und waren schließlich so schwer, daß sie sich kaum noch über Wasser halten konnten. Endlich schwebten sie dem grünen Lande entgegen, dem hohen Gebirge, wo sie erleichtert ihre Last abzuwerfen gedachten. Dies war jener Teil der Erde, wo es reichlich regnete, wo die saftigen Matten grünten, wo die Kühe und Kälber auf den Weiden prächtig gediehen. Regengüsse gab es hier im Überfluß und mit ihm den Wohlstand. Sich hier abzuregnen war das Los der Wolken seit Menschengedenken. Die eine Wolke folgte dem Ruf des Geschicks, mit Donner und Blitz entleerte sie ihren prallen Wanst und ward mehr und mehr entlastet, mit jedem Regentropfen, den sie spendete. So ging sie ein in den großen Kreis der Natur und so ist es immer gewesen und wird wohl immer so sein.

Weiterlesen