Obst und Gemüse

Wir gehen die Bildtafel „Obst und Gemüse“ auf Wikipedia durch. Jede in Deutschland handelsübliche Frucht, Beere, Wurzel, jedes Blatt, jede Nuß. Nach einer Weile wird es ziemlich ermüdend, denn die 12 Eritreer kennen fast nichts und die Aufnahmekapazität ist begrenzt. Es werden drei Veranstaltungen daraus. Auf ihrem Speiseplan stehen Reis, Kartoffeln, Äpfel, Bananen, Orangen, seltener schon Melonen, Kiwis und kaum Gemüse. Die Kaktusfeige mögen sie gern, findet man hier leider selten und wenn, dann zu Preisen, die für jemanden, der gewohnt ist, sie am Straßenrand zu pflücken, schwer verständlich sind. Erstaunt lerne ich, daß ihnen die Feige und der Granatapfel – die klassischen Früchte aus 1001 Nacht – unbekannt sind, nur die Dattel gibt es zuhauf.

Gemüse – für das ich gerade im Winter besonders werbe – scheint kein großer Favorit zu sein, Tomate, Knoblauch, Zwiebel ausgenommen. Fast alles empfehle ich roh zu essen; Brokkoli, Weißkohl, Rettich … und Brennessel.

Ich lasse verkosten, aber sie zeigen bei Umbekanntem wenig Interesse, verziehen den Mund und spucken Aronia und Sanddorn angeekelt aus oder verweigern gänzlich. Und als ich mir dann Brennessel in den Mund schiebe, halten sie mich für verrückt (man muß die Blätter zuvor rollen und kneten) und kichern. Zur „Strafe“ gehe ich herum und jeder muß die Brennessel berühren. Adlan – sonst der coolste Typ von allen – hat Angst, also gibt es einen Streich über den nackten Arm. Schnell bilden sich Pusteln – ein Heidenspaß. Nur Fiori, eine Ausnahme unter den Eritreern, will mehr über die Brennessel wissen, die ich in höchsten Tönen lobe. Sie nimmt sich die Pflanze mit nach Hause und will Tee daraus machen.

Die Syrer sind ganz anders geartet. Am Gemüsestand kennen sie fast alles. Ich nehme Radieschen, Sauerkraut und Blumenkohl mit, erfahre zu Hause dann jedoch, daß sie all das schon kennen. Russisch Kraut heißt es dort – von wegen Sauerkraut und Würstel seien deutsch. Blumenkohl essen sie roh mit Olivenöl. Da muß ich nicht mehr aufklären. Was sie noch nicht kennen, stecken sie neugierig in den Mund und finden alles gut, zumindest interessant. Ziererei gibt es keine. Wir leben hier – wir essen, was ihr eßt.

Zu Gast bei den SyrernZum gemeinsamen Abendessen gibt es Pizza, Fladenbrot, in welches man Humus – im arabischen Laden gekauft und kunstvoll über einen Teller verbreitet –, gesalzenes oder saures Gemüse, Pommes oder Salat wickelt. Salz, sehr viel Salz. So üppig sei es nur zu meinen Ehren.am Tisch

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