Sexismus und Diskriminierung

Ein böser Fall an menschenverachtender Diskriminierung ereignete sich bei der Wahl der Sportlerin des Jahres. Dort entgleiste die Gewinnerin Christina Schwanitz, ihres Zeichens Kugelstoßerin, mit der Bemerkung: „Ich bin die einzige Frau, die sich über sieben Zentimeter freut.“ Die Presse feierte diese schlagfertige Aussage als Witz. „Jeder Tag, an dem nicht gelacht wird, sei ein verlorener Tag“, meinte die Preisträgerin. Aber auf wessen Kosten wird hier gelacht?

DavidNicht nur handelt es sich um einen krassen Fall von Sexismus – man stelle sich Jan Frodeno vor, der sich über die flachen Brüste oder männlichen Hintern seiner weiblichen Kollegen geäußert hätte; welch Skandal –, die Reduzierung des Mannes zum bloßen Sexobjekt, sondern es wird sich über die Schwächsten und Kleinsten lustig gemacht, jene Menschen und Glieder der Gesellschaft also, die unsere Unterstützung bräuchten und das auf einem hypersensiblen Gebiet.

Die durchschnittliche Penislänge des deutschen Mannes beträgt 14 Zentimeter im erigierten Zustand. Ab sieben Zentimeter spricht man vom klinischen Hypogenitalismus, einem Mini– oder Mikropenis. Für die betroffenen Männer stellt das in der Regel eine enorme psychische Belastung dar, denn es ist zum einen eine „Andersartigkeit“, zum anderen erschwert es den zwischen-geschlechtlichen Kontakt. Die Aussage, daß Frauen sich über nur sieben Zentimeter nicht freuen würden, ist ein wahrer Tiefschlag für die Betroffenen und dürfte von mehreren zehntausend Männern mit Verstörung zur Kenntnis genommen worden sein. Besonders unerträglich wird dieser Haß auf die Abweichung durch die zynische Bejubelung breiter Teile der Medien. Will man den normierten Mann? Wer diesen ersten Schritt der Enthemmung geht, der ist moralisch mitverantwortlich für die Diskriminierung Andersdenkender und Andersseiender, seien es nun Menschen mit Sonderbefähigungen (ehemals „Behinderte“), Menschen anderer Hautfarbe oder sexueller Orientierung, und verstößt gegen Paragraph 3 des Grundgesetzes und Paragraph 185 des StGB. An „seinen Händen klebt auch das Blut usw.“

Eine Entschuldigung von Frau Schwanitz, in der die Worte „Wenn ich mit meiner Aussage jemandes Gefühle verletzt habe, dann …“ vorkommen sollten, ist das Mindeste, was die Betroffenen und die Öffentlichkeit erwarten dürften. Ob die Auszeichnung, aufgrund besagter sieben Zentimeter, gerechtfertigt ist, wäre zu überdenken und auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen – denn wer will schon von solch einer Athletin der Erniedrigung repräsentiert werden?

Welche fatalen Folgen derartige Kränkungen haben können, zeigt der soeben wieder aufgerollte Fall Hitler. Dieser litt unter Kryptorchismus. Es ist keine allzugroße Spekulation, die dadurch erlangte Kränkung – etwa als Soldat im 1. Weltkrieg – mit Hitlers aggressiver Kompensation in Verbindung zu bringen.

Führt man diesen Gedanken konsequent fort, dann könnte uns eine Genitaluntersuchung aller Möchtegern-Napoleone im In- und Ausland möglicherweise vor künftigem Unheil bewahren.