Gespräch mit den Syrern

Das System scheint allmählich zu greifen. Alle Syrer wurden plötzlich zu Sprachkursen eingeladen, an verschiedenen Schulen, zu verschiedenen Zeiten, mit verschiedenen Kurslängen. Immerhin. Muhannad geht von 8 Uhr bis 11.15 Uhr. 26 Schüler fasst die Klasse, fasste, denn die Hälfte der 15 Iraker gaben schon nach wenigen Tagen auf. Vermutlich, so meint er, weil sie ohne jegliche Sprachkenntnis und zum Teil auch Schulerfahrung den Einstieg zu hoch fanden. Die Lehrerin spricht nur Deutsch, da ist es schwer, überhaupt eine Kommunikation aufzubauen. Dafür seien die Syrer und auch die drei Eritreer gut und willig, der Iraner versucht es zumindest.

Besser sieht es bei Khalid aus. Seine Klasse umfasst nur 17 Schüler, vier Iraker, drei Eritreer und zehn Syrer – alle geben sich Mühe.

Hussein geht von 8 Uhr bis 16 Uhr, dafür aber nur bis Januar und nicht, wie die anderen bis März. Er hat gerade erst angefangen.

Wir kommen wieder auf Syrien zu sprechen. Die jungen Männer fliehen von dort, weil sie permanent der Gefahr ausgesetzt seien, von irgendwelchen Milizen und Patrouillen gestoppt zu werden und dann könne es passieren, daß der Paß einbehalten oder vernichtet und man mit Gewalt dieser zufälligen Truppe eingegliedert wird.

Sie zeigen mir Bilder und Filme auf dem Handy. Zerbombte Städte. Eine Frau mit langem Kaftan und Kopftuch mit blutigem Armstumpf, der eine Bombe wohl soeben die Hand abgerissen hatte. Täglich Bomben über den Köpfen der Familien, die man auch hören kann, während man sie anruft.

Frankreich bombt nun auch gegen ISIS. Gut, das finden sie gut. „Die haben uns alle vertrieben“.

Weihnachten. Wollen wir auf den Markt? Kennt ihr Weihnachten? Na klar, das feiert man auch in Syrien. Freunde seien Christen und die hat man jedes Jahr besucht und zusammen gefeiert. Mit Baum und Geschenken. „Weißt du, Syrien ist ein ganz normales Land, wir hatten alles.“

Den hiesigen Weihnachtsmarkt haben sie bei Tageslicht schon gesehen. Alles Essen.

Wir gehen die EU durch. Alle 28 Staaten sollten aufgeschrieben werden, mit Hauptstädten. „Die Hauptstadt von Estland ist Tallin“, in allen Variationen – nur so sitzt der Satz am Ende. Dazu die Karte Europas. Deutschland, Frankreich, Schweden, Italien werden gefunden, alle anderen Länder müssen gesucht werden, die baltischen Republiken sind unbekannt, Luxemburg sowieso und Malta, na ja, sogar Zypern. „Aber du mußt doch wissen, wo Ungarn oder Bulgarien liegen, da seid ihr doch durch?“ – „Keine Ahnung, wir sind immer nur mit den Menschen mitgegangen.“

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