Deutschland für Ausländer

Refugee Guide

Mit meiner kleinen Gruppe Eritreer den sogenannten Refugee Guide durchgesprochen. Das Sprachverständnis ist noch sehr gering, daher mußte ich oft mit Englisch nachhelfen. Thema:

Persönliche Freiheiten

• Jeder und jede kann sich zu seiner oder ihrer Religion bekennen – oder zu keiner. Religion wird als Privatsache angesehen, es gilt die Religionsfreiheit. Das heißt, dass man glauben darf, was man möchte – gleichzeitig wird aber auch erwartet, dass man akzeptiert, dass andere Menschen an einen anderen Gott glauben – oder an gar nichts.

Das wurde als gegeben hingenommen, obwohl die Gruppe aus Muslimen und Christen besteht. Was ihnen Religiosität bedeutet, kann ich noch nicht einschätzen. Vermutlich sieht man es eher lax, auch wenn riesengroße Kreuze um den Hals getragen und die Handy-Displays farbenbunte und kitschige Madonnen- und Jesusbildchen zieren. Man hört und liest und meine geringen Erfahrungen bestätigen das auch, daß es in Eritrea ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen gibt. Eine gewisse Fassungslosigkeit, die man vor mir verstecken wollte, ruft der Gedanke hervor, man könne auch an gar nichts glauben! An gar nichts?

• Streitgespräche und Diskussionen haben in Deutschland meist das Ziel, zu einem Kompromiss zu führen. Die Presse hat hier eine besondere Freiheit, die sogenannte Pressefreiheit, die gesetzlich festgeschrieben ist. Die Presse beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Themen, inklusive Kritik an der Regierung und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen (wie zum Beispiel Kirchen). Das Recht auf freie Meinungsäußerung erlaubt es jedem, seine oder ihre Meinung zu äußern, solange diese nicht andere Menschen diskriminiert, beleidigt oder bedroht.

Eritrea hat nur eine einzige Zeitschrift, vor zehn Jahren waren es noch sieben. Im internationalen Index der Pressefreiheit nimmt das Land den letzten Platz ein.

• In Deutschland sind öffentliche Liebesbekundungen von (heterosexuellen sowie homosexuellen) Paaren nicht ungewöhnlich. Dies geht von Händchenhalten über Umarmen und Küssen bis hin zu Kuscheln in der Öffentlichkeit. Dies ist akzeptiert und sollte nicht weiter beachtet werden.

Aufmerksame Spannung liegt in der Luft. Zwei Männer oder zwei Frauen sich küssen zu sehen, das kam offensichtlich unerwartet. Man findet es eher komisch oder peinlich, reagiert mit Gekicher, nicht mit Aggression oder Abscheu. Also hieß die Parole: auch Lachen verbietet sich.

• Menschen, die im Sommer wenig bekleidet sind, gelten als normal. Dazu gehört beispielsweise das Tragen von T-Shirt und kurze Hosen. Es ist unhöflich, diese Menschen für längere Zeit anzusehen.In Saunen und einigen wenigen Schwimmbädern bewegt man sich nackt. In den meisten öffentlichen Schwimmbädern trägt man Schwimmbekleidung.

So etwas gebe es auch, wenn auch selten, in Eritrea. Mein Vorschlag eines gemeinsamen Schwimmhallen- oder gar Saunabesuches wurde zumindest nicht abgelehnt.